Ladas Klassikwelt 66: Wie ich die Walküre geworden bin

Das Leben hat meinem Auftritt eine weitere Pointe hinzugefügt. Jetzt lebe ich in Deutschland und versuche immer noch, Polen und Deutsche durch meine journalistische Arbeit zu versöhnen. Ich nehme gerne Themen aus dem Kulturbereich auf, die uns verbinden, nicht trennen. Auch hier nennen mich einige Freunde „die Walküre“.

Foto: Die Walküre – Oper Genf © GTG / Carole Parodi

von Jolanta Łada-Zielke 

Nein, ich habe diese Arie nicht im Original, sondern nur in einer satirischen Version aufgeführt. Es war kein „Hojotoho!“, sondern mein eigener Text, mit dem ich 2005 bei der Kabarettvorstellung „Reality Shopka Show“ im Puppen- und Maskentheater „Groteska“ in Krakau auftrat. „Shopka“ oder genauer gesagt „szopka“ bedeutet auf Polnisch wörtlich „die Krippe“ oder „Theater machen“ in der Umgangssprache. Es spielt auf die Tradition alter polnischer Kabaretts an, einschließlich des Krakauer „Zielony Balonik“ (der Grüne Balon), das noch vor dem Ersten Weltkrieg im berühmten Künstlercafé Jama Michalika betrieben wurde. Zur Jahreswende fand dort eine satirische Puppentheateraufführung statt, in der polnische Politiker, Journalisten und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens als Puppen vorgestellt wurden. In ihrem Namen sangen oder rezitierten die Schauspieler verschiedene Couplets, die die damaligen berühmten Dichter verfassten. Das Bühnenbild wurde einer Neujahrskrippe nachempfunden. „Ladas Klassikwelt 66: Wie ich die Walküre geworden bin
klassik-begeistert.de“
weiterlesen

Ladas Klassikwelt 65: Eine musikalische Amerikareise – das Album „From the New World“ von Hansjörg Albrecht

von Jolanta Łada-Zielke

Auf dem CD-Cover sieht man eine Abbildung der Freiheitsstatue. Die Fackel in ihrer Hand brennt mit rotem Licht; vielleicht zur Ehre der Orgel – der Königin aller Instrumente? Man kann jedes Orchesterwerk für sie transkribieren, jedes Stück aus ihr zaubern. Und wir müssen keine Reise nach Amerika unternehmen; es reicht, sich das Innere der Sankt- Michaelis-Kirche in Hamburg vorzustellen, wo Hansjörg Albrecht sein neuestes Album „From the New World“ während des letzten Corona-Pandemie-Jahres aufgenommen hat. Seine Aufführungen der Orgeltranskriptionen orchestraler Musik – zum Beispiel der Ouvertüren von Richard Wagners Opern – sind bereits bekannt und hoch geschätzt. Erwähnenswert ist auch die symbolische Bedeutung der Stadt Hamburg, die man für „das Tor zur Neuen Welt“ hält. „Ladas Klassikwelt 65: Eine musikalische Amerikareise – das Album „From the New World“ von Hansjörg Albrecht“ weiterlesen

Ladas Klassikwelt 64: Unter dem Schwanenmond

von Jolanta Łada-Zielke

Ich habe bereits einige meiner Bayreuther Lieder bei klassik-begeistert.de veröffentlicht; mit Ausnahme des ersten. Das hängt mit einem Liebeskummer zusammen, den ich während meines ersten Aufenthalts in Bayreuth erlebte. Richard Wagners Musik heilte mich davon. Als ich nach Krakau zurückkehrte, schrieb ich darüber ein Lied, dessen Text Joachim Neander ins Deutsche übersetzte. Aus dem Liedertitel kann man sofort erkennen, welche Oper mir als „Medizin“ diente.

Foto: Das Bayreuther Festspielhaus im „Winterschlaf“.

 

Aufgenommen wurde ich

wie ein ungebetener Gast

nadeltief durchbohrte mich

kalter Blicke eisige Last

 

Wenn die Sprache, die mir schon vertraut ist

mich hinwegstößt von dir mit fremdem Wort

trocknet der heiße August mir die Tränen,

wird der Schatten des Gestern mir zum Hort

 

Allein nur in Bayreuth

hat der Mond Schwanengestalt

vorbei an ihm ziehen

Voltaire mit Wilhelmine,

und Richard Wagner

mit Cosima im Arm

 

Allein nur in Bayreuth

da sagt die Musik, was zu tun ist

sie löscht mit ihren Tönen Herzensdynamit

und behandelt gebrochenes Herz

mit Bandagen aus Notenlinien „Ladas Klassikwelt 64: Unter dem Schwanenmond
klassik-begeistert.de“
weiterlesen

Ladas Klassikwelt (63): Dunkle Schokolade mit einer guten Prise Chili

Foto: Das Bayreuther Festspielhaus im „Winterschlaf“.

