Joyce Joy pure in Belgium

PURE JOY(CE), RECITAL JOYCE DIDONATO,  OPÉRA ROYAL DE WALLONIE, LIÈGE (BELGIEN)

Der Weltstar Joyce DiDonato glänzt mit einem Solo-Abend in Liège (Lüttich). Was für eine grandiose Sängerin, was für eine Gesangeskunst! Als Zugabe „Somewhere Over The Rainbow“ und die Schlussarie aus Rossinis „La Cenerentola“. Die Mezzosopranistin hat ihr Publikum in den Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Diesen Liederabend verlässt man nur mit zitternden Knien. Nicht enden wollender Applaus und standing ovations!

OPÉRA ROYAL DE WALLONIE, LIÈGE (BELGIEN), 24. November 2018
PURE JOY(CE) – RECITAL JOYCE DIDONATO
Foto: Florian Kalotay (c)

Joyce DiDonato, Mezzosopran
Orchestre Opéra Royal de Wallonie, Liège
Dirigent: Paolo Arrivabeni

von Dr. Holger Voigt

Genau in der Mitte des Stadtzentrums der Hauptstadt der Wallonie, Liège (Lüttich), befindet sich das 1820 eröffnete Königliche Opernhaus, ein wahres Kleinod für Opernbegeisterte. Unter der ambitionierten Intendanz des Italieners Stefano Mazzonis di Pralafera und seiner Musikdirektorin und Chefdirigentin Speranza Scappucci ist Italien plötzlich nach Belgien gekommen – man spricht mittlerweile auch vom Wunder von Liège bzw. „Miracolo Mazzonis“.

Ein Blick in den Stagione-Spielplan dieses Opernhauses lässt einen nur noch staunen: Wie macht er das, warum gelingt Stefano Mazzonis eigentlich alles, was sein Herz und das des Publikums begehrt? So verwundert es auch nicht, dass Sängerpersönlichkeiten wie Joyce DiDonato, Leo Nucci und Sonya Yoncheva sowie Dirigenten wie Michele Mariotti hier Station machen und ihre Zuhörer verzaubern. Eines dieser Ereignisse fand nun am 24. November bei strömendem Regen und novembrischer Dunkelheit statt – ein wahrer Lichtkontrast höchster atmosphärischer Intimität und bewegender musikalischer Leuchtkraft.

Die Programmauswahl umfasste Arien von Giovanni Pacini, Michele Carafa, Wolfgang Amadeus Mozart, Gioachino Rossini, Héctor Berlioz und Vincenzo Bellini. Jeweils eingeschoben Ouvertüren und Orchesterstücke von Gioachino Rossini, Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Wagner und George Bizet. Dabei war die Wahl des Meistersinger-Vorspiels etwas unglücklich, zumal sich das Orchester doch schwer tat so etwas wie eine festlich-machtvolle und propulsive Dynamik zu entfachen. Hier gab es auch leichte Intonationsfehler der Bläser, der Gesamtklang erschien zudem etwas breit und verwaschen. Das ist aber auch schon alles, was kritisch anzumerken wäre. Bei den anderen Orchesterstücken gelang es Maestro Paolo Arrivabeni sehr gut, die schäumende an- und abschwellende Rossini-Champagner-Dynamik herbeizuzaubern, die ja auch im vokalen Programmteil präsent war.

Joyce DiDonato – vor der Pause in einem grünen, nach der Pause in einem silberfarbenem Kleid – versetzte bereits mit dem ersten Ton ihre Zuhörer in grenzenlose Begeisterung. All das, was auf Einspielungen zu hören – und oft auch kaum zu glauben ist -, fand hier leibhaftig greifbar vor den eigenen Augen statt: Eine punktgenaue Intonation, eine kräftige Stimmführung, eine traumwandlerische Koloratursicherheit und eine komplett skalierte Ausschöpfung ihrer stimmlichen Möglichkeiten – nach oben und unten, phänomenal genau und ausdrucksstark zugleich.

Daneben anrührende Piano-Passagen – mit grosser Eindringlichkeit vorgetragen und gerade deshalb so bewegend. Der Höhepunkt des Abends war fraglos die Arie „Je vais mourir…“ aus Héctor Berlioz‘ „Les Troyens“. Das Publikum war wie erstarrt und bewegt von dieser wunderschönen Darbietung – Tränen, wo immer man hinsah. In DiDonatos Körpersprache und Gestik war eine nahezu vollständige Verschmelzung mit ihren Rollenprotagonistinnen erspürbar – alles war nicht nur gesungen, sondern auch „gelebt“. Was für eine grandiose Sängerin, was für eine Gesangeskunst! Als Zugabe „Somewhere Over The Rainbow“ und die Schlussarie aus Rossinis „La Cenerentola“. Joyce DiDonato hat ihr Publikum in den Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Diesen Liederabend verlässt man nur mit zitternden Knien. Nicht enden wollender Applaus und standing ovations!

Dr. Holger Voigt berichtet aus Liège, Belgien, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

https://www.youtube.com/watch?v=U_Po4s0AReU&list=FLV0-z9EgHPL99w6ZMCgL4IA

Programm

Gioachino Rossini – Semiramide – Ouverture
Giovanni Pacini – Stella di Napoli – Ove t’aggiri, o barbaro…
Michele Carafa – Le Nozze di Lammermoor – O di sorte crudel… (version transposée)
Wolfgang Amadeus Mozart – Le Nozze di Figaro – Ouverture
Wolfgang Amadeus Mozart – Le  Nozze di Figaro – Deh vieni non tardar…
Gioachino Rossini – Il Barbiere di Siviglia – Una voce poco fa…

Richard Wagner – Die Meistersinger von Nürnberg – Prélude Acte 1
Hector Berlioz – Les Troyens – Je vais mourir… Adieu, fière cité…
Georges Bizet – L’Arlésienne, suite n°2 – Farandole
Vincenzo Bellini – Adelson e Salvini – Dopo l’oscuro nembo…
Gioachino Rossini – La Donna del lago – Tanti affetti…

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