"In der Musik geht es um das Leben und das Menschsein" – 10 Fragen an den Klarinettisten Florian Schüle

„In der Musik geht es um das Leben und das Menschsein“  10 Fragen an den Klarinettisten Florian Schüle

Foto: © Alexandra Muravyeva

„Die Musik ist unsere gemeinsame Sprache. Wenn man sich dessen bewusst ist, staunt man fast, wie einfach Weltfrieden und respektvolles Miteinander möglich sind.“

Florian Schüle ist Soloklarinettist in Teodor Currentzis‘ MusicAeterna-Ensemble. Unter Currentzis wirkte er auch in Peter Sellars Inszenierung von Mozarts La Clemenza di Tito bei den Salzburger Festspielen 2017 mit. Dabei performte er (teilweise im Liegen) den Solopart der Klarinette in Sestos „Parto“-Arie direkt auf der Bühne an der Seite der französischen Mezzosopranistin Marianne Crebassa.

Florian Schüle spielt sowohl moderne als auch historische Instrumente. Er ist außerdem in der Badischen Philharmonie Pforzheim und im Balthasar-Neumann-Ensemble (Leitung: Thomas Hengelbrock) aktiv. Hier ist er auch musikalischer Beirat und Dozent der Balthasar-Neumann-Akademie. Ab dem kommenden Semester hat er einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik in Freiburg inne.

Interview: Frank Heublein

1. Was bedeutet Ihnen Musik?

Musik begleitet mich schon mein ganzes Leben. Ich habe mich stets für die verschiedensten Arten von Musik interessiert. Sie ist ein fester Bestandteil unseres Daseins und Ausdrucksform menschlicher Regungen, die alle Menschen verbindet. Musik ist „in Töne gegossenes Leben“, ein Leitspruch von Thomas Hengelbrock, den ich auch teile.

2. Gab es so etwas wie einen Weckruf, das Instrument Klarinette zu erlernen?

Nein, den gab es nicht. Ich wollte mit 7 Jahren Saxophon lernen. Man sagte mir, dafür müsse man erst mit Klarinette anfangen. Ein damals noch recht verbreiteter Irrtum. Ich habe es aber akzeptiert. Ich habe immer lieber Saxophon und später Schlagzeug gespielt als Klarinette. Sie war aber eben das einzige Instrument auf dem ich regelmäßig fundierten Unterricht erhielt und somit im Hinblick auf den Leistungskurs Musik als einziges Instrument in Frage kam. Ich kann nicht sagen, dass Klarinette „mein“ Instrument ist. Ich habe über die Zeit die Überzeugung gewonnen, dass man jedes Instrument nehmen kann, wenn man sich musikalisch ausdrücken will. Wenn man es professionalisieren will, dann muss man sich aber für eines entscheiden. Bei mir war das dann die Klarinette. Ehrlich gesagt habe ich dieses Instrument eigentlich erst während des Studiums schätzen gelernt.

Florian Schüle in Salzburg. © Alexandra Muravyeva

3. Verändert sich Ihr musikalisches Gefühl mit den Instrumenten die Sie spielen?

Nun ja, Ich sehe es so: Wenn ich ein Stück erarbeite, entsteht eine musikalische Vorstellung in mir. Diese versuche ich dann durch das Instrument auszudrücken. Eigentlich steht das Instrument sozusagen zwischen mir und der Musik. Natürlich hat jedes Instrument seine Eigenheiten von denen ich auch lerne und die ich versuche mit in meine Interpretation einzubeziehen, aber das Gefühl für die Musik ändert sich dadurch nicht. Einen Zusammenhang zwischen den instrumentalen Eigenarten und meiner Interpretation gibt es aber absolut!

4. Die Klarinette ist musikhistorisch ein relativ neues Instrument, dass Mitte des 18. Jahrhunderts auftauchte. Was war die Innovation dieses Instruments? Was kann die Klarinette, was die deutlich älteren Holzblasinstrumente, die Flöte und Oboe nicht (so gut) können?

