Sommereggers Klassikwelt 150: Erich Leinsdorf – ein Wiener in New York

Sommereggers Klassikwelt 150: Erich Leinsdorf – ein Wiener in New York  klassik-begeistert.de, 7. September 2022

Lieber Peter!

Du bist ’ne Wucht! 150 Klassikwelten in 3 Jahren.
Das schafft nur ein wahrer Klassik-Connaisseur, geboren in Wien, wohnhaft in Berlin.

Das schaffst nur Du!

Merci vielmals – auf weitere 150 Klassikwelten,

Andreas

von Peter Sommeregger

Der Lebensweg des Dirigenten Erich Leinsdorf ist durchaus ungewöhnlich verlaufen, wobei wesentliche Punkte durch die Umstände der Zeit im unruhigen 20. Jahrhundert bedingt wurden.

Geboren am 4. Februar 1912 in Wien als Erich Landauer begann er schon als Schüler Interesse an Musik zu zeigen und begann eine solide Ausbildung, die ihn zum Dirigierstudium an das Salzburger Mozarteum, später an die Universität und Musikhochschule in Wien führte. Nach Abschluss des Studiums erhielt er eine Assistentenstelle bei Bruno Walter und Arturo Toscanini während deren Arbeit bei den Salzburger Festspielen.

Diese prominenten Verbindungen mögen mit der Grund gewesen sein, dass Leinsdorfs Bewerbung um eine solche Assistentenstelle an der Metropolitan Opera New York erfolgreich war. Zu diesem Zeitpunkt lag die Pflege des deutschen Repertoires in den Händen von Artur Bodanzky, einem ebenfalls aus Wien gebürtigen Dirigenten. Der Anschluss Österreichs an Nazideutschland konnte Leinsdorf nichts mehr anhaben, er war ja bereits in den USA in Sicherheit.

Als Artur Bodanzky am 23. November 1939 völlig unerwartet starb, war die Metropolitan Opera in großer Verlegenheit, weil Bodanzky praktisch ein Monopol für die Dirigate  deutscher Opern am Haus besaß. Provisorisch übernahm der Assistent Leinsdorf diese Aufgaben, tat dies aber so erfolgreich, dass man ihm Bodanzkys Aufgaben dauerhaft übertrug.

Im Jahr 1942 erhielt Leinsdorf die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Neben seiner Tätigkeit übernahm der Dirigent auch Verpflichtungen beim Cleveland Orchestra, später beim Rochester Philharmonic Orchestra. Von 1962 bis 1969 war er Chefdirigent des berühmten Boston Symphony Orchestra, mit dem er zahlreiche Werke für die Plattenfirma RCA einspielte. Auch für eine Reihe von Operngesamtaufnahmen stand er am Pult. In den nächsten zwei Jahrzehnten gastierte er häufig auch bei europäischen Orchestern.

An der Wiener Staatsoper erschien er 1947 und in den 1960er Jahren für kurze Gastspiele. Ein besonderes Ereignis war 1984 die Erstaufführung von Ernst Kreneks Oper „Karl V.“ unter seiner Leitung in Wien. Das Werk war ursprünglich 1938 zur Uraufführung angenommen worden, der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verhinderte aber dieses Vorhaben. Mehr als vier Jahrzehnte später wurde die von Leinsdorf dirigierte Wiener Erstaufführung zu einer eindrucksvollen Rehabilitation des Komponisten und des ins Exil getriebenen Dirigenten.

Eine Liste der Schallplattenaufnahmen Leinsdorfs wäre unendlich lang. Neben Orchesterwerken und ganzen Opern trat er auch häufig für die Begleitung berühmter Sänger ans Pult. Die große schwarze Diva der Met, Leontyne Price, bestand bei ihren zahlreichen Recitals auf dem Dirigenten Leinsdorf. Berühmt wurde der Dirigent speziell für seine Wagner-Aufführungen, von seinen ersten Jahren an der Met existieren zahlreiche solche Mitschnitte auf dem Graumarkt.

In seinen letzten Lebensjahren war Leinsdorf ein gern gesehener Gast bei europäischen Orchestern. In München realisierte er mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks die erste komplette Einspielung von Korngolds „Die tote Stadt“, und trug damit zu der Wiederentdeckung des fast vergessenen Werkes bei.

Als Erich Leinsdorf am 11. September 1993 in Zürich einem Krebsleiden erlag, betrauerte die Welt den Verlust einer großen Musikerpersönlichkeit. Seine Schallplatten halten aber die Erinnerung an ihn weiterhin wach.

Peter Sommeregger, 7. September 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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