"Wir befinden uns in einer Zeit großer Veränderungen"

Interview mit William Garfield Walker

Foto: © Andrej Grilc

Offen, energetisch und erfolgreich – Jolanta Łada-Zielke spricht mit dem Dirigenten William Garfield Walker

Er dirigiert sehr energetisch und kann diese Energie seinen Musikern vermitteln. Dies sieht man insbesondere in den Aufnahmen von Konzertmitschnitten mit dem von ihm gegründeten Nova Orchester Wien – NOW! William Garfield Walker leitet Piotr Tschaikowskys Werke reibungslos und mit Elan, als verstehe er die slawische Seele des Komponisten. Mahler klingt in seiner Interpretation würdevoll, Bernstein sehr dynamisch. Das Stück „Phantom Chapel“ von William Grant Still führt Walker mit sanften, kreisenden Bewegungen, manchmal mit geschlossenen Augen auf, verliert aber nie die Kontrolle über das Ensemble. Die „Adoration“ der afroamerikanischen Komponistin Florence B. Price, zu der William eine besondere Beziehung hat, klingt wie eine wundervolle Filmmusik. Und es ist schade, dass wir diesen jungen, leidenschaftlichen Dirigenten in der Zeit der Pandemie nur auf Aufnahmen miterleben können. Man bekommt eine große Lust, bei einem seiner Konzerte dabei zu sein und etwas von seiner Energie zu schöpfen…

William Garfield Walker gewann seine ersten beruflichen Engagements im Alter von 16 Jahren mit dem Mississippi Symphony Orchestra. Er studierte Cello bei Richard Hirschl vom Chicago Symphony Orchestra, bevor er sein Studium am Royal College of Music in London und an der Musik- und Kunstuniversität der Stadt Wien (MUK) abschloss, wo er von Vladimir Fedoseyev auf sein Diplomkonzert vorbereitet wurde. Zuvor war er der Dirigent beim Aspen Music Festival, sowie der Chefdirigent des Moonlight Symphony Orchestra, der Royal College of Music Oratorio Society. Im Alter von 20 Jahren gründete er die Virtuoso Philharmonic of Chicago. Er arbeitete mit Ensembles zusammen wie Berliner Sinfonietta, Bratislava Symphony Orchestra, Cabrillo Festival Orchestra, Janáček Philharmonic Ostrava, klassischen Solisten von London, das Mississippi Symphony Orchestra, das Orquesta Reino de Aragón, das Bacau Philharmonic Orchestra, die Astrakhan State Opera und das Ballet Theatre Orchester und die Taurida-Staatssinfonie des Leningrader Gebiets. Im März 2020 verabschiedeten das Repräsentantenhaus und der Senat von Mississippi einstimmig eine Resolution „Lob des musikalischen Genies von William Garfield Walker“.

Interview: Jolanta Łada-Zielke

Wie hilft Dir die Erfahrung als Cellist bei Deiner Arbeit als Dirigent?

Das hat mir die Möglichkeit gegeben, aus eigener Erfahrung zu lernen, wie es ist, als Musiker in einem Orchester zu spielen. Während dieser Zeit hatte ich auch die Gelegenheit, verschiedene Dirigenten (einige von ihnen bekannt und angesehen) aus der Sicht der Musiker zu beobachten und zu sehen, wie meine Kollegen im Orchester darauf reagierten, was der Dirigent tat, was davon gut funktionierte und was nicht.

Haben die Streicher, wenn sie Dirigent werden, besondere Vorteile?

Zunächst würde ich sagen, für einen Dirigenten ist es immer von Vorteil, ein Instrument auf hohem Niveau zu spielen. Unabhängig von dem gewählten Instrument vermittelt diese Erfahrung mehr als theoretisches Wissen über die Funktionsweise eines Instruments. Es ist auch wertvoll, mit einem Orchester aufgetreten zu sein. Das Erlernen eines Streichinstruments ist für einen Dirigenten besonders hilfreich, da sich mehr Streicher als alle anderen Musiker in einem Orchester befinden. Es ist eine echte Hilfe, genau zu wissen, wie diese Instrumente funktionieren. Für mich zählen die Fähigkeiten, die ich als Cellist beim Spielen von Kammermusik in Streichquartetten, Klaviertrios und Duos gelernt habe, wie zum Beispiel Zuhören, Aufbau eines Ensembles und Kommunikation von Ideen auf eine Weise, auf die die anderen Musiker des Orchesters sensibilisiert werden sollten. Immerhin spielen die besten Orchester als große Kammer-Ensembles! Das Cello ist das Instrument, mit dem ich am besten umgehen kann, aber ich habe das Glück, die Gelegenheit gehabt zu haben, auch Fagott, Horn, Flöte, Saxophon und Pauke zu studieren und zu spielen. All diese Erfahrungen waren für mich als Dirigenten von unschätzbarem Wert.