Florian Schüle in Perm. Foto: (c) Gyunai Musaeva

Die Besonderheit der Klarinette ist, dass sie nicht wie alle anderen in der Oktave überbläst, sondern in der Duodezime. Also eine Oktave plus eine Quinte. Der Abstand ist also deutlich größer. Deshalb ist der Tonumfang der Klarinette von Natur aus deutlich größer als der der anderen Holzblasinstrumente. Wir haben deutlich mehr als drei Oktaven zur Verfügung. Allein dadurch gibt es unglaublich viele Charakteristika die wir ausdrücken können mit diesem Instrument. Verglichen mit dem Gesang könnte man also sagen, wir haben vom Bariton bis zum Koloratursopran alles drauf und können sogar wild zwischen diesen Stimmlagen hin und her springen.

Instrumentenbautechnisch ist die Klarinette dadurch entstanden, dass dem Chalumeau, einem früheren Instrument mit einfachem Rohrblatt, eine Überblasklappe aufgesetzt wurde, wodurch man einigermaßen zuverlässig überblasen konnte, eben in die Duodezime, nicht in die Oktave. Das Problem, was auch mehrfach in diversen Schulen und Artikeln der Zeit beschrieben wurde, ist, dass durch dieses Überblasen die Intonation sehr schwer zu justieren ist. Bei einem Instrument, das in die Oktave überbläst, muss man das Register nur einmal vernünftig einstimmen. Drückt man dann die Überblasklappe, so hat man das gleiche Register, nur eine Oktave höher. Die Klarinette muss man aber zweimal stimmen. Das untere Register und nochmal das obere, überblasene Register. Und dann müssen diese beiden noch zueinander in Verbindung gebracht werden. Ein Prozess, der bis heute den Instrumentenbau beschäftigt und immer noch trotz modernster Technik gute von schlechten Instrumenten unterscheidet.

„La Clemenza di Tito“ konzertant in Perm. MusicAeterna unter Teodor Currentzis. Foto: (c) Svetlana Korban

5. Sie spielen in unterschiedlichen Ensembles. Müssen Sie sich als Musiker auf unterschiedliche musikalische Herangehensweisen einstellen? Oder ist dafür allein der Dirigent verantwortlich?

Man kann schon sagen, dass die verschiedenen Ensembles unterschiedlich arbeiten, unterschiedlich klingen und anders funktionieren. Das liegt vor allem daran, dass sie sich aus verschiedenen Musikerpersönlichkeiten zusammensetzen. So hat jeder seine Eigenarten und Stärken. Mit der Zeit lernt man diese gegenseitig kennen, was das gemeinsame Arbeiten erheblich beschleunigt und die nonverbale Kommunikation stark verbessert. Aber dies betrifft in erster Linie Organisatorisches wie Intonation, Zusammenspiel, Balance, Klangmischung, Dynamik, Phrasierung etc..

Natürlich bieten wir als Bläsergruppe auch schon in der ersten Probe eine musikalisch einleuchtende, technisch annehmbare Version an, aber der spezifische Klang des Orchesters wird schon noch maßgeblich durch den Dirigenten beeinflusst. Man braucht als Orchestermusiker ja auch das Feedback und die Vision des Dirigenten um ein geschlossenes und einmaliges musikalisches Ergebnis zu erzielen. Wir können das schon auch ohne Dirigent, aber dann ist es vermutlich nicht so ausdrucksstark. Zumindest kann ich dies für das Balthasar-Neumann-Ensemble und MusicAeterna sagen. Beides sehr professionelle Ensembles die einen ganz eigenen Sound haben. Ihnen stehen zwei Dirigenten vor, die sich diese Ensembles aufgebaut haben, um eben ihre ganz eigene Sicht auf die Musik zu realisieren. Das können sie nur, weil sie Musiker vor sich haben die bereit sind, dieser Vision bedingungslos zu folgen, ja, sie sogar zu ihrer eigenen zu machen um außergewöhnliche Konzerte zu realisieren.

Somit zurück zur Frage: Ja, man geht schon unterschiedlich ran und muss sich darauf einstellen. Dies ist eine unglaubliche Bereicherung in meinem Leben als Musiker!

„La clemenza di Tito“ in Amsterdam. Foto: privat.

6. Die Ensembles sind also unterschiedlich: Wie entsteht der besondere Klang des Ensembles?

Es ist immer ein Wechselspiel aus musikalischem Angebot der einzelnen Musiker, Vorstellung des Dirigenten und dem Bestreben einen homogenen Gesamtklang zu erzeugen. Alles hat seinen Platz und in diesem Wechsel entsteht der besondere Klang. Diese Prozesse sind also dementsprechend sehr unterschiedlich, abhängig davon, wer auf welcher Position sitzt oder steht.

