Foto: Archiv Il Trovatore © Brinkhoff-Mögenburg
Nach einer musikalisch mäßigen Premierenbesetzung vor einem Jahr stemmt eine bärenstarke Gesangsbesetzung den Hamburger Trovatore auf die Spitze des Verdi-Podiums. Vor allem Marco Bertis siegessicherer Manrico brachte das Repertoirepublikum aus dem Häuschen.
Il Trovatore
Musik von Giuseppe Verdi
Libretto von Salvatore Cammarano nach Antonio García Gutiérrez
Die Hamburgische Staatsoper, 27. März 2025
von Johannes Karl Fischer
Ganz wie bei der letztjährigen Trovatore-Premiere wurde bei der Manrico-Arie in die Schlussakkorde hineingerufen… diesmal allerdings mit begeisterten Bravo- statt schallend schockierenden Buh-Rufen.
Zurecht: Allein Marco Bertis spitzenhafte Tenorleistung sang die Premierenbesetzung eigenhändig in Grund und Boden. Seine schier endlosen stimmlichen Kräfte stemmten die Spitzentöne souverän in den Saal, haushoch schwebte seine Stimme über den Chor hinaus und haute das Publikum regelrecht um. Wie ein siegessicherer Olympiasänger steigerte er die Verdiarien ins stimmlich unermessliche, kämpfte mit Eifer für seine Leonora und musste am Ende sich dennoch der Liebe geschlagen geben. Selbst das Hamburger Repertoire-Publikum war regelrecht aus dem Häuschen!

Auch George Petean sang den Graf Luna zwar nicht so laut, aber ebenso souverän. Mit klarer Diktion und kämpferischen, leicht röhrendem Bariton bot er seinem stimmlich allmächtigen Rivalen ordentlich die Stirn und brachte diesem Haus eine souveräne Verdileistung zu Gehör. Auch Hubert Kowalczyk legte mit seinem Ferrando einen bärenstarken Start in den Abend, seine kommandierende Stimme donnerte die Befehle des Hauptmanns durch den Saal.
Für ein kräftiges stimmliches Ausrufezeichen sorgte auch Kristina Staneks Azucena. Ihr intensiver Mezzo trug die Partie der handlungstechnischen Strippenzieherin souverän auf ihren stimmlichen Schultern, ihre tiefe, emotionale Stimme strahlte mit Brillanz durch das Haus. Besonders wacker schlug sie sich gegen Herrn Bertis schier umhauenden Tenor, zeigte sich durch diese gesangliche Feuerprobe völlig unbeeindruckt und steigerte das musikalische Niveau packend in neue Höhen!

Olga Pereytatko lieferte eine mindestens ordentliche Leistung als Leonora, ließ mit ihrem vibratoreichen Sopran die brennend liebevollen Melodien ihrer Partie in die musikalischen Herzen des Publikums eindringen. Vor allem ihre zahlreichen Spitzentöne sorgten für regelrechtes Stuhlkanten-Feeling, an der einen oder anderen Stelle schien mir ihr sehr emotionaler Ansatz an die Melodien dennoch ein wenig übertrieben. Nun ja, ist jetzt auch nicht die weltspannendste Sopranrolle. Mit Marie Maidowski stand ihr eine gesangliche ebenso brillante Inez zur Seite, die Opernstudio-Sopranistin vereinigte sich in brillanter Harmonie mit der Leonora.
Nach einer absolut soliden Maria-Stuarda-Regie am Vortag wirkte Immo Karamans feuerlastige Inszenierung ein bisschen einfallslos. Zwar stellte er mit einem im Laufe des Abends immer sichtlicher zertrümmerten Haus die kriegsdominierte Handlung verständlich auf die Bühne, konnte aber die zähe Handlung nicht wirklich auffrischen. Ein bisschen mehr regietechnische Abwechslung würde diesem Haus sicher gut tun… so auch die Stimmung im alltäglichen Logengeplauder. Vielleicht bringt Herr Kratzer da ein paar neue Impulse an die Elbe.
Zu guter Letzt konnte Paolo Arrivabenis recht starres Dirigat mit dem musikalischen Spitzenniveau leider nicht mithalten. Sorry, aber so leblos und uninspiriert habe ich den Schlager-Chor „Vedi! Le fosche notturne“ selten gehört, die Hammerschläge klangen eher wie disziplinierte Pflichtarbeit statt musikalisch feurige Verdi-Flammen.
Insgesamt kam das Orchester nicht in Stimmung und hatte vor allem zu Beginn deutlich hörbare Koordinationsprobleme, auch der Chor hatte diesem leider wenig entgegenzusetzen. Anders als bei der Premiere zeigte sich das Publikum regelrecht zufrieden mit der Leistung im Graben… nun ja, das Repertoire-Publikum scheint mir in Hamburg generell nicht sehr Opernerfahren zu sein.
Insgesamt fegte diese Wiederaufnahme die musikalische Premierenleistung allerdings regelrecht vom Platz. Die zahlreichen Buhs von damals wichen zurecht einigen für Repertoire-Verhältnisse sehr stimmigen Bravi!
Johannes Karl Fischer, 28. März 2025 für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Giuseppe Verdi, Il Trovatore Hamburgische Staatsoper, 27. März 2025
Giuseppe Verdi, Il Trovatore Staatsoper Hamburg, 17. März 2024 PREMIERE