Star-Tenor Jonas Kaufmann glänzt in der Fledermaus in Wien

Johann Strauß, Die Fledermaus, Jonas Kaufmann  Wiener Staatsoper, 31. Dezember 2025

Jonas Kaufmann © Gregor Hohenberg / Sony Classical

Die Fledermaus
Musik von Johann Strauß
Libretto von Karl Haffner und Richard Genée

Diesmal drehte sich die Wiener Silvesterfledermaus um Jonas Kaufmanns szenisches Eisenstein-Debüt, welches gemeinsam mit den weiteren überzeugenden Gesangsleistungen der 191. Aufführung von Otto Schenks Kultinszenierung einen umjubelten Erfolg bescherte! Michael Niavaranis sensationell origineller Frosch wurde zur zweiten Sensation des Abends, während Markus Poschner mit beschwingten Walzerklängen deutlich auf seine Dirigatsleistung aufmerksam machte.

Wiener Staatsoper, 31. Dezember 2025

von Johannes Fischer

Kein Silvester ohne Otto-Schenk-Fledermaus, so das Neujahrscredo der Wiener Opernfans. Bald feiert diese legendäre Inszenierung ihren 50. Geburtstag an der Staatsoper – sofern sie nicht vorher der Streichliste des Intendanten zum Opfer fällt. Ausgedient hat sie aber noch lange nicht, dieser Ball beim Prinz Orlofsky könnte genauso gut eine rauschende Silvesterfeier in einem prächtigen Hofburgsaal sein und auch die eine oder andere Champagnerflasche am Stehplatz gehört wohl heuer dazu. Und siehe da, man kann diese mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen Bühnenbilder auch in zeitlose Aktualität neu beleben. Diese Vorstellung war nicht nur für Fans der alten Museumsregie ein köstliches Amüsement!

Niavarani erfindet den Frosch neu

Bevor ich über Jonas Kaufmanns lang erwartetes szenisches Eisenstein-Debüt berichte: Die Krone des Abends ging an Michael Niavaranis Frosch. In bester Wiener Kabaretttradition erfand er diese Kultrolle völlig neu. Die staatliche Fensterscheibe musste natürlich bleiben, doch füllte er den dritten Akt an allen Ecken mit neuen Witzen und genialen Einfällen samt Besuch bei den Philharmonikern im Graben. Selbst ein (leider sehr ernster) Putin-Spaß war kein Tabu – und zum Halleluja singenden Alfred: „Hendel ohne Back.“ Genial! Ob das wohl auch ein Wortspiel mit der englischen Aussprache von Johann Sebastian Bach – mangels „ch“ oft lautgleich wie „Back“ – war?  Dann wären wir also bei Händel ohne Bach…

Jonas Kaufmanns Eisenstein ist ein Erfolg

Und nun zu Kaufmanns Eisenstein: Das war ein äußerst gelungenes szenisches Rollendebüt! Vollkommen natürlich und mit Freude feierte er der Silvesternacht entgegen und nahm die Fledermausrevanche mit Spaß auf. Vielleicht sang er nicht ganz so sauber wie etwa ein Andreas Schager oder Johannes Martin Kränzle – selbst in dieser eher tief liegenden Tenorrolle geriet Herr Kaufmann am oberen Ende der Partie offenbar an seine Grenzen. Doch insgesamt schien er sich in der Rolle sehr wohlzufühlen, als wäre er selbst ein aus München übersiedeltes Wiener Rentier. Endlich hat er eine ihm passende Rolle gefunden!

Auch Diana Damrau war eine sehr gute Rosalinde. Vor allem gesanglich ließ sie ihren Sopran mit viel Passion im Saal strahlen und die Melodien ausdrucksvoll durch die Luft schwingen. Insbesondere im ersten Akt beherrschte sie die Bühne und setzte jede einzelne Note mit viel Liebe in Stimme. Ilia Staples’ Adele stand dieser Spitzenleistung um nichts nach, eifrig stürzte sie sich mit Feuer und Flamme in die freudigen Koloraturen und amüsierte das Publikum auf der Bühne wie im Parkett.

Ensemble entspricht den Staatsopern-Erwartungen

Ein weiteres Highlight des Abends war der Bariton Jochen Schmeckenbecher, der den Gefängnisdirektor Frank beschwingt und mit viel Humor auf die Bühne brachte. Mit sauberer Stimme und extrem klar gesetzter Diktion erwies er sich erneut als einer der stärksten Sänger seines Fachs, sei es als Ariadne-Musiklehrer, Zauberflöten-Sprecher oder eben Fledermaus-Frank! Viel Applaus gab es auch für Daria Sushkovas Prinz Orlofsky, die Mezzosopranistin gestaltete die Partie souverän und mit vielen unterhaltsamen Dialogen. Jörg Schneider war ein sehr guter, in seinen Tenorarien vertiefter Alfred und Adrian Eröd ein ebenso überzeugender Dr. Falke.