7. Auch Dirigenten haben starken Einfluss. Wie kann Sie ein Dirigent zu Höchstleistung motivieren? Oder ist das die reine Vorfreude auf das zu spielende Stück?

Das interessante am Phänomen „Dirigent“ ist vor allem dies: Für den Konzertgänger steht etwas völlig anderes im Mittelpunkt als für uns Musiker. Im Konzert sieht man, dass der Dirigent sich irgendwie bewegt und das Orchester dazu spielt. Das ist aber lediglich das Resultat, vorher hat bereits vieles stattgefunden.

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Die Hauptarbeit des Dirigenten findet ja während des Probenprozesses statt. Ein inspirierender Dirigent bringt eine gute Mischung mit aus Fachwissen, Hintergrundwissen, Beherrschung aller Details der Partitur, nachvollziehbaren musikalischen Ideen, kommunikativen Fähigkeiten, Begeisterung, Verständnis für seine Musiker, Autorität, Kollegialität, einer ausgereiften Dirigiertechnik, einer überzeugenden Körpersprache, einem hohen Maß an Fähigkeit genau zuzuhören, einer starken persönlich-musikalischen Vision, die wir als Musiker im Orchester spüren und nachvollziehen können, und einem gesundes Maß an Spontanität und Unberechenbarkeit; um nur die wichtigsten Faktoren aufzuzählen…

Es ist diese Mischung, dieses Gefühl des gemeinsamen Ringens um ein außergewöhnliches Ergebnis das mich zu Höchstleistung anspornt. Es geht ja immer darum, dass man in seiner Rolle als Orchestermusiker die Balance finden muss zwischen dem individuellen Gestaltungswillen und den Vorstellungen des Dirigenten. Wir haben uns ja dazu entschieden, einen Beruf zu ergreifen, der voraussetzt, dass wir bereit sind, einer „fremden“ Idee zu folgen und sie zu unserer eigenen zu machen damit sie überzeugend klingt und ein besonderer musikalischer Moment entstehen kann. Wenn ich mich nicht auf den Dirigenten und seine Vorstellungen einlassen kann, wird nie ein homogenes, besonderes Ergebnis herauskommen. Und die oben genannten Fähigkeiten sind meiner Meinung nach Voraussetzung, damit dieser Prozess gelingen kann. Natürlich könnte ein Ensemble auch ohne Dirigent schöne Konzerte spielen und überzeugende Interpretationen erarbeiten, aber mit einem inspirierenden Dirigenten entsteht ein gemeinsamer Lernprozess und ich glaube danach streben alle Musiker! Man will ja die Musik die man oft schon x-fach gespielt hat immer wieder neu entdecken. Da hilft ein Dirigent manchmal schon.

Salzburger Festspiele 2017. Foto: (c) Alexandra Muravyeva

8. Größere musikalische Ensembles erlebe ich als international besetzt. Spielt die Internationalität eine Rolle? Inspiriert sie? Erzeugt die gemeinsame Musik eine persönliche Offenheit für die Anderen?

Musik ist eine universelle Sprache. Ich erlebe die Internationalität der Ensembles, in denen ich spiele, als absolute Normalität und bereichernde Tatsache. Das Phänomen, dass ein Orchester ein homogener Organismus aus Individuen ist, lässt kein Denken nationaler Art in auch nur irgendeiner Weise zu. Ganz im Gegenteil: Man erlebt so unmittelbar wie sonst nirgendwo, wie egal Herkunft, Glaube, Lebensstil, Orientierung etc. sind. Es sind Menschen die sich hier begegnen und miteinander kommunizieren. Ehrlich gesagt ist diese Tatsache in der heutigen Zeit etwas, das mir immer noch Hoffnung auf eine friedliche Zukunft macht. „Musik ist in Töne gegossenes Leben“, um noch einmal mit Thomas Hengelbrock zu sprechen. Es geht also um das Menschsein und um das Leben.

