Zwei Weltklassepianistinnen zu Gast in Dresden

Martha Argerich und Lilya Zilberstein
Konzertsaal im Kulturpalast Dresden, 1. März 2018

von Pauline Lehmann (Nachbetrachtung)

Martha Argerich und Lilya Zilberstein begeistern im Kulturpalast Dresden mit Werken großer Klavierkomponisten. Das brillante Klavierspiel der beiden Künstlerinnen und der Konzertsaal mit seiner klaren Architektur und hervorragenden Akustik machen den Konzertabend zu einem musikalischen Hochgenuss.

Die beiden Pianistinnen verbindet nunmehr eine fast zwanzigjährige gemeinsame Bühnenkarriere. Beide gehören zu den besten ihres Faches und beide sind Siegerinnen des legendären „Busoni-Wettbewerbs“ in Bozen.

Martha Argerich und Lilya Zilberstein gelingt es, die menschliche Gefühlswelt völlig unverkitscht zu durchdringen. Ihr Klavierspiel ist feinsinnig und sehnsuchtsvoll, virtuos und voller Feuer. Beide überzeugen mit technischer Brillanz und einer klaren Tongebung. Unmerklich verweben sich die Töne zweier Flügel zu einem vollkommenen Klang.

Zu Beginn des Konzerts erklingen Robert Schumanns „Studien für Pedal-Flügel“: Sechs Stücke in kanonischer Form op. 56. Martha Argerich und Lilya Zilberstein fassen die Töne zu großen Bögen. Ein leuchtender Klangteppich und eine tiefe romantische Sehnsucht breiten sich im Konzertsaal aus. Liedhafte Passagen sind dynamisch fein nuanciert. Schnellere Passagen erklingen kraftvoll und energetisch. Die fugenartigen Einsätze im letzten Stück sind präzise und punktgenau aufeinander abgestimmt. Im Schlusston des Werks liegt eine unendliche Tiefe.

Franz Liszts „Concerto pathétique“ bildet den Mittelteil des Konzerts. Martha Argerich und Lilya Zilberstein bewältigen die hohen technischen Anforderungen mit Bravour. Das Thema erklingt kraftvoll und virtuos. Lilya Zilberstein beginnt das lyrische Seitenthema allein. Sie fasziniert mit fein nuancierten Trillern, klaren Arpeggien und einer gefühlvollen Interpretation. Unmerklich tritt Martha Argerich hinzu. Das langsame Seitenthema mündet in ein kraftvolles, beinahe dramatisches Allegro. Große Wogen und glanzvolle Akkorde breiten sich im Konzertsaal aus.

Nach der Pause erklingen Sergej Rachmaninows „Sinfonische Tänze“ op. 45. Die Musik lässt die Gedanken in die Ferne schweifen. Die russische Seele des Werks ist deutlich spürbar: Eine tiefe Melancholie tritt zu einem kraftvollen und furiosen Spiel. Das Publikum antwortet mit viel Beifall und stehenden Ovationen.

Bei der Wahl der Zugabe überraschen Martha Argerich und Lilya Zilberstein mit einem kecken „Tanz der Zuckerfee“. Swingend verabschieden sich die beiden Pianistinnen von ihrem Publikum.

Pauline Lehmann, 3. März 2018, für
klassik-begeistert.de

Foto: Adriano Heitman

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