Wenig Magie bei der Opening Night in der Elphi

NDR Elbphilharmonie Orchester, Alan Gilbert, Yo-Yo Ma, Violoncello, Opening Night  ELBPHILHARMONIE, 1. SEPTEMBER 2021

ELBPHILHARMONIE, 1. SEPTEMBER 2021
OPENING NIGHT

NDR Elbphilharmonie Orchester
Yo-Yo Ma Violoncello
Dirigent Alan Gilbert

PROGRAMM

Leonard Bernstein
Symphonic Dances from »West Side Story«

Samuel Barber
Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 22

Zugabe:

George Gershwin
Summertime / aus der Oper »Porgy and Bess«

– Pause –

Mark-Anthony Turnage
Time Flies

George Gershwin
Ein Amerikaner in Paris / Sinfonische Dichtung

von Andreas Schmidt

Mit einem amerikanischen Programm ist die Elbphilharmonie Hamburg in die neue Saison gestartet. Das NDR Elbphilharmonie Orchester spielte sehr engagiert und couragiert unter der Stabführung des US-Amerikaners Alan Gilbert; der weltbeste Cellist Yo-Yo Ma, US-Amerikaner, sorgte für einige Glanzpunkte – allein, dass große, besondere Opening-Feeling blieb aus an diesem Mittwoch.

Bezeichnend für diesen Abend war: Er gab nicht ein einziges Bravo – weder für einen der Solisten noch für das Orchester oder den Dirigenten. Es gab zwischendurch artigen Beifall und zum Schluss sogar guten – aber wahre Begeisterung sieht anders aus, wenn das wohl most amazing Konzerthaus Europas die Pforten öffnet.

Es lag nicht am Orchester, nicht an den Solisten, nicht am Dirigenten.

Es lag am mittelmäßigen Programm – ein Programm, dass vielleicht in New York City oder New Orleans gut ankommen würde – aber nicht an der Elbe Auen, wo die meisten Zuschauer keine Spezialitäten aus den USA erwarten.

Ein wenig Magie kam auf bei den Adagios von Samuel Barber und von Mark-Anthony Turnage, da spürte man Kontemplativität im Großen Saal, da war Hingabe und Zueignung… aber sonst bekamen die Zuhörer viel US-amerikanisches Tschingderassabum zu hören.

In der Pause war in vielen Gesprächen zu hören, dass sich die Hanseaten an diesem Abend lieber etwas Einheimisches gewünscht hätten, wie etwa den Jahrtausend-Hanseaten Johannes Brahms, den die wunderbare Stadt leider nach Wien ziehen ließ, wo er seine größten Stücke schuf. Dieser Johannes Brahms wird im Gegensatz zu dem am Mittwoch Gehörten noch in 1000 Jahren zu hören sein – wenn die Menschheit es zulässt. Die Stücke dieses Abends eher nicht.

Das NDR Elbphilharmonie Orchester, angeführt durch den wunderbaren Konzertmeister Stefan Wagner und immer wieder auflebend durch den genialen Oboisten Paulus van der Merwe, brillierte durch Hingabe und Devotion. Bei den Symphonic Dances am Anfang versagte die Rhythmusgruppe – wahrscheinlich aufgrund unzureichender Proben.

© Maxim Schulz

Der Amerikaner Yo-Yo Ma faszinierte bei Barber durch erlesene bernstein- und nougatfarbene Töne… wer kann das besser, als dieser Cello-Gigant… Allein, dieser Barber war nicht wahrhaft sein Stück, und die Verantwortlichen in der Elbphilharmonie hätten sich für diesen Solitär ein besseres Stück aussuchen müssen.

Bemerkenswert bleibt für diesen Abend, dass das Stück „Summertime“ aus der Oper »Porgy and Bess« von George Gershwin die Gemüter am meisten berührte und starken Applaus (auch ohne Bravi) hervorrief.

Insgesamt passte der Abend nicht zur Stadt an Elbe und Alster und bleibt als etwas angestrengter Eröffnungsabend in Erinnerung.

Andreas Schmidt, 2. September 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.