Nationalitäten spielen dabei keine Rolle. Dass jeder Musiker einen unterschiedlichen Hintergrund hat, führt zu einer Bereicherung des Ensembles. Ob dieser Unterschied darin besteht, dass der eine aus Bayern und der andere aus Hamburg, der nächste aus Jerusalem oder aus Barcelona, aus Paris oder Tokio, aus Armenien oder Russland kommt, es ist völlig egal. Jeder bringt sich ein in das Ensemble und wird dadurch Teil einer Gemeinschaft aus Individuen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Die Musik ist unsere gemeinsame Sprache. Wenn man sich dessen bewusst ist, staunt man fast wie einfach Weltfrieden und respektvolles Miteinander möglich sind. Und gleichzeitig stehe ich fassungslos vor den Geschehnissen unserer Zeit die bestimmt ist von so vielen Menschen die ihr „Besonders-Sein“ „Auserwählt-Sein“, „Anders-Sein“ vor sich hertragen und mit Hass, Gewalt, Verachtung und unfassbarer Aggression alles „andere“ bekämpfen. Das ist in meiner Welt nicht denkbar.

Natürlich gibt es Konflikte und Auseinandersetzungen! Aber sie werden mit den Werkzeugen der Kommunikation und des Respekts gelöst. Im Orchester ist jeder nur ein Teil eines Ganzen. Jeder hat seine Funktion und Aufgabe, die er oder sie selbst gewählt hat! Ich bin nicht perfekt, ich muss auch um Nachsicht und Verständnis für meine Person und meine Eigenarten bitten und so räume ich die auch jedem anderen Menschen ein. Ich glaube, die Tatsache, dass wir als Musiker eine sehr ausgeprägte nonverbale Kommunikation haben, verschafft uns die Möglichkeit, sehr leicht zu einem „Verstehen des Anderen“ zu kommen. Ich kommuniziere also mit Menschen, von denen ich oft noch nicht einmal weiß, welche Sprache sie sprechen, woran sie glauben oder nicht glauben, woher sie kommen, wo und wie sie leben! Ich finde es großartig, dass diese Faktoren so vollkommen egal sind in meiner Arbeit! Charisma, Charakter, Persönlichkeit, Respekt, Toleranz, Empathie, Aufmerksamkeit, natürlich auch Können und Wissen verbinden uns Musiker, alles andere ist egal.

„La Clemenza di Tito“, Salzburger Festspiele 2017, Sesto: Marianne Crebassa.
Foto: (c) Alexandra Muravyeva

9. Gibt es so etwas wie eine musikalische Sternstunde in Ihrem Leben? So eine Art Energie, die Sie seitdem befeuert?

Ja schon. Das war die Produktion von La clemenza die Tito bei den Salzburger Festspielen 2017. Ich wurde gebeten die Arie des Sesto „Parto, Parto“, in der die Bassettklarinette eine solistische Rolle spielt, auf der Bühne zu spielen, im Duett mit der unglaublichen Sängerin Marianne Crebassa, die die Hosenrolle sang. Es handelte sich aber nicht um eine übliche Bühnenmusik, bei der Musiker auf der Bühne stehen und sozusagen die Begleitband darstellen wie etwa bei Don Giovanni! Der Regisseur Peter Sellars stellte sich vor, dass ich eine richtige Rolle übernehme. Sozusagen einen Seelenaspekt des Charakters Sesto. Es ging also darum, ein Charakter zu werden und nicht ein Musiker der auf der Bühne Klarinette spielt.

Foto: (c) Alexandra Muravyeva

Es war insofern eine Sternstunde, weil ich lernen durfte über die Beherrschung eines musikalischen Werkes hinaus etwas viel Wichtigeres auszudrücken: eine Geschichte! Ein Drama! Die Musik erzählt etwas über eine zerrissene Persönlichkeit, die bereit ist aus Liebe einen Mord zu begehen. Man stelle sich dieses Drama vor! Entweder Mord oder Verlust eines geliebten Menschen! Ethisch ist das vielleicht zu beantworten, aber versucht man sich wirklich in den Charakter hineinzuversetzen, in diese Ausweglosigkeit, so tritt man in Kontakt mit Regungen, die wir alle haben: Leid, Zerrissenheit, Trauer, Hass, Leidenschaft usw.. Plötzlich ist Musik nicht mehr eine erfreuliche und geschmackvolle Nebensächlichkeit. Sie wird zur Notwendigkeit! Es geht um ein Ringen der Emotionen und Überzeugungen. Die Musik wird zum Medium, das zum Ausdruck bringt, was sich in den Menschen abspielt!

