Rachmaninoff, mon Amour II

Serie: Rachmaninoff, mon Amour (Teil 2)  klassik-begeistert.de

Der in Hamburg lebende Journalist und Publizist Harald N. Stazol liebt klassische Musik, Oper und Ballett. Besonders schätzt er die Musik des russischen Komponisten Sergei Wassiljewitsch Rachmaninoff (* 20. Märzjul./ 1. April 1873greg. auf dem Landgut Semjonowo bei Staraja Russa im Gouvernement Nowgorod, Russisches Kaiserreich; † 28. März 1943 in Beverly Hills, Kalifornien, USA). Dies ist der zweite Teil einer sechsteiligen Serie über den Ausnahmemusiker. 

Rachmaninoff im Alter von zehn Jahren. Quelle: Wikipedia.de

Dessen Geschenk, eine goldene Uhr, muss der Student Серге́й Васи́льевич Рахма́нинов sogar versetzen – Luchino Visconti belieh die Juwelen seiner Mutter, um „Rocco und seine Brüder“ drehen zu können.

Dazwischen immer wieder Klavierunterricht, um überhaupt Geld zu verdienen. Drei Jahre lang kann er überhaupt nicht komponieren, bis seine Mutter ihm eine tägliche Therapie verschafft. Er ist traumatisiert, ein früher Burn Out.

Zur gleichen Zeit fiel auch seine 1. Sinfonie in d-Moll bei Kritikern und Publikum durch: Uraufgeführt am 15. März 1897 in Sankt Petersburg unter der Leitung von Alexander Glasunow, stieß das Werk beim Publikum auf Ablehnung, der Kritiker César Cui fühlte sich beim Hören gar an eine Programmsymphonie zum Thema „Sieben ägyptische Plagen“ erinnert. Glasunow, der weder Rachmaninow noch seine 1. Sinfonie mochte, gab später im privaten Kreis zu, das Werk bei der Uraufführung im betrunkenen Zustand dirigiert zu haben.

Rachmaninoff, der von sich aus nicht gerade eine Frohnatur war, sondern eher eine Tendenz zur Schwermütigkeit hatte, geriet durch die vernichtende Kritik in eine tiefe Schaffenskrise und eine nachfolgende Depressionen, die durch die ablehnende Haltung Lew Tolstois gegenüber seiner Musik während eines Privatkonzerts verstärkt wurde. Er komponierte nicht mehr, sondern arbeitete stattdessen zeitweilig als Dirigent an der Moskauer Russischen Privatoper. Der Familie Satin gelang es schließlich, ihn dazu zu überreden, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Hilfe fand Rachmaninoff bei einem der russischen Pioniere auf dem Gebiet der Psychiatrie, Nikolai Dahl, dem es gelang, ihm sein Selbstvertrauen zurückzugeben. Dahl behandelte seinen berühmten Patienten mittels Hypnose.

Rachmaninoff schrieb hierüber später:

„Ich hörte die gleichen hypnotischen Formeln Tag für Tag wiederholt, während ich schlafend in Dahls Behandlungszimmer lag. ‚Du wirst dein Konzert schreiben … Du wirst mit großer Leichtigkeit arbeiten … Das Konzert wird von exzellenter Qualität sein …‘ Es waren immer dieselben Worte, ohne Unterbrechung. Auch wenn es unglaublich erscheint, diese Therapie half mir wirklich. Im Sommer begann ich zu komponieren. Das Material wuchs, und neue musikalische Ideen begannen sich in mir zu regen.“

Und warum „Rachmanin“, der Ursprung des Namens um 1400, auf Altrussisch „Der Faule“ hieß – des Vasily Namen, eines weiten Vorfahren Sergejs – nun, das will im dritten Teile beleuchtet werden.

Harald N. Stazol, 22. Januar 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Harald N. Stazol ist wie der Herausgeber Andreas Schmidt Absolvent der Henri-Nannen-Schule (Journalistenschule mit Sitz in Hamburg). Beide waren als Redakteure Kollegen beim Magazin STERN.

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