Du bist ein junger Dirigent. Wenn Du einem Orchester mit einer reichen Geschichte und Tradition gegenüberstehst und eine neue Idee hast, wie ein Werk aufzuführen ist; stimmen die Musiker zu oder diskutieren sie mit Dir darüber?

Natürlich gibt es immer das Geben und das Nehmen. Die Zeiten des autokratischen Dirigierens sind glücklicherweise vorbei. Ich glaube, ob das Orchester eine 400-jährige oder eine eintägige Geschichte hat – es gibt einen Schlüssel zu einer gesunden und produktiven Beziehung zwischen den Musikern und dem Dirigenten. Und das sind: Offenheit, Ehrlichkeit und Respekt. Die Orchester, besonders solche mit langer Geschichte, spielen seit Jahrzehnten die Standard-Orchesterliteratur. In einigen Fällen ließ der Komponist ihnen sogar direkt sagen, wie sie ihre Musik spielen sollten! Es ist mir unmöglich, all dieses institutionelle Gedächtnis und diese lange Erfahrung zu ignorieren! Natürlich muss ich das respektieren. Aber ich glaube, wenn den Musikern klar ist, dass ich nicht mein Ego befriedigen, sondern mit dem Orchester zusammenarbeiten möchte, um eine großartige Leistung zu erzielen, dann werden sie offener auf meine Vorschläge. Das Schlimmste, was ein Dirigent tun kann, ist arrogant zu sein.

Foto: © Andrej Grilc

Gibt es Musiker in Deiner Familie?

Alle Mitglieder meiner Familie lieben Musik, aber niemand macht das professionell. Ich habe zwei Schwestern. Die ältere lernte Klavier und die jüngere Violine sowie Cello. Ich bin der einzige, der sich für den Beruf als Musiker entschieden hat.

Dean Dixon war der erste afroamerikanische Dirigent, der große Karriere machte und viele Hindernisse überwinden musste, um seinen geliebten Beruf auszuüben. Aber Du bist auf kein Klischeedenken mehr gestoßen, oder?

Doch, es ist mir passiert. Das ist immer noch ein großes Problem in der Welt. Aber ich habe keine Zeit, mich davon stören zu lassen. Ich gehe damit um, indem ich immer gut vorbereitet zur Probe komme und mein Musikmachen für sich selbst sprechen lasse. Einmal fragte mich ein Mitglied eines Orchesters, mit dem ich zum ersten Mal zusammenarbeitete, wie ich das Programm für die kommende Woche gewählt hätte. Dieser Musiker sagte offen und skeptisch, dass er nicht verstehe, warum jemand mit meiner Herkunft ein solches Programm wählen würde. Ich erklärte allen ein wenig, was mein musikalischer Hintergrund war, und sie waren ziemlich überrascht. Nach dem Konzert fragte mich derselbe Musiker (diesmal mit einem breiten Lächeln), wann ich wiederkommen könne, um ein ähnliches Programm zu machen. Am selben Abend erhielt ich sofort eine neue Einladung von diesem Orchester.

Apropos Dein Programm: Du setzt Dich für Werke des 20. Jahrhunderts ein, besonders für amerikanische und sowjetische Komponisten wie Prokofjew, William Grant Still, Mjaskowski, Barber und Schostakowitsch. Damals herrschte der „kalte Krieg“ zwischen diesen beiden Teilen der Welt. Aber ihre Musik platziert sich über diese Spaltungen hinweg?

Ich glaube, dass Musik eine verbindende Kraft ist, unabhängig von der nationalen Herkunft. In einem meiner letzten Konzerte hatte ich nicht nur russische und amerikanische Komponisten, sondern auch deutsche im Programm. Da gab es Richard Strauss, William Grant Still und Sergei Prokofjew. Ich bekam viele positive Kommentare von Mitgliedern des Publikums und vielen Musikern, die sagten, dass sie diese Kombination sehr interessant fanden. Als jemand, der gerne etwas über Geschichte lernt, betrachte ich diese Konzertprogramme als eine spezielle Zeitreise. Ich gebe dem Publikum die Möglichkeit, Musik zu hören, die innerhalb weniger Jahre geschrieben wurde, und zu vergleichen, wie die Welt Mitte des 20. Jahrhunderts in Nordamerika, Mitteleuropa und Russland klang. Natürlich werde ich nicht die gleichen Stücke für jedes meiner Konzerte festlegen. Manchmal widme ich den ganzen Auftritt einem einzigen Komponisten.