„Auf Kulturebene können alle Menschen Brüder werden, wenn sie es nur wollen.“

von Jolanta Łada-Zielke

In dem Buch „Meine Reise zu Beethoven“ erwähnt sein Autor Christian Thielemann Richard Wagners Begeisterung für Beethovens Musik. Die Neunte Symphonie begleitete die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Bayreuther Festspiele. Erstmals wurde sie 1872 im Markgräflichen Opernhaus anlässlich der Grundsteinlegung für das Festspielhaus aufgeführt. Richard Wagner selbst stand damals am Dirigentenpult. Es ist ein Rätsel, wie die Mauern des Barocktheaters einer solchen Schallmasse standhalten konnten… „Ladas Klassikwelt (63): Dunkle Schokolade mit einer guten Prise Chili“ weiterlesen

Ladas Klassikwelt (62): „Beethoven spült uns die Ohren” – Bemerkungen zu Christian Thielemanns Buch „Meine Reise zu Beethoven“

„Beim Lesen von Thielemanns „Bergsteigen auf den Gipfel des optimalen Beethoven-Klangs“ begann ich davon zu träumen – wenigstens einmal im Leben – die Neunte unter seiner Stabführung singen zu dürfen. Es geht nicht um das Prestige, sondern darum, sich von jemandem führen lassen, der Beethoven so tief und gleichzeitig frei von allen Konventionen versteht.“

von Jolanta Łada-Zielke

Nie zuvor hat eine Publikation zu einem musikalischen Thema solch widersprüchliche Gefühle in mir hervorgerufen, von Begeisterung bis zu Aufregung.

Man hält Christian Thielemann für einen Stimmungs- und Instinktmusiker und er selbst bestätigt diese Meinung. Mit bewundernswerter Demut gibt er zu, dass er noch nicht alle Geheimnisse der Musik Beethovens kennt. Beim Studieren der Partituren entdeckt er immer etwas, das er zuvor übersehen hatte. In seinem zweiten Buch „Meine Reise zu Beethoven“ enthüllt er die Kulissen seiner Arbeit an den Werken des Wiener Klassikers. Er vergleicht sie mit dem Besteigen der Himalaya-Achttausender (Nanga Parbat und Mount Everest), was mit großer Anstrengung und Leiden verbunden ist, aber eine große Befriedigung bringt. „Ladas Klassikwelt (62): „Beethoven spült uns die Ohren” – Bemerkungen zu Christian Thielemanns Buch „Meine Reise zu Beethoven““ weiterlesen

Ladas Klassikwelt 61: Die Klaviermusik für jede Jahreszeit und jedes Wetter

von Jolanta Łada-Zielke

Wäre es möglich ein Stück vom Strand, Meeresgeräusche und etwas vom blühenden Heideland nach Hause zu bringen?  Wenn man die CD mit Ferdinand Pfohls Klavierwerken in der Interpretation von Jamina Gerl hört, könnte man das alles haben. Die mit Tönen gemalten Bilder regen die Fantasie an und rufen ein angenehmes Gefühl süßer Nostalgie hervor.

Ferdinand Pfohl (1862-1949), geboren in Elbogen (heute Loket) in Westböhmen,  war Musikschriftsteller, Musikkritiker und Komponist. Sein beruflicher Weg führte ihn zuerst nach Leipzig und dann nach Hamburg. Als Komponist entwickelte er seinen eigenen Stil, der als „nördlicher Impressionismus“ bekannt ist. Das ist Spätromantik, impressionistische „Klangmalerei“ und die balancierende Harmonie zwischen Dur und Moll. Pfohl war ein sehr guter Pianist und zeigte in seinen Stücken die unbegrenzten Möglichkeiten dieses Instruments. Um mehr von dem Komponisten und seinem Werk zu erfahren, kann man den Text von Simon Kannenberg im CD-Heft lesen.

Die CD enthält drei Hauptwerke: Strandbilder, Op.8 (1892), Suite Élégiaque. Cinq morceaux pour piano, Op.11 (1894) und Hagbart. Nordische Rhapsodie nach einem Thema von Edvard Grieg (1882). „Ladas Klassikwelt 61: Die Klaviermusik für jede Jahreszeit und jedes Wetter“ weiterlesen

Ladas Klassikwelt 60: Zu wenig Beethoven-Musik in „Louis van Beethoven“

Bild: ARD Degeto/WDR/ORF/EIKON Media

„Seitdem ich in Hamburg lebe, kann ich mir den Abschied vom alten und die Begrüßung des neuen Jahres ohne Beethoven nicht vorstellen. Die beiden Aufführungen der Neunten sind mir viel wichtiger als eine Silvesterparty, der in Strömen fließende Champagner und das Feuerwerk.“

von Jolanta Łada-Zielke

Dr. Holger Voigt hat schon eine ausführliche Kritik des Films „Louis van Beethoven“ von Nikolaus Stein von Kamienski geschrieben. Ich stimme ihm voll und ganz zu, möchte nur eine persönliche Reflexion hinzufügen.

