Die Mandoline ist sein Lebensmittelpunkt – Interview mit dem Wahl-Hamburger Florian Klaus Rumpf

Interview mit dem Wahl-Hamburger Florian Klaus Rumpf  klassik-begeistert.de

Foto: Ars Produktion Hi-Res-Diskografie Qobuz

Interview mit Florian Klaus Rumpf von Dr. Andreas Ströbl

klassik-begeistert: Lieber Herr Rumpf, mit Ihrer CD „A Mandolin’s Guide to Hamburg“ nehmen Sie Ihre Hörerinnen und Hörer mit auf einen Rundgang durch Ihre Heimatstadt. Wer jetzt aber Klischees wie Shanty-Klänge oder dergleichen erwartet, wird angenehm überrascht. Was empfinden Sie als genuin hanseatisch oder „hamburgisch“ an Ihrer Musik?

Florian Klaus Rumpf:  Das ist eine sehr gute Frage. An der Musik selbst ist nichts typisch hamburgisch. Darum ging es mir auch gar nicht. Das Ziel war es, mit der Musik Geschichten zu erzählen und meine Eindrücke wiederzugeben. Ich bin sehr empfänglich für Atmosphären und mag es, Menschen zu beobachten und wie die Atmosphäre eines bestimmten Ortes ihr Verhalten beeinflusst. In meiner musikalischen Arbeit liegt mein Fokus auch immer auf den Gefühlen und den Stimmungen, die eine Komposition transportiert. Da lag es für mich auf der Hand, die Atmosphäre eines Ortes und die Stimmung einer Komposition miteinander zu verbinden. Dass ich mir Hamburger Plätze und Sehenswürdigkeiten dafür aussuche, war nur logisch, weil ich hier lebe und die Stadt liebe.

klassik-begeistert: Viele verbinden Hamburg ja mit Arbeit, die im Hafen, den man auch auf dem Hintergrund des Covers sieht, den zahlreichen Verlagshäusern, dem Großmarkt oder eben auf der Reeperbahn stattfindet. Nicht umsonst gibt es in Hamburg auch ein „Museum der Arbeit“. Was steht für Sie da im Vordergrund, wenn Sie an Ihre Stadt und Ihr Publikum denken?

Florian Klaus Rumpf: Ich komme gebürtig aus Lohr am Main, einer Kleinstadt in Franken, und für meine Familie und mich stand Hamburg immer für Urlaub, Freiheit und die große weite Welt. Ein Trip in die Hansestadt bedeutete eine gute Zeit. Diese Sichtweise auf Hamburg hat sich für mich bis heute nicht verändert. Selbst nach über 10 Jahren hier kann ich noch leicht in den Touristenmodus umschalten und auf Entdeckungsreise gehen. Außerdem liebe ich die Mentalität der Hamburger, die sich von der fränkischen meiner Meinung nach gar nicht so sehr unterscheidet. Die Menschen hier sind mit wenigen Worten unglaublich herzlich. Das kenne ich von daheim sehr gut und deswegen fühle ich mich hier auch zu Hause.

klassik-begeistert: Sie haben in dem CD-Booklet tatsächlich eine kleine Reiseführung durch Hamburg integriert, mit Wissenswertem und teils wenig Bekanntem. Was hielten Sie denn von einer Rundfahrt durch die Hansestadt, mit Ihnen als Lautmaler dessen, was man sonst nur sieht?

Florian Klaus Rumpf: Die CD ist, ehrlich gesagt, eine Einladung dazu. Sie soll den Hörerinnen und Hörern Appetit auf Hamburg und die Mandoline machen. Mich würde auch interessieren, ob man meine Eindrücke teilt, oder ob vielleicht jemand meint, dass sie die Stimmung eines Ortes komplett anders lesen.

Es gibt so manche Stationen der CD, wie zum Beispiel den Michel oder den Elbtunnel, wo ich wahnsinnig gerne mal ein Konzert spielen würde. Ich wäre bereit dafür.

klassik-begeistert: Wenn man „Mandoline“ hört, assoziiert man unweigerlich Vivaldi und den italienischen Barock und natürlich all die Weiterentwicklungen in der Romantik. Das ist eher nicht Ihr Ding, oder?

Florian Klaus Rumpf: Ich glaube, dass jedes Instrument seine Klischees hat, in denen es mehr oder minder feststeckt. Das ist an und für sich nichts Verwerfliches. Wenn man sich in diesen Bereichen wohlfühlt und die Musik authentisch umsetzen kann, ist das phantastisch. Ich persönlich fühle mich jetzt allerdings im italienischen Barock und der mandolinistischen Romantik nicht unbedingt zu Hause. Das schließt aber nicht aus, dass ich mal einen kleinen Ausflug dorthin mache, oder mit den Klischees der Mandoline spiele. Dennoch ist es mir ein Anliegen, auch die vielen anderen Seiten der Mandoline zu Gehör zu bringen. Dabei liegt mir die Musik meiner japanischen Kollegen ganz besonders am Herzen.

klassik-begeistert: Die Wahl der Stücke auf Ihrer CD überrascht sicher manche, die, wie eben schon angesprochen, eher mit dem klassischen Repertoire rechnen. Was war Ihr wesentlicher Impetus und wie hat sich Ihr Weg zur fertigen Einspielung entwickelt?

