Theater an der Wien: Tschaikowski im Doppelpack

Peter I. Tschaikowski, Mazeppa, Iolanta / Undine,  Theater an der Wien, 21. und 22. Februar 2019

Foto © Peter M. Mayr
Peter I. Tschaikowski:
Mazeppa, Theater an der Wien, 21. Februar 2019
Iolanta/Undine, Theater an der Wien, 22. Februar 2019

von Herbert Hiess

Bei einem zweitägigen Gastspiel hat sich das Ensemble der erst 1990 in Moskau gegründeten Helikon-Oper dem Wiener Publikum vorgestellt – und man kann sagen mit enormem Erfolg.

Nicht nur das großartige Orchester und der ebensolche Chor waren begeisterungswürdig, sondern auch der Dirigent Vladmir Brazhnik, der Tschaikovskys phantastische Werke nicht nur exzellent einstudierte, sondern sie auch mitreißend und einfühlsam an den Abenden aufführte.

„Mazeppa“ ist eine Art „Heldenepos“ mit einem Libretto nach dem Gedicht „Poltava“ von Puschkin, dessen Werke der russische Komponist mehr als schätzte. Die Oper handelt von unerfüllter Liebe, Denunziation, Krieg, Hass usw.- Tschaikovsky setzte sie in wunderbarste Klänge um, die man selten so eindrucksvoll wie an dem Abend hören konnte. Man hörte Volkslieder, die 1812-Ouvertüre zu Beginn des dritten Aktes usw. usw. Und mit solchen Stimmen wie bei der Aufführung kann ein solcher Abend nur ein Erfolg werden.

Das große gesangliche Wunder passierte an dem Abend bei der jungen Russin Olga Tolkmit als Maria. War sie zu Beginn vielleicht noch etwas unsicher, steigerte sie sich zuletzt auf höchstes Primadonnenniveau. War schon das dramatische Duett mit Larisa Kostiuk (Ljubov Kotschubei als Marias Mutter) ein großer Wurf, so stellte sie im Finale alle in den Schatten. Hier bescherte Frau Tolkmit gemeinsam mit dem großartigen Orchester dem Publikum einen der besten Opernschlüsse seit vielen Jahren. Der „Wahnsinnsszene“ entsprechend sang sie dem sterbenden Liebhaber Andrej manisch mit dem Oberkörper vor- und zurückwippend ein morbides Wiegenlied, das einem noch lange in Erinnerung bleiben wird. Mit ihrer fulminanten und farbenreichen Stimme schwenkte sie zwischen strahlendem Forte, gepressten Lauten und zartesten Pianissimi. Da blieb wahrscheinlich bei den meisten Leuten im Publikum kein Auge trocken.

Auch sehr beeindruckend Alexey Isayev als Mazeppa und Igor Morozov als Andrej. Letzterer sang sich mit seinem beeindruckenden Tenor in das Herzen des Publikums. Auch Mikhail Guzhovs Bass brauchte sich da nicht zu verstecken.

Der Einakter „Iolanta“ wurde 1892 (also ein Jahr vor dem Tod des Komponisten) im Mariinski-Theater St. Petersburg uraufgeführt. Es war sein letztes Opernwerk und ist mehr als kunstvoll komponiert – obwohl Tschaikowski seine ganze Komponiererfahrung in die Musik legte, ist es nicht so mitreißend und berührend wie „Mazeppa“. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Protagonistin Elena Mikhailenko doch nicht die Strahlkraft wie Olga Tolkmit hatte, die in dieser Produktion die relativ kleine Rolle der „Brigitta“ sang.

Großartig dafür der Tenor Ivan Gyngazov, der sowohl in „Iolanta“ als auch als in „Undine“ begeistern konnte. Seine Stimme könne vielleicht noch etwas technischen Feinschliff vertragen – hervorragend, wie er um feine Nuancen (Pianissimi, Phrasierungen) bemüht war. Ebenso hervorragend wieder Larisa Kostiuk und Alexey Tikhomirov als König René. Dieser brachte seinen profunden Bass zum sonoren Klingen. Auch die übrigen Partien waren durchwegs interessant besetzt.

Nicht wirklich beworben war der Auftritt von Vladmir Fedosejew, der dem Publikum mit seinen bald 87 Jahren ein berührendes Wiedersehen schenkte. Der immer großartige Maestro machte aus den fünf Fragment-Teilen des Frühwerkes „Undine“ ein Ereignis. Leider hat Tschaikovsky das Werk aus Frust vernichtet; diese fünf Teile wurden mühsam rekonstruiert.

Maestro Fedosejew machte darauf ein Tschaikovsky-Fest. Der schräge Hochzeitsmarsch aus dem dritten Akt baute der Komponist in seine „Kleinrussische“ Symphonie (Nr. 2 in c-moll) als „Andante marciale“. So wie Fedosejew und das Spitzenorchester diesen Marsch zum Klingen brachten, bräuchte man sich nicht wundern, wenn man einen „Suchtfaktor“ nach Tschaikovsky unter Fedosejew da verspüren konnte.

Alles in allem war das Gastspiel mehr als beeindruckend und man wünscht sich ein recht baldiges Wiedersehen und -hören mit den sympathischen Leuten.

Herbert Hiess, 24. Februar 2019, für
klassik-begeistert.de

Mazeppa       Olga Tolkmit, Alexey Isayev, Igor Morozov, Mikhail Guzhov, Larisa Kostiuk etc.
Iolanta          Elena Mikhailenko, Alexey Tikhomirov, Aleksey Isayev, Ivan Gyngazov, Grigory Soloviev, Ivav Volkov, Olgo Tolkmit
Undine          Elena Mikhailenko, Ivan Gyngazov, Grigory Soloviev, Irina Reynard

Chor und Orchester der Helikon Oper/Eugeny Brazhnik, Vladimir Fedoseyev

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