Am Abend des 25. Dezember setzten wir uns, mein Mann und ich, vor dem Fernseher hin, voller Hoffnung auf ein ästhetisches und musikalisches Fest. Leider waren wir enttäuscht, wie all diejenigen, die einen Soundtrack reich an den größten Werken Beethovens erwartet hatten. In dieser Hinsicht verliert für mich diese Verfilmung der Biographie des Komponisten gegen die Produktion „Meine unsterbliche Geliebte“ (1994) von Bernard Rose mit Gary Oldman als Beethoven. Obwohl es auch dort viel Fiktion gibt, schaue ich mir diesen Film immer mit unbeschreiblichem Vergnügen an, sogar die Szene der gescheiterten Aufführung des 5. Klavierkonzerts. „Ladas Klassikwelt 60: Zu wenig Beethoven-Musik in „Louis van Beethoven““ weiterlesen

Ladas Klassikwelt 59: Wie Bachs Musik Kinder zum Tanzen bringt

von Jolanta Łada-Zielke

Als ich in München lebte, arbeitete ich mit einer netten Pianistin Swetlana aus Kasachstan zusammen. Ihr Sohn Dawood war damals sieben Jahre jung. Im Herbst 2010 bereiteten wir das polnische und deutsche Repertoire für einen Weihnachtsliederabend im Generalkonsulat der Republik Polen vor.

Swetlana ist Muslimin. Christliche Stücke, einschließlich Weihnachtslieder, kannte sie keine und musste sie von Anfang an neu lernen, darunter das Adventslied „Maria durch ein Dornwald ging“. Bei unserer dritten Probe sagte sie: „Weißt du was? Ohne dieses Lied will mein Sohn nicht einschlafen. Er bittet mich jeden Abend: „Mama, spiel mir pro Isusa i Mariji vor!“ Danke, dass du uns so ein schönes Stück beigebracht hast.“ „Ladas Klassikwelt 59: Wie Bachs Musik Kinder zum Tanzen bringt“ weiterlesen

Ladas Klassikwelt 58: Der große Ruf der "Stillen Nacht"

von Jolanta Łada – Zielke 

Elbphilharmonie Weihnachten © Maxim Schulz

„Stille Nacht, heilige Nacht…“ – dieses Lied steht auf dem Programm fast jedes Weihnachtskonzerts. Sein Text wurde in über 300 Sprachen und Dialekte übersetzt. Wir verdanken die „Stille Nacht“ dem bescheidenen Organisten Franz Xaver Gruber aus Hochburg (Österreich). Die  Bewohner dieses Ortes beschlossen, Gruber durch eine Theateraufführung „Auf der Suche nach der ‚Stillen Nacht'“ bekannt zu machen.

Das Weihnachtslied wurde am 24. Dezember 1818 während der Mitternachtsmesse in der Kirche in Oberndorf uraufgeführt. Bald darauf verbreitete es sich auf der ganzen Welt, aber der Name des Komponisten wurde für einige Zeit vergessen. Als das Lied populär wurde, schrieb man seine Urheberschaft entweder Josef Haydn oder Wolfgang Amadé Mozart zu. Das einfache, lyrische Stück mit einer ruhigen, eingängigen Melodie passte jedoch nicht zum Stil der beiden Wiener Klassiker. „Ladas Klassikwelt 58: Der große Ruf der „Stillen Nacht“
klassik-begeistert.de“
weiterlesen

Ladas Klassikwelt 57: „Gismondo, re di Polonia“ von Leonardo Vinci – ein Feld zum Vorführen für Contratenöre

11.09.2020, Bayreuth, Markgräfliches Opernhaus, Bayreuth Baroque, Gismondo, Foto: Andreas Harbach

von Jolanta Łada-Zielke

Eines der wichtigsten Musikereignisse dieses Jahres war die Konzertaufführung des Dramma per Musica „Gismondo, re di Polonia” (Sigmund, König Polens) im Rahmen des „Bayreuth Baroque Opera Festival“ am 11. September 2020. Als ich den Titel des Drammas hörte, freute ich mich darauf, ein weiteres Stück kennenzulernen, das ein bestimmtes Thema aus der polnischen Geschichte aufgreift. Ich erwartete, dass der Komponist Leonardo Vinci (1690-1730; nicht Leonardo da Vinci) wie sein späterer deutscher Kollege Ferdinand Pfohl (1863-1949) ein Libretto vertonen würde, dessen Inhalt sich auf die Regierungszeit von König Sigismund II. Augustus bezieht. Stellen Sie sich meine Enttäuschung vor, als ich herausgefunden habe, dass mit dem Namen „Gismondo“ eine Figur gemeint ist, die dem 1699-1730 regierenden König von Dänemark und Norwegen Friedrich IV. Oldenburg ähnelt, um ihn auf diese Art und Weise zu ehren. Laut dem Autor des Librettos, brauchte das Publikum eine Verbindung mit der Gegenwart, weshalb er zwei Herrscher nordeuropäischer Länder in polnische Kostüme kleidete und ihnen polnische Namen gab. „Ladas Klassikwelt 57: „Gismondo, re di Polonia“ von Leonardo Vinci – ein Feld zum Vorführen für Contratenöre“ weiterlesen