Ich interessiere mich auch sehr für Geschichte und mein Lieblingskomponist Richard Wagner wurde leider oft mit Politik in Verbindung gebracht…

Ja, aber meiner Meinung nach steht die Musik immer über der Politik. In manchen Situationen muss man den Menschen von seiner Schöpfung trennen. Zum Beispiel freue ich mich darauf, eines Tages den ganzen „Ring“-Zyklus musikalisch leiten zu können. Dann werde ich nur an die Musik denken, wie ich es schon beim Dirigieren anderer Stücke von Wagner machte.

2019 dirigiertest Du die Uraufführung von Prokofjews Dritter Symphonie Op. 44 in Südrussland vor ausverkauftem Haus. Was fasziniert Dich an diesem Komponisten?

Ich bin fasziniert von jedem Komponisten, dessen Musik mich sofort bewegt, und Prokofjew gehört dazu. Seit ich als Kind zum ersten Mal auf seine Werke gestoßen bin, bin ich von ihnen gefangen genommen. Sie haben mich an diesen unglaublichen Ort gebracht! Prokofjew war ein sehr origineller und einzelgängerischer Komponist. Er gehörte keiner bestimmten Schule an und man kann nirgendwo in seiner Musik Merkmale finden, die er von einem anderen Komponisten kopiert hätte. Vor allem aber ist seine Musik kraftvoll, aufrichtig und spricht auf einer sehr menschlichen Ebene.

2020 führtest Du die österreichische Premiere der Orchestermusik von Florence Price sowie die europäische Premiere der „Phantom Chapel“ von William Grant Still auf. Was bedeuten diese Komponisten für Dich?

Ich bin immer sehr aufgeregt, wenn ich ein Stück oder einen Komponisten, an den ich glaube, mit einem Publikum zum ersten Mal teile. Sowohl William Grant Still als auch Florence Price schrieben höchst originelle und einzigartig amerikanische Musik. Anderseits wurden Still und ich im selben Staat Mississippi geboren. In jungen Jahren zog Still mit seiner Familie in das benachbarte Arkansas, wo er dieselbe Schule wie Florence Price besuchte. Die musikalische Welt ist klein!

Was sagen die Konzertveranstalter dazu? Wollen sie populäre Werke spielen, weil die Menschen gerne das hören, was sie kennen? Oder ist es möglich, etwas Unbekanntes in das Programm hinein zu „schmuggeln“, damit das Publikum es kennenlernt?

Nach dem traditionellen Modell kombiniert man neue oder weniger bekannte Werke mit größeren Namen. Die Hoffnung ist, dass die Leute zu unserem Auftritt kommen, um das zu hören, was sie kennen; bei der Gelegenheit kann man ihr Interesse für etwas Neues wecken. So gestalte ich meine Konzertprogramme. Ich habe gesehen, dass die Leute manchmal mehr von dem Stück beeindruckt sind, das sie nicht kannten, als von einem, wofür sie tatsächlich zum Konzert gekommen sind! Ich denke, dass die Frage der Programmgestaltung keine geschäftliche, sondern eine emotionale Frage sein sollte. In beiden Fällen befinden wir uns jetzt in einer Zeit großer Veränderungen. Traditionelle Modelle werden in allen Bereichen getestet. Die Menschen suchen aber auch nach neuen Dingen in allen Bereichen. Warum muss die klassische Musik anders sein? Es gibt immense Möglichkeiten und meiner Meinung nach sollte die Musikbranche den Moment nutzen!

Ich denke, Florence Price hatte ein hartes Leben als Komponistin, weil sie eine Frau und eine Afroamerikanerin war.

