"Ein Sommernachtstraum" des großen John Neumeier in HH: ein festlicher und gelungener Auftakt, der Freude auf die Ballettsaison bereitet

Hamburg Ballett, John Neumeier, „Ein Sommernachtstraum“,  Staatsoper Hamburg, 8. September 2019

Die Bühne ist voll von grandiosen jungen Tänzerinnen und Tänzern, die ihr makellos einstudiertes Können zeigen und das Füllhorn von Liebesfest und Tanz über dem Publikum ausschütten.

Hamburgische Staatsoper, Großes Haus, 8. September 2019

Hamburg Ballett, „Ein Sommernachtstraum“
Ballett von John Neumeier nach William Shakespeare

Fotos © Kiran West 

Musik: Felix Mendelssohn Bartholdy, György Ligeti und traditionelle mechanische Musik
Choreografie und Inszenierung: John Neumeier
Bühnenbild und Kostüme: Jürgen Rose

von Eva Stratmann  

Ein Sommernachtstraum – die legendäre Trias aus Mendelssohn, Shakespeare und John Neumeier hat die neue Ballett-Saison an der Staatsoper Hamburg eröffnet. Knapp 300 Mal wurde diese Inszenierung seit ihrer Uraufführung 1977 allein in Hamburg dargeboten und gilt bis heute als einer der absoluten Publikumslieblinge unter Neumeiers Inszenierungen. In zweieinhalb Stunden führt der Abend durch die Wirrungen der Liebe und nutzt dabei kontrastreiche Stilmittel des Balletts.

Angefangen beim konservativ inszenierten „Vorabend der Hochzeit“, an dem Hippolyta auf einer Reklamiere ruhend ihre Hochzeit herbeiträumt. Um Hippolyta und Theseus (Alina Cojocaru und Christopher Evans), die meisterhaft leicht und elegant zeigen, was Ballett alles kann, dreht sich das Spektakel des Abends.

Wenige Szenen nach dem konservativen Prolog wandelt sich die Bühne in einen Nebel durchzogenen Zauberwald, in dem grün leuchtende Bäume das von Nebelschwaden durchzogene Bühnenbild erhellen (Bühnenbild und Kostüme: Jürgen Rose). Das eben noch traditionelle Ballett wandelt sich in ein minimalistisch akrobatisches Körperballett. Feen in hautengen, glänzenden Catsuits biegen und schmiegen sich aneinander und formen ästhetische Körperformationen, die von Nebel umspielt im gleißenden Licht zur gedehnten, machtvollen Orgelmusik von György Ligeti eine surreale Zwischenwelt erschaffen.

In diesen Sphären wird Hippolyta zur Elfenkönigin Titania und Theseus zum König Oberon, beide streiten im Zauberwald leidenschaftlich miteinander. Das widerum wühlt die Feen des Waldes mächtig auf, was sie Ballett-akrobatisch zum Ausdruck bringen. Meister der frechen Verwirrungen ist der freche Hofnarr Puck, der den verliebten Paaren, die sich in den Wald verirren, gewaltig den Kopf verdreht und mit seiner Liebesblume Schabernack treibt und die Liebespaare nach Lust und Laune durcheinander bringt.

Alexandr Trusch tanzt als Puck faszinierende Momente, in denen er flink, elegant und akrobatisch die Bandbreite seiner Tanzkunst auskostet. Doch Gott sei Dank wird nach großen Wirrungen alles wieder in seine Ordnung gebracht, als Oberon Puck befiehlt, das heillose Chaos wieder zu ordnen. Und ab dann ist das Ballett wieder klassisch und feierlich: Hippolyta erwacht auf ihrer Reklamiere und wird von Theseus geweckt. Alle anderen Liebespaare des Abends erhalten die Erlaubnis zu heiraten, und ab dann wird gefeiert und geheiratet, was das Zeug hält.

Die Bühne ist voll von grandiosen jungen Tänzerinnen und Tänzern, die ihr makellos einstudiertes Können zeigen und das Füllhorn von Liebesfest und Tanz über dem Publikum ausschütten. Nach dieser großen Festlichkeit endet das Ballett im Zauberwald, wo sich auch Titania und Oberon zu ihrer Liebe bekennen. Begleitet wird der Abend vom Philharmonischen Staatsorchester unter der Leitung von einem offensichtlich gut gelaunten Markus Lehtinen. Ein festlicher und gelungener Auftakt, der Freude auf die neue Ballettsaison bereitet.

Eva Stratmann, 10. September 2019, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Hippolyta/Titania: Alina Cojocaru
Theseus/Oberon: Christopher Evans
Philostrat/Puck: Alexandr Trusch
Hermia: Makoka Sugai
Helena: Leslie Heylmann
Lysander: Mathias Oberlin
Demetrius: Alexandre Riabko
Zettel/Pyramus: Marc Jubete
Flaut/Thisbe: Borja Bermudez

Musikalische Leitung: Markus Lehtinen
Orchester: Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Choreografie und Inszenierung: John Neumeier
Bühnenbild und Kostüme: Jürgen Rose

 

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