Ungetrübtes Hörvergnügen: Das Giraud Ensemble Chamber Orchestra hat Friedrich Guldas "Concerto for myself" eingespielt

Giraud Ensemble Chamber Orchestra, Friedrich Gulda: Concerto for myself,  CD-Besprechung

Mischa Cheung, Yulia Miloslavskaya, Sergey Simakov.
Foto: Solo Musica

CD-Besprechung: Friedrich Gulda: Concerto for myself (Sonata concertante für Klavier & Orchester), Solo Musica

Giraud Ensemble Chamber Orchestra

Sergey Simakov Dirigent
Mischa Cheung, Klavier
Yulia Miloslavskaya, Klavier

von Peter Sommeregger

Den drei auf dieser CD gegenüber gestellten Werken ist eines gemeinsam: Es sind bewusst anachronistisch komponierte Stücke, zum Teil als Hommage an Komponisten früherer Epochen, zum Teil wohl auch als witziges Spiel mit musikalischen Zitaten. Man fühlt sich streckenweise wie bei einer Quizfrage: Woraus stammt dieses Zitat? Wer wird hier parodiert?

Den Auftakt macht das jüngste der Werke, das Concerto for Myself von Friedrich Gulda, uraufgeführt 1988. Barocke und klassische Anklänge machen dieses Stück leicht zugänglich, das Spiel mit verschiedenen Stilen und Ausdrucksformen ist äußerst reizvoll und amüsant. Humor ist in der Musik eher selten, in dieser Komposition, die von der Wiener Klassik bis zum Jazz eine ungewöhnliche Melange bietet, ist der Spagat zwischen ernsthaftem Ansatz und Spaß aber geglückt. Mischa Cheung am Klavier tritt erfolgreich in die Fußstapfen des unvergessenen Friedrich Gulda.

Seregei Prokofievs erste, auch „Klassische“ genannte Symphonie, entstanden um 1918 folgt ebenfalls anachronistisch verwendeten Stilmitteln und Formen. Als Reaktion auf die Kritik an seinen als zu modern empfundenen Werken wollte der Komponist zeigen, dass er sehr wohl auch im alten Stil schreiben kann. Orientiert an der Architektur der Symphonien Haydns schafft er doch eine eigene persönliche musikalische Handschrift, die das Werk zu einem der erfolgreichsten aus seiner Feder machte.

Das Konzert für zwei Klaviere und Orchester muss man der ersten Schaffensperiode des Komponisten Francis Poulenc zuordnen. Auch er greift in dem Werk auf frühere musikalische Epochen zurück, speziell Anklänge, ja sogar Zitate von Mozart sind leicht herauszuhören. Die korrespondierenden Klavierparts werden von Mischa Cheung und Yulia Miloslavskaya pointiert vorgetragen.

Sergey Simakov ist der Dirigent aller drei Werke und lenkt das Giraud Ensemble sicher durch die abwechslungsreichen Partituren. Der Reiz dieser CD liegt in der klug getroffenen Wahl der Stücke, die als Gemeinsamkeit die Beschäftigung mit früheren Epochen der Musikgeschichte haben, diese spielerisch zitieren und auf höchst originelle Art verfremden. Alle beteiligten Künstler tragen mit ihren Leistungen zum Gelingen dieses Projekts bei, das Hören des Resultats bereitet ungetrübte Freude!

Note 1

Sergey Simakov is the conductor of all three works and steers the Giraud Ensemble safely through the varied scores. The attraction of this CD lies in the clever choice of the pieces, which as a commonality have the preoccupation with earlier epochs of music history, quote them playfully and alienate them in a highly original way. All participating artists contribute with their achievements to the success of this project, the hearing of the result prepares unclouded joy!

Peter Sommeregger, 01. November 2019, für
klassik-begeistert.de

Friedrich Gulda
Concerto for myself

Sergei Prokofiev
Symphonie Nr.1

Francis Poulenc
Concerto for two Pianos and Orchestra

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