Foto: (c) Alexandra Muravyeva

Theoretisch war mir das vorher auch schon klar, es aber so unmittelbar zu erleben, war wirklich eine Sternstunde für mich. Plötzlich wurden die vorher von mir als schlicht virtuose Koloraturen und Läufe abgetanen Stellen, wie sie sich am Ende der Arie finden, zu einem langgezogenen Aufschrei, der in den Wahnsinn führt! Da wurde eine kleine Melodie plötzlich zu einem dringlichen Bitten, zu einem verzweifelten Fragen, zu einem ängstlichen Suchen nach Erklärung! Ein Akzent wird zum Wegstoßen, ein „dolce“ zu einer liebevollen brüderlichen Umarmung, eine Pause zu einer Sprachlosigkeit, ein Trugschluss zu einem tiefen, emotionalen, physischen Schmerz! Das hat schon eine andere Dimension als „pianissimo“ oder „forte“, „staccato“ oder „legato“…

Foto: (c) Alexandra Muravyeva

Seither ist mein ständiges Bestreben, Musik niemals einfach nur „schön“ zu spielen. Es geht immer um eine Geschichte, um eine Dringlichkeit, eine Notwendigkeit des Ausdrucks menschlicher Regungen. Kommunikation, dem Teilhabenlassen an einer Aussage. Der Noten-“Text“ wird zu dem, was er eigentlich ist: eine Aneinanderreihung von Buchstaben und Satzzeichen. Er muss gelesen und interpretiert werden können wie ein Roman! Das verlangt sie von mir. Ich muss einen Witz verstehen können, wenn ich ihn lese. Ich muss Spannung erkennen können, wenn ich sie lese. Ich muss verstehen, mit welchen Mitteln der Autor es schafft, mich am Buch und an der Geschichte zu halten. Und, bezogen auf die Musik muss ich den Text nicht nur verstehen, sondern ich muss ihn auch überzeugend „vorlesen“ können als ausübender Musiker. Durch die Arbeit mit Peter Sellars ist diese Einsicht Bestandteil meines Lebens geworden. So gesehen schon eine Sternstunde!

Foto: (c) Balthasar-Neumann-Kammerensemble

10. Haben Sie ein Herzensprojekt, das Sie unbedingt realisieren wollen?

Ich bin glücklicher Besitzer eines wunderbaren originalen Pärchens von Klarinetten aus dem späten 19.Jahrhundert, die in München gebaut wurden. Ich habe den großen Traum, mit diesen Instrumenten Werke von Brahms und Schumann aufzunehmen mit originalen Instrumenten. Und ich wünsche mir, dass ich mit den Kollegen des Balthasar-Neumann-Ensembles die spannende Kammermusik des 18. und 19. Jahrhunderts erarbeiten kann! Es ist ein Schatz an Literatur und unfassbar aufregende und vielseitige Musik! Meine Favoriten wären: Mozart, Sextett/Oktette, Gran Partita; die Septette von Beethoven; das Schubert-Oktett und Berwald. Kompositionen des letzteren habe ich gerade mit den Kollegen des Balthasar-Neumann-Kammerensembles beim Schleswig-Holstein-Musik-Festival aufgeführt. Mit viel Zeit und Geduld möchte ich diese Werke erarbeiten und aufnehmen. Das wäre ein Traum! Gerade die derzeitige Krise lässt diesem Wunsch Raum einnehmen. Wir können ja gar nicht groß besetzt spielen. Es gibt nur wenige Konzerte. Eigentlich eine ideale Zeit, um sich solchen Werken zu widmen und sie „unerhört“ bzw. „so noch nie gehört“ aufzunehmen.

Frank Heublein, 14. August 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Interview Beate Thalberg, DAS GROSSE WELTTHEATER – Salzburg und seine Festspiele Salzburger Festspiele

Ein Gedanke zu „„In der Musik geht es um das Leben und das Menschsein“
10 Fragen an den Klarinettisten Florian Schüle“

  1. Muy hermosa entrevista!!! Florian ha sido capaz de transmitir su sentir hacia la música, hacia la vida… igual que hace con su instrumento.

    Maray Viyella Clausell

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