Florian Klaus Rumpf: Es war mir wichtig, dass die ausgesuchten Werke für das Publikum leicht zugänglich sind. Sie sollten aber dennoch einen gewissen künstlerischen Wert haben. Letzteres konnte ich selbst entscheiden. Welche Kompositionen aber auch die Zuhörerschaft abholen, musste ich ausprobieren. Deswegen habe ich alle Stücke auch mehrfach in Konzerten getestet. Nur das, was im Konzert gut aufgenommen wurde und worauf ich direkt nach dem Konzert angesprochen wurde, hat es in die Auswahl für die CD geschafft. Während des Prozesses gab es natürlich auch ein paar Überraschungen. So wurde zum Beispiel das Allegro, WKO 198, von Abel unerwartet gut aufgenommen. Bei anderen Stücken musste ich mir dagegen eingestehen, dass ihre Zeit für mich noch nicht gekommen ist und ich sie auf spätere Projekte verschieben sollte. Ich glaube, dass ich so eine Möglichkeit gefunden habe, ein für mich spannendes Repertoire zu finden, das aber auch das Publikum begeistern kann.

klassik-begeistert: Und das ging mal eben so, in ein paar Monaten?

Florian Klaus Rumpf: Um genau zu sein, waren es etwas über 3 Jahre, die ich an diesem Projekt gearbeitet habe. Nach meiner ersten größeren Produktion habe ich mir vorgenommen, alles etwas langsamer angehen zu lassen. Ich hatte mich damals sehr unter Druck gesetzt und wollte das dieses Mal vermeiden. Durch die Pandemie kamen noch ein paar weitere Verzögerungen hinzu, die mich aber wenig gestört haben. Ich bin eher der Meinung, dass die CD dadurch reifen konnte und die Zeit ihr einen entspannteren Ton verliehen hat.

klassik-begeistert: Das Spektrum an Instrumenten, das Sie beherrschen, ist wirklich beeindruckend. Viele dürften beispielsweise von einem Mandoloncello oder Liuto Cantabile nicht einmal gehört haben. Mögen Sie dazu mehr sagen?

Florian Klaus Rumpf: Gerne! Die Mandolinenfamilie entspricht in ihren Grundzügen der Violinenfamilie. Die Mandoline, oder – um genau zu sein – die Neapolitanische Mandoline entspricht der Violine. Beide Instrumente sind sogar gleich gestimmt. Die Mandola entspricht der Viola. Allerdings ist die Mandola eine Oktave tiefer gestimmt als die Mandoline und spielt damit eher in der Tenorlage, während die Viola ein Altinstrument ist, das eine Quinte tiefer gestimmt ist als die Violine. Das Mandoloncello entspricht wieder in der Stimmung dem Violoncello. Ich spiele auf der CD eine Sonderform des Mandoloncellos: das Liuto Cantabile. Dabei wurde den vier Doppelsaiten C, G, d und a noch eine e‘-Saite hinzugefügt. Das vierte Instrument auf der CD ist die Barockmandoline, die man auch als Sopranlaute bezeichnen kann.

Es ist für uns Mandolinistinnen und Mandolinisten nicht ungewöhnlich, dass wir mehrere Instrumente der Mandolinenfamilie beherrschen. Es war allerdings nicht ganz einfach, ausreichend Literatur für alle Instrumente zu finden, die meinen Kriterien entspricht.

klassik-begeistert: Wenn man „Mandoline“ sagt, kommt man an Avi Avital nicht vorbei. Sie kennen sich ja auch persönlich. Können Sie das näher erläutern? Und ist er ein Vorbild für Sie?

Florian Klaus Rumpf: Avi habe ich 2011 in Warschau kennengelernt. Da durfte ich ganz frisch aus dem Studium im GER Mandolin Orchestra, einem Projektorchester unter der Leitung von Mike Marshall, aushelfen. Wenn man sich anschaut, was Avi in den letzten Jahren alles für die Mandoline getan hat, kann man nicht anders, als beeindruckt zu sein. Er ist ein phantastischer Musiker und eine große Künstlerpersönlichkeit. Natürlich stimmen unsere künstlerischen und musikalischen Ansichten nicht immer überein. Das wäre ja auch mehr als langweilig. Dennoch hat er die Gabe das, was er sagen will, jedes Mal verständlich und nachvollziehbar zu kommunizieren. Mit dieser Authentizität ist er für mich ganz klar ein Vorbild.

klassik-begeistert: Was sind Ihre nächsten Pläne? Wann wird man Sie mal in der „Elphi“ hören?

Florian Klaus Rumpf: Die Elbphilharmonie würde mich natürlich reizen. Ich durfte kurz vor der Eröffnung an einem Insta-Walk teilnehmen und da hatte ich das Glück für ein paar Minuten ganz alleine im Großen Saal zu sein. Das war schon beeindruckend. Ich würde mich also bei einer Anfrage definitiv nicht wehren.

Das nächste große Event ist aber zunächst im September eine Reise in die USA. Die Classical Mandolin Society of America hat mich zu ihrer jährlichen Convention nach Kalamazoo, Michigan eingeladen. Mit Workshops, Konzerten und Privatunterricht werden das ein paar sehr spannende Tage.

Für die Zeit danach habe ich noch nichts Großes geplant. Ich bastele allerdings bereits an einem neuen CD-Projekt mit Musik aus Amerika, Großbritannien und Japan. Es geht also immer weiter.

klassik-begeistert: Lieber Herr Rumpf, haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch. Und viel Erfolg auf Ihrer USA-Reise!

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