Ladas Klassikwelt 18: Meine Uhr – zum 137. Todestag von Richard Wagner

Ladas Klassikwelt 18, 137. Todestag Richard Wagners  klassik-begeistert.de

Am 13. Februar 1883 starb Richard Wagner im Alter von 69 Jahren in Venedig. Er wohnte dort im Palazzo Vendramin am Ufer des Canal Grande. An diesem Tag fühlte er sich irgendwann schlecht und rief nach Cosima. Als er auf das Sofa gelegt wurde, fiel seine Uhr aus der Westentasche.

Er sagte „Meine Uhr!“, und das waren seine letzten Worte. 

von Jolanta Lada-Zielke 

„Die Uhr hatte keinen Schaden erlitten, sie tickte fröhlich weiter, während das kranke Herz ihres Besitzers für immer aufgehört hatte zu schlagen“,so schrieb Imre Keszi im Lebensroman Richard Wagners, „Unendliche Melodie“.

Einige sehen einen symbolischen Inhalt der letzten Aussage des Komponisten. Sie hat mich dazu inspiriert, ein Gedicht zu schreiben, zunächst auf Polnisch, dann habe ich es dem Dichter und Musiker Joachim Neander, der in Krakau lebt, ins Deutsche übersetzen lassen. Ich habe versucht mir vorzustellen, was der Mensch Richard Wagner im letzten Augenblick seines Lebens gedacht hat –  ein Mensch, der genauso viel Liebe wie Hass verursachte, aber dessen Musik so faszinierend ist.

In dieser Woche jährt sich der 137. Todestag Richard Wagners, an den ich mit diesem Gedicht erinnern möchte.

Meine Uhr

Lustvoll lauschten Leser meinen Dramen,
Klänge strömten stets durch meine Hände.
Doch das Leben schrieb in mein Libretto:
heut‘ in dieser Stunde ist’s zu Ende.

Aus dem Beutel fiel die Uhr zu Boden.
Weiter lief die Zeit, mein Herz stand stille,
sah zurück in ferne Jahre, schaute
meine Größe und zugleich mein Elend.

Meine Uhr – sie schlug die letzte Stunde.
Alles wägt sie, alles wird entschieden.
Nicht ein Gott und nicht das Schicksal
oder Zufall prägt das Leben:
großer Ruhm und große Schuld, die großen Dinge.

Mein Vermächtnis: ein Theater, riesig
aufgebaut aus meinem kühnsten Sehnen,
Partituren, Werke ohnegleichen,
ein paar gebrochene Herzen, viele Tränen.

Wer sich der Musik vollauf verschrieben,
kann die Menschen nicht genauso lieben.
Weint daher nicht über mich, und holt mich
lieber heim nach Wahnfried aus Venedig!

Meiner wartet fern mein lieber Schwan und
trägt mich fort im Boot das weiße Wunder.
Parsifal – dem Heiligen Gral
bring das Opfer für mich dar,
dass ich vollen Sinns durchlebe diese Stunde!

Jolanta Lada-Zielke

Übersetzung aus dem Polnischen: Joachim Neander 

 

Meine Uhr (po polsku)

Kilka mych dramatów świat usłyszał
Strumień dźwięków wciąż spod palców płynął
Ktoś libretto życia mego pisał
i zakończył właśnie tą godziną

Gdy z kieszeni wypadł mi zegarek
czas popłynął dalej, choć stanęło serce
i na przeszłe lata wstecz spojrzałem
widząc na raz wielkość swą i nędzę

Meine Uhr – godzina ma ostatnia
która wszystko waży i rozstrzyga
To nie Bóg, nie Los,
nie przypadek życie gmatwa
wielka sprawa, wielka sława, wielka wina.

Pozostawiam teatr przeogromny
z mych najśmielszych marzeń zbudowany
stos partytur i dzieł wiekopomnych
trochę łez i parę serc złamanych

Kto oddaje się cały muzyce
kochać ludzi równie mocno nie potrafi
opłakiwać mnie więc nie musicie
lecz zabierzcie z Wenecji do Wahnfried

Czeka w dali łódź z łabędziem białym,
którą już na zawsze stąd odpłynę
Parsifalu – Świętym Graalem
w mej intencji wznieś ofiarę,
bym najpełniej przeżył tę godzinę!

Jolanta Lada Zielke, 10. Februar 2020, für
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© Jolanta Lada-Zielke

Jolanta Lada-Zielke, 48, kam in Krakau zur Welt, hat an der Jagiellonen-Universität Polnische Sprache und Literatur studiert und danach das Journalistik-Studium an der Päpstlichen Universität Krakau abgeschlossen. Gleichzeitig absolvierte sie ein Gesangsdiplom in der Musikoberschule Władysław Żeleński in Krakau. Als Journalistin war Jolanta zehn Jahre beim Akademischen Radiorundfunksender Krakau angestellt, arbeitete auch mit Radio RMF Classic, und Radio ART anlässlich der Bayreuther Festspiele zusammen. 2003 bekam sie ein Stipendium vom Goethe-Institut Krakau. Für ihre  journalistische Arbeit wurde sie 2007 mit der Jubiläumsmedaille von 25 Jahren der Päpstlichen Universität ausgezeichnet. 2009 ist sie aus privaten Gründen nach Deutschland gezogen, zunächst nach München, seit 2013 lebt sie in Hamburg, wo sie als freiberufliche Journalistin tätig ist. Ihre Artikel erscheinen in der polnischen Musikfachzeitschrift „Ruch Muzyczny“, in der Theaterzeitung „Didaskalia“, in der kulturellen Zeitschrift für Polen in Bayern und Baden-Württemberg „Moje Miasto“ sowie auf dem Online-Portal „Culture Avenue“ in den USA.  Jolanta ist eine leidenschaftliche Chor-und Solo-Sängerin. Zu ihrem Repertoire gehören vor allem geistliche und künstlerische Lieder sowie Schlager aus den Dreißigern. Sie ist seit 2019 Autorin für klassik-beigeistert.de .

 

 

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