Ladas Klassikwelt 26: Rotmaintochter

Ladas Klassikwelt 26: Rotmaintochter

von Jolanta Lada-Zielke

Die Nachricht, dass die Bayreuther Festspiele dieses Jahr nicht stattfinden, hat mich traurig gemacht. Seit 2004, als ich zum ersten Mal als Journalistin auf den Grünen Hügel war, konnte ich mir keinen Sommer ohne einen Besuch in Bayreuth vorstellen. Dort zu sein ist für mich nicht nur Unterhaltung, weil ich die ganze Zeit arbeite. Tagsüber mache ich Interviews, schaue  die Vorstellungen an, und nachts sitze ich am Laptop und verarbeite die gesammelten Materialien. Ich schlafe kaum, esse wenig, fühle mich aber nicht müde oder hungrig; ich bin einfach glücklich.

Natürlich verstehe ich die Festspielleitung, ihre Entscheidung war richtig aufgrund der Sicherheit der Künstler und der anderen Mitarbeiter, die im Festspielhaus beschäftigt sind, sowie der Zuschauer. Die seit 2016 auf dem Grünem Hügel geltenden Sicherheitsmaßnahmen schützen die Veranstaltung vor einem möglichen Terroranschlag, können das Coronavirus jedoch nicht aufhalten.

Als Trost habe ich eines meiner Gedichte ausgegraben, die ich „Bayreuther Lieder“ nannte. Der Fluss Rotmain, der durch Bayreuth fließt, hat mich inspiriert. Der Autor der deutschen Übersetzung ist Joachim Neander.

Rotmaintochter

 es wandelt sich alles

zum Roten, ins Grüne

das Braune von Gestern

trat ab von der Bühne

ich suche im Main

des Lichtes Schein

 

rot sind die Höhen

und rot ist der Main

grün die Kulisse

der Berge am Rhein

 

und die Wasser

des Mains

und die Wasser

des Rheins

fließen in eins

rot sind die Höhen

und rot ist der Main

und düster die Szenen

im Drehbuch allein

 

ob Frühling, ob Sommer

ob fröhlich, ob trübe

für euch spiel ich immer

ein Stück von der Liebe

 

tief unten im Fluss ist das Glück mir hold

darüber leuchtet ein Regenbogen

s’war einer, der hat einen Ring von Gold

gemacht und mich in die Stadt gezogen

 

Córa Menu

 

Wszystko się mieni

w czerwieni, w zieleni

przeszłość brunatna

niczego nie gmatwa

w głębi Menu

szukam światła

 

Czerwone Wzgórze

Czerwony Men

Zielone Wzgórze

Sceniczny Ren

 

A fala Menu

fali Renu

po ichniemu, po rzecznemu

zwierza się

 

Czerwone Wzgórze

Czerwony Men

a w partyturze

moc mrocznych scen

 

Latem, czy wiosną

z troską, czy beztroską

zrobię wam scenę

miłosną

 

W głębi rzeki mieszka szczęście

na powierzchni barwy tęczy

ktoś ze złota wykuł pierścień

i z tym miastem mnie zaręczył

 

Joachim Neander wurde 1938 in Sopot, ehemals Freie Stadt Danzig, geboren. Nach dem Krieg lebte er hauptsächlich in Deutschland, aber auch einige Zeit in Italien, Frankreich und in den USA. 1999 zog er der Liebe wegen nach Krakau. Er ist Mathematiker, Physiker, Pädagoge und Experte für das Alte Testament. 1997 hat er seine Doktorarbeit in Geschichte verteidigt. Mit diesem Fachgebiet beschäftigt er sich als auf den Holocaust spezialisierter Freiberufler. Er veröffentlicht wissenschaftliche Texte in Deutschland, Belgien, Polen, Tschechien, England, Israel, den USA, in der Ukraine und im Forum: holocaustcontroversies.blogspot.com. Sein Hobby sind Fremdsprachen. Joachim schreibt Kurzgeschichten auf Portugiesisch (er ist Mitglied der Gruppe „Escritores Prudentinos“ in Brasilien) sowie Prosa und Gedichte auf Polnisch. Sein literarisches Debüt ist „Nocne widma“ (Nachtgespenster), ein 2010 in Krakau veröffentlichter Band. Seit 2019 gehört er zu dem Verband polnischer Schriftsteller. Joachim ist auch Hobbymusiker: Blockflöte und Saxophon.

Jolanta Lada-Zielke, 29. März 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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© Jolanta Lada-Zielke

Jolanta Lada-Zielke, 48, kam in Krakau zur Welt, hat an der Jagiellonen-Universität Polnische Sprache und Literatur studiert und danach das Journalistik-Studium an der Päpstlichen Universität Krakau abgeschlossen. Gleichzeitig absolvierte sie ein Gesangsdiplom in der Musikoberschule Władysław Żeleński in Krakau. Als Journalistin war Jolanta zehn Jahre beim Akademischen Radiorundfunksender Krakau angestellt, arbeitete auch mit Radio RMF Classic, und Radio ART anlässlich der Bayreuther Festspiele zusammen. 2003 bekam sie ein Stipendium vom Goethe-Institut Krakau. Für ihre  journalistische Arbeit wurde sie 2007 mit der Jubiläumsmedaille von 25 Jahren der Päpstlichen Universität ausgezeichnet. 2009 ist sie der Liebe wegen nach Deutschland gezogen, zunächst nach München, seit 2013 lebt sie in Hamburg, wo sie als freiberufliche Journalistin tätig ist. Ihre Artikel erscheinen in der polnischen Musikfachzeitschrift „Ruch Muzyczny“, in der Theaterzeitung „Didaskalia“, in der kulturellen Zeitschrift für Polen in Bayern und Baden-Württemberg „Moje Miasto“ sowie auf dem Online-Portal „Culture Avenue“ in den USA.  Jolanta ist eine leidenschaftliche Chor-und Solo-Sängerin. Zu ihrem Repertoire gehören vor allem geistliche und künstlerische Lieder sowie Schlager aus den Zwanzigern und Dreißigern. Sie ist seit 2019 Autorin für klassik-beigeistert.de.

                                  

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