Markus Poschner mit Achtungserfolg

Die vielleicht größte Überraschung des Abends stand mit Markus Poschner allerdings am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper. Für diesen Klangkörper ist die Fledermaus eigentlich ein Selbstläufer – zumal am Tag vor dem Neujahrskonzert mit seinem millionenschweren Fernsehpublikum. Doch unter dem Linzer Chefdirigent tanzten die Silvesterwalzer heuer nochmal extra stimmig aus dem Graben. Die ohnehin in sehr guter Form spielenden Musiker setzten jeden Takt schwungvoll an und ließen die Melodien fein und präzise durch die Partitur ziehen.

Auch in ihrer 191. Aufführung bleibt Otto Schenks Fledermaus das Silvesterereignis der Wiener Opernszene schlechthin. Bogdan Roščić sollte diese zeitlos geniale Inszenierung auf jeden Fall noch ihren 50. Geburtstag feiern lassen und auf keinen Fall in vorzeitige Regie-Rente schicken! Den Rosenkavalier übrigens auch nicht.

Johannes Fischer, 1. Jänner 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Die Fledermaus, Musik von Johann Strauß Wiener Staatsoper, 31. Dezember 2023

Die Fledermaus (Musik von Johann Strauß), Wiener Staatsoper, 31. Dezember 2020

Johann Strauß, Die Fledermaus, Wiener Staatsoper Livestream, 31. Dezember 2020

8 Gedanken zu „Johann Strauß, Die Fledermaus, Jonas Kaufmann
Wiener Staatsoper, 31. Dezember 2025“

  1. Lieber Herr Fischer!
    In Österreich heißt ein Huhn = Hendl, das (meist in Teilen, auf Wunsch auch ohne Haut) paniert und in Fett ausgebacken ist „Bachhendl“; „Backhendl“ nur für Zuagroaste. Niavarani weiß schon, wie der Sprachwitz genau sitzt!

    DI Waltraud Becker

  2. Das Beste an der Fledermaus war Michael Niavarani. Einfach genial.
    Ich spreche für viele: er sollte den Frosch (wenn möglich) noch viele Jahre zum Jahreswechsel spielen.
    Michael Niavarani ist immer ein Gewinn.

    Michaela

      1. Dank ORF.ON konnte ich mir inzwischen ebenfalls ein Bild dieser Silvester 2025-Fledermaus machen. Und ich war begeistert, so sehr, dass ich sie mir tags darauf gleich noch ein zweites Mal angeschaut habe. Die Verfilmungen von „Gräfin Mariza“ und „Giuditta“ mit Rudolf Schock, Christine Görner und Teresa Stratas hatten mich schon in den Sechzigern als Heranwachsender ausgesprochen begeistert. Auch deshalb war ich wirklich hingerissen von dieser Aufführung in Wien.

        Ähnlich wie das Neujahrskonzert DAS zweite echte Highlight dieses Jahreswechsels! Da hat so gut wie alles gepasst: Michael Niavaranis – großartig! Und alle gesanglichen Darbietungen sowie die Philharmoniker – exzellent!
        Das Duo Diana Damrau und Jonas Kaufmann war eine Wucht – sorry Frau Greta Nihsl, wie Sie da zu der Einschätzung „stimmlich völlig ungeeignet“ für JK kommen, bleibt Ihr Geheimnis. Auch Kb-Autor Johannes Fischer konnte in seinem Beitrag die übliche Kaufmann-Nörgelei nicht ganz lassen („sang nicht so sauber wie X oder Y…“ oder „geriet am oberen Ende der Partie offenbar an seine Grenzen“. Ich denke, dieses „Haar in der Suppe finden“ ist hier völlig fehl am Platze, zumal nichts davon der Wahrheit entspricht. An anderer Stelle habe ich nämlich gelesen, das Traumpaar Damrau/Kaufmann habe in puncto Fledermaus auf Jahre hinaus Maßstäbe gesetzt. Wie wahr!

        Unterm Strich bin ich aber froh, dass in diesem Blog in jüngster Zeit immer öfter über Jonas Kaufmann berichtet wird. Zuweilen konnte man schon den Eindruck gewinnen, angesichts der vielfältigen aktuellen Aktivitäten wird davon bewusst Abstand gehalten. Verdient hat es der „König der Tenöre“ der letzten 30 Jahre und „Goldener Johann Strauss“-Preisträger 2025 allemal, zumal er gerade dabei ist, als neuer „Erl-König“ in Tirol viele positive Schlagzeilen zu machen.

        Vielleicht gelingt es ja mit dieser Wiener Fledermaus sogar, dem Genre Operette wieder mehr Strahlkraft zu verleihen. Schön wär`s!

        Freundlichst,
        Franz Büchel

  3. Für mich sollte die Frosch Rolle um 50 % reduziert werden. Zu langatmig. Nicht so sehr was für Zuagraste…
    Hr. Kaufmann war in seiner Debutrolle ganz einfach wunderbar. Frau Damraus Stimme ist etwas zu schwer geworden für diese spritzige Rolle mit Spitzentönen, die sie zwar erreichte, aber nicht aussingen konnte. Ansonsten sehr solide Leistung!

    Karlheinz Grömping

  4. Man kann die ausgezeichnete Kritik nur anerkennen. So war es wirklich und sollte auch bleiben. Besser geht es nicht!

    Hugo Zsolnai

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