Sommereggers Klassikwelt 26: Geraldine Farrar – die Amerikanerin an der Berliner Hofoper

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Über das Privatleben der Sängerin ist wenig bekannt. Eine 1916 mit dem Schauspieler Lou Tellegen geschlossene Ehe endete bereits 1923 mit einer Scheidung, angeblich wegen zahlreicher Seitensprünge des Ehemanns. Als Farrar zu ihrem Kommentar nach Tellegens Selbstmord 1934 gefragt wurde, bemerkte sie nur: „Warum sollte mich das interessieren?“

von Peter Sommeregger

Heute, am 11. März ist der Todestag der amerikanischen Opernsängerin und Schauspielerin Geraldine Farrar. Dies ist eine gute Gelegenheit, an die eigenwillige Künstlerin zu erinnern, die ihre Karriere an der Berliner Hofoper 1901 begann.

Besetzungen großer Opernhäuser sind bereits seit Jahrzehnten zunehmend international. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das noch völlig anders, nicht zuletzt, weil ja damals fast immer in der Landessprache gesungen wurde.

Die 1901 als gerade einmal 19-jährige an die Berliner Hofoper engagierte Amerikanerin Geraldine Farrar erregte sofort das Interesse des Berliner Publikums, als sie in Gounods „Faust“ debütierte. Zuletzt hatte sie ihr in Amerika begonnenes Gesangsstudium bei der großen Lilli Lehmann abgeschlossen, die an diesem Engegement sicher ihren Anteil hatte. Farrar war ausgesprochen hübsch, galt als kapriziös und wurde schnell zum Liebling der Presse. Hartnäckig wurde ihr auch ein Verhältnis mit dem Kronprinzen Wilhelm nachgesagt, auch der amtierende Kaiser Wilhelm II. soll sie außerordentlich geschätzt haben.

In diese Zeit fiel der Beginn der Aufnahmen von Gesangsplatten. Es verwundert nicht, dass Geraldine Farrar bereits 1902 eine größere Zahl von Einspielungen für das damals führende Label G&T (Grammophone and Tipewriter) aufnahm. Auch nachkolorierte Künstlerpostkarten der Sängerin verkauften sich ausgesprochen gut. Farrar war in der Rückschau bereits eine Vorwegnahme eines Medienstars heutiger Art, und nutzte ihre Popularität gekonnt. Geschäftssinn bewies sie auch, als sie ihr Engagement in Berlin gegen eines an die Oper von Monte Carlo tauschte. Das Opernhaus an der Côte d’Azur zahlte einfach besser.

Im Jahr 1906 wurde sie schließlich Mitglied der Metropolitan Opera New York, damals noch der Gipfelpunkt einer Sängerkarriere. Bei der Erstaufführung von Puccinis „Madama Butterfly“ an der Met sang sie 1907 die Titelrolle. Es folgte eine Vielzahl von Rollen des lyrischen Repertoires. Bei der Uraufführung von Humperdincks „Königskindern“ 1910 verkörperte sie die Gänsemagd, mit einigen echten, dressierten Gänsen auf der Bühne. Auch in diesen Jahren entstanden zahlreiche Schallplatten für das Label Victor Talking Machine Company.

Aber auch das konnte den Ehrgeiz der Künstlerin noch nicht vollständig befriedigen. Ab 1915 wurde sie der Star einiger Stummfilme von Cecil B. De Mille, besonders als Carmen konnte sie großen Erfolg verbuchen. Insgesamt wirkte sie in 15 Filmen mit.

Mit erst 40 Jahren zog sie sich 1922 von der Opernbühne zurück, zeitgenössischen Kritiken zufolge hatte ihre Stimme zu diesem Zeitpunkt viel an Qualität verloren. Hört man ihre Schallplatten heute, ist man ein wenig enttäuscht. Das Timbre ist nicht unbedingt schön, ihre Technik zwar ausgereift, aber häufig stößt sie an die Grenzen ihres stimmlichen Materials. Ohne die Wirkung ihrer physischen Attraktivität bleibt der Eindruck zwiespältig.

Nach ihrem Rückzug von der Bühne blieb sie der Metropolitan Opera zeitweise als Kommentatorin bei den Radio-Übertragungen aus dem Haus erhalten.

Über das Privatleben der Sängerin ist wenig bekannt. Eine 1916 mit dem Schauspieler Lou Tellegen geschlossene Ehe endete bereits 1923 mit einer Scheidung, angeblich wegen zahlreicher Seitensprünge des Ehemanns. Als Farrar zu ihrem Kommentar nach Tellegens Selbstmord 1934 gefragt wurde, bemerkte sie nur: „Warum sollte mich das interessieren?“

Im Alter von 85 Jahren starb die Sängerin am 11. März 1967 in Ridgefield, Connecticut.

Peter Sommeregger, 11.März 2020, für
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Peter Sommeregger

Der gebürtige Wiener Peter Sommeregger (Jahrgang 1946) besuchte das Humanistische Gymnasium. Er wuchs im 9. Gemeindebezirk auf, ganz in der Nähe von Franz Schuberts Geburtshaus. Schon vor der Einschulung verzauberte ihn an der Wiener Staatsoper Mozarts „Zauberflöte“ und Webers „Freischütz“ – die Oper wurde die Liebe seines Lebens. Mit 19 Jahren zog der gelernte Buchhändler nach München, auch dort wieder Oper, Konzert und wieder Oper. Peter kennt alle wichtigen Spielstätten wie die in Paris, Barcelona, Madrid, Verona, Wien und die New Yorker Met. Er hat alles singen und dirigieren gehört, was Rang und Namen hatte und hat – von Maria Callas und Herbert von Karajan bis zu Ricardo Muti und Anna Netrebko. Seit 25 Jahren lebt Peter in Berlin-Weißensee – in der Hauptstadt gibt es ja gleich drei Opernhäuser, die er auch kritisch rezensiert: u.a. für das Magazin ORPHEUS – Oper und mehr. Buchveröffentlichungen: „‘Wir Künstler sind andere Naturen.‘ Das Leben der Sächsischen Hofopernsängerin Margarethe Siems“ und „Die drei Leben der Jetty Treffz – der ersten Frau des Walzerkönigs“. Peter ist seit 2018 Autor bei klassik-begeistert.de .

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