Ja. Obwohl sie einige große Erfolge in ihrem Leben hatte, schaffte sie es vor ihrem Tod nicht, die volle Anerkennung zu erlangen, die sie verdient hätte. Sie starb 1953 und bis 2018 wurde ihre Musik nicht sehr oft aufgeführt. Nur wenige Menschen kannten ihren Namen. Ein Großteil ihrer Werke ging verloren und wurde erst 2009 in einem verlassenen Haus am Stadtrand von Chicago wiederentdeckt. Das Haus war in einem schlechten Zustand. Vandalen hatten es durchwühlt und ein umgestürzter Baum hatte ein Loch in das Dach gerissen. In einem Teil des Hauses, der noch trocken geblieben war, wurde die Musik von Frau Price in einer Kiste gefunden. Das waren mehrere Stapel Musikmanuskripte, Bücher, persönliche Papiere und andere Dokumente. Jetzt führt man ihre Musik ziemlich oft auf. In den letzten zwei Jahren haben viele große Orchester und Interpreten begonnen, ihre Stücke zu spielen. Es passiert sehr selten, dass ein Komponist oder eine Komponistin nach so langer Zeit ohne Aufführungen plötzlich wiederentdeckt, weit verbreitet und aufgenommen wird. Das ist ein wahres Phänomen.

Also war sie während ihres Lebens ein bisschen erfolgreich?

Künstlerisch sehr! Sie schrieb mehr als 300 Musikstücke, leider blieben viele unveröffentlicht. Von diesen 300 Stücken sind zumindest 40 großformatige Werke. In beruflicher Hinsicht hatte sie auch einige Erfolge, wenn auch nicht so viele, wie sie hätte haben können. Sie gewann mehrere wichtige Kompositionswettbewerbe und das Chicago Symphony Orchestra mit seinem damals in Deutschland geborenen Musikdirektor Frederick Stock führte ihre erste Symphonie und andere Werke auf. Damit war sie die erste Afroamerikanerin und eine der ersten Frauen, von der eine vollständige Symphonie von einem großen Orchester gespielt wurde. Man muss sagen, dass sie mehr als 10 Jahre vor dem offiziellen Ende der Rassensegregation in den Vereinigten Staaten gestorben ist. An einigen Orten konnte sie nicht mal so etwas Einfaches tun, wie durch die Eingangstür eines Konzertsaals zu gehen und ihre eigene Musik zu spielen! Die Tatsache, dass sie selbst unter diesen Umständen eine solch produktive Komponistin sein konnte, ist ein Beweis für ihr Talent.

Als ich mit dem Nova Orchester Wien anfing, ihre Werke zu proben, wusste keiner der Musiker von ihr. Nachdem sie ein paar Takte gespielt hatten, sah ich, dass sie von dieser Musik angetan waren. Das Interesse der Zuschauer an ihrem Schaffen war ebenso groß. Alle haben mich gefragt, wer diese Komponistin sei. Wenn man einem Publikum zum ersten Mal einen Komponisten oder ein wenig bekanntes Werk vorstellt, ist dies eine große Verantwortung. Deshalb freue ich mich immer, wenn eine solche Aufführung gut verläuft.

Florence B. Price hat auch viele Gospel-Songs komponiert, zum Beispiel das berühmte „Go down, Moses“. Aber nicht jeder weiß davon.

Ja, ihre Spiritual-Arrangements wurden zu ihren Lebzeiten sehr häufig von großen Sängern wie Marian Anderson und Leontyne Price aufgeführt und bleiben für den amerikanischen Vokal-Kanon wichtig.

Wie fühlst Du Dich in Wien als Musiker, der in dieser Stadt arbeitet?

Ich liebe Wien. Diese Stadt hat natürlich ein sehr reiches Musikleben, Tradition und Gesamtkultur. Es ist inspirierend, die gleichen Straßen wie Mozart, Beethoven, Schubert, Mahler und viele andere große Komponisten zu gehen. Ich mache es mir zu einer Mission, so viel wie möglich über die Kultur und Geschichte des Ortes zu lernen, an dem ich neu bin. Nachdem ich jetzt viel Zeit in Wien verbracht habe, gehe ich ganz anders mit der Musik von Komponisten wie Beethoven oder Mahler um als früher. Ich verstehe auch die Nuancen von Werken wie „Die Fledermaus“ und „Der Rosenkavalier“ viel besser als zuvor. Wien hat und wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.

Aber jetzt, während der Pandemie, hast Du nicht so viele Möglichkeiten zu dirigieren, oder?

Leider habe ich derzeit nicht so viele Möglichkeiten dafür, aber ich versuche, diese Zeit optimal zu verbringen. Ich nutze diese Gelegenheit, um Partituren zu studieren, neue Musik zu lernen und tiefer in die Geschichten und Persönlichkeiten der großen Komponisten einzutauchen. Ich versuche immer, eine gute Seite an jeder schlechten Situation zu finden. Trotzdem fühle ich mich sehr glücklich, einige Male aufgetreten zu sein, bevor die zweite Welle kam. Eines meiner letzten Konzerte fand kurz nach dem Ende des ersten Lockdowns statt.

