Der Cellist Jean-Guihen Queyras entlockt seinem Instrument die wunderschönsten Töne

Orchester Wiener Akademie, Martin Haselböck,  Musikverein Wien

Foto: Yoshinori Mido (c)
Wiener Musikverein
, Goldener Saal, 29. Mai 2018
Orchester Wiener Akademie
Martin Haselböck
, Dirigent

Jean-Guihen Queyras, Violoncello, W.A. Mozart, Symphonie D-Dur KV 504 „Prager“
Joseph Haydn, Konzert für Violoncello und Orchester C-Dur Hob. VIIb:1
Adam Ignaz Malzat, Konzert für Oboe und Orchester C-Dur Hob. VIIg: C1
W.A Mozart Symphonie D-Dur KV 297 „Pariser Symphonie“

von Charles E. Ritterband

Martin Haselböck trat im Wiener Musikverein mit dem von ihm 1985 gegründeten Orchester Wiener Akademie auf – gewissermaßen der auf ihn persönlich zugeschnittene und am besten vertraute Klangkörper. Das verspürte man an diesem Abend, doch zumindest in Mozarts „Prager Symphonie“ vermochte nur wenig Begeisterung im Publikum aufzukommen: Das war etwas zu verhalten, ja geradezu bieder und leidenschaftslos.

Von der Begeisterung Mozarts über sein eigenes Werk, das ja unüberhörbare Anklänge an seinen „Figaro“ in sich trägt, war wenig zu spüren. Mozart jubelte damals, 1786, dem Jahr der Fertigstellung dieser Symphonie und zugleich dem Jahr der Uraufführung des „Figaro“ im Wiener Burgtheater: „Wie alle diese Leute auf die Musik meines Figaro, in lauter Contretänze und Teutsche verwandelt, so innig vergnügt herumsprangen, denn hier wird von nichts gesprochen als – Figaro, keine Oper besucht als Figaro, und ewig Figaro“.

Weitaus temperamentvoller ging es im letzten Werk dieses Konzertes zu, der „Pariser Symphonie“, in der ja Mozart erfolgreich versuchte, seinen eigenen, bewährten Stil mit den Charakteristika des französischen Geschmacks zu verbinden – und damit natürlich nicht nur den Gout der Pariser zu treffen, sondern auch den materiellen Erfolg beim französischen Publikum zu gewährleisten.

Den Höhepunkt dieses Abends bot zweifellos der 1967 in Montreal geborene Cellist Jean-Guihen Queyras mit Joseph Haydns C-Dur-Konzert für Violoncello und Orchester. Queyras intonierte das berühmte Cellokonzert auf seinem edlen, alten, warm klingenden Instrument, dem er die wunderschönsten Töne entlockte. Haselböcks Zurückhaltung bewährte sich – der Solist wurde subtil unterstützt und nie verdrängt oder gar übertönt. Ein Hochgenuss.

Charles E. Ritterband, 30. Mai 2018, für
klassik-begeistert.de

Der Journalist Dr. Charles E. Ritterband schreibt exklusiv für klassik-begeistert.at. Er war für die renommierte Neue Zürcher Zeitung (NZZ) Korrespondent in Jerusalem, London, Washington D.C. und Buenos Aires. Der gebürtige Schweizer lebt seit 2001 in Wien und war dort 12 Jahre lang Korrespondent für Österreich und Ungarn. Ritterband geht mit seinem Pudel Nando für die TV-Sendung „Des Pudels Kern“ auf dem Kultursender ORF III den Wiener Eigenheiten auf den Grund.

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