Ladas Klassikwelt 59: Wie Bachs Musik Kinder zum Tanzen bringt

Ladas Klassikwelt 59: Wie Bachs Musik Kinder zum Tanzen bringt

von Jolanta Łada-Zielke

Als ich in München lebte, arbeitete ich mit einer netten Pianistin Swetlana aus Kasachstan zusammen. Ihr Sohn Dawood war damals sieben Jahre jung. Im Herbst 2010 bereiteten wir das polnische und deutsche Repertoire für einen Weihnachtsliederabend im Generalkonsulat der Republik Polen vor.

Swetlana ist Muslimin. Christliche Stücke, einschließlich Weihnachtslieder, kannte sie keine und musste sie von Anfang an neu lernen, darunter das Adventslied „Maria durch ein Dornwald ging“. Bei unserer dritten Probe sagte sie: „Weißt du was? Ohne dieses Lied will mein Sohn nicht einschlafen. Er bittet mich jeden Abend: „Mama, spiel mir pro Isusa i Mariji vor!“ Danke, dass du uns so ein schönes Stück beigebracht hast.“

Kurz vor meinem Umzug nach Hamburg schenkte mir Dawood eines seiner Spielsachen als Andenken. Es war ein kleiner, glänzender Gummiball, den ich als einen Talisman in meiner Handtasche trage.

Sieben Jahre später trat ich beim Weihnachtsfest im Gemeindehaus in Hamburg-Langenfelde auf. Eines der Stücke, die ich dafür mit der örtlichen Pianistin vorbereitet habe, war „Bereite dich, Zion“ aus Bachs Weihnachtsoratorium. Es waren viele Kinder im Publikum und man hatte das Programm der gesamten Veranstaltung an sie angepasst. Es bestand aus Spielen, kleinen Wettbewerben und einer Weihnachtsgeschichte in Puppentheater-Form.

Wir machten uns Gedanken, ob Johann Sebastian Bach nicht zu anspruchsvoll sein würde. Aber sobald die ersten Takte von „Bereite dich, Zion“ verklangen, gingen einige Kinder in die Mitte des Raums und begannen zu tanzen. Manche Mädchen bewegten sich so professionell wie im Ballett. Ich hatte so etwas noch nie erlebt; es freute mich sehr und stimulierte meinen Gesang. Eigentlich kein Wunder, denn diese Arie, die auf einem Dreier-Takt basiert, ähnelt einem Menuett. Seitdem, wenn ich dieses Stück singe oder nur höre, sehe ich vor meinen Augen die kleinen Tänzer.

Kinder reagieren sensibel auf Musik, unabhängig von der Religion und ihren Musikkenntnissen. Es lohnt sich, diese Sensibilität richtig zu pflegen.

Jolanta Lada-Zielke, 27. Dezember 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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Jolanta Lada-Zielke, 49, kam in Krakau zur Welt,

hat an der Jagiellonen-Universität Polnische Sprache und Literatur studiert und danach das Journalistik-Studium an der Päpstlichen Universität Krakau abgeschlossen. Gleichzeitig absolvierte sie ein Gesangsdiplom in der Musikoberschule Władysław Żeleński in Krakau. Als Journalistin war Jolanta zehn Jahre beim Akademischen Radiorundfunksender Krakau angestellt, arbeitete auch mit Radio RMF Classic, und Radio ART anlässlich der Bayreuther Festspiele zusammen. 2003 bekam sie ein Stipendium vom Goethe-Institut Krakau. Für ihre  journalistische Arbeit wurde sie 2007 mit der Jubiläumsmedaille von 25 Jahren der Päpstlichen Universität ausgezeichnet. 2009 ist sie der Liebe wegen nach Deutschland gezogen, zunächst nach München, seit 2013 lebt sie in Hamburg, wo sie als freiberufliche Journalistin tätig ist. Ihre Artikel erscheinen in der polnischen Musikfachzeitschrift „Ruch Muzyczny“, in der Theaterzeitung „Didaskalia“, in der kulturellen Zeitschrift für Polen in Bayern und Baden-Württemberg „Moje Miasto“ sowie auf dem Online-Portal „Culture Avenue“ in den USA.  Jolanta ist eine leidenschaftliche Chor-und Solo-Sängerin. Zu ihrem Repertoire gehören vor allem geistliche und künstlerische Lieder sowie Schlager aus den Zwanzigern und Dreißigern. Sie ist seit 2019 Autorin für klassik-beigeistert.de.

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