Hast Du Online-Proben durchgeführt?

Nein, ich habe immer live geprobt.

Was unterscheidet Dein Nova Orchester Wien – NOW! – von den anderen?

„Nova“ bedeutet „neu“ und die ersten Buchstaben des Namens unseres Ensembles bilden das Wort „NOW“. Auf Englisch bedeutet „now“ – „jetzt“. Wir legen großen Wert darauf, ein „Orchester von heute“ zu sein. Eine unserer einzigartigen, führenden Prinzipien ist, uns neu vorzustellen, was es bedeutet, ein Orchester zu sein. Wir binden das traditionelle Konzertpublikum ein und versuchen auch ein neueres und jüngeres Publikum zu erreichen. Vor dem Gestalten des Programms jedes Konzerts denke ich viel darüber nach, als wäre es unser letztes, und wir treten auch auf diese Weise auf.

Auch nicht beabsichtigt, sondern zufällig bestehen wir zu etwa 70% aus Frauen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren, wodurch sich unser Orchester auch optisch von vielen anderen unterscheidet. Wenn es um das Programm geht, neben den großen Klassikern, verbreiten wir unser Repertoire um die Werke, die nicht so oft erforscht werden. Im 20. Jahrhundert gab es viele Komponisten, die bei Musikern und Publikum gleichermaßen beliebt waren. Viele davon waren sogar bekannte Namen. Ich spreche von Musik, die das Publikum oft zu stehender Ovation bewegt, selbst zwischen den Sätzen, mit der Forderung, diese zu wiederholen! Dies geschah in berühmten Konzertsälen! Und aus irgendeinem Grund ist diese Musik einfach verschwunden und vergessen. Dies geschah Komponisten weltweit. Als Wiener Orchester konzentrieren wir uns nicht nur auf weniger bekannte Wiener Komponisten, sondern auch auf Komponisten aus dem Rest der Welt, einschließlich aller die ich zuvor erwähnt habe.

Was sind Deine Zukunftspläne mit diesem Orchester?

Wir haben viele spannende Pläne und Projekte am Horizont! Das Interesse von unseren Partnerensembles in ganz Europa, den USA und Asien ist ebenfalls groß. Leider wird viel von der Pandemie abhängen. Egal was passiert, wir bleiben mit Energie versorgt!

Du bist Träger mehrerer renommierter Dirigentenpreise, zum Beispiel des von Mitgliedern der Wiener Philharmoniker ausgewählten AAF Farber Conducting Fellowship und des Bruno Walter Memorial Conducting Stipendiums. Welche schätzt Du als am wichtigsten ein?

Alle! Ich bin immer sehr dankbar, wenn meine Arbeit anerkannt wird. Es gibt keine mehr oder weniger wichtigen Preise für mich. Ich schätze es auch sehr, wenn die Zuschauer meine Konzerte genießen. Wenn jemand einen Konzertraum verlässt und denkt nur daran, was er zu Abend essen wird, heißt das, dass wir unseren Job nicht gut genug gemacht haben. Ich möchte, dass sich das Publikum auf dem Weg nach Hause von der Musik bewegt fühlt. Wenn ein Musikliebhaber wirklich gerne ein Konzert besucht, an dem ich beteiligt bin, werde ich auch dafür belohnt. Und von den letzten Neuigkeiten: die Universal Edition hat vorgeschlagen, meine Musik zu veröffentlichen. Alle meine früheren und zukünftigen Stücke werden dort in den kommenden Wochen zum Kauf und zur Vermietung angeboten. Mein offiziell Universal Edition Profile findet man unter dem Link: https://www.universaledition.com/william-garfield-walker-7888

Ich drücke Dir die Daumen und stelle noch eine letzte Frage: Hast Du Traumstücke, die Du gerne dirigieren würdest?

Ja, zum Beispiel „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss! Ich liebe diese Oper! Ich träume auch davon, Mahlers Neunte Symphonie, Prokofjews „Scythian Suite“ zu dirigieren, sowie die Siebte Symphonie von Schostakowitsch wieder musikalisch zu leiten.

Vielen Dank für das Gespräch und ich wünsche Dir weitere große Erfolge.

Jolanta Łada-Zielke, 19. März 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Interview mit der polnischen Dirigentin Marta Gardolińska

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.