Sommereggers Klassikwelt 68: Karl? Carl? Karel? Burian? Burrian? zum 150. Geburtstag

Sommereggers Klassikwelt 68: Karl? Carl? Karel? Burian? Burrian? zum 150. Geburtstag

„Seine Fachkollegen Enrico Caruso und Leo Slezak, mit die bedeutendsten Zeitgenossen Burians, priesen seine Stimme als der ihrigen überlegen. Wobei Slezak in seinen Memoiren schreibt, es wäre Burian zu wünschen gewesen, neben der Stimme auch einen festeren Charakter zu besitzen.“

von Peter Sommeregger

Schnell noch, ehe das Jahr seines 150. Geburtstages zu Ende geht, sei des tschechischen Heldentenors Karel Burian gedacht, der einer der großen seines Faches war, sich aber selbst sein schlimmster Feind.

Burian, der ursprünglich Jura studierte, wurde in seiner Studentenzeit in Prag auch als Sänger ausgebildet und entschloss sich frühzeitig für diesen Beruf. Seine kräftige und schöne Tenorstimme führte ihn schon bald nach dem Debüt am Stadttheater von Brünn an immer bedeutendere Bühnen wie Köln, Hannover und Hamburg, wo er in Rollen des dramatischen Tenorfachs glänzte.

Im Jahr 1902 wurde er schließlich an die Dresdener Hofoper engagiert, wo er speziell für seine Wagner-Partien gefeiert wurde. Operngeschichte schrieb er als Herodes in der Dresdener Uraufführung von Richard Strauss‘ „Salome“ am 9. Dezember 1905. In den folgenden Jahren war es ein offenes Geheimnis, dass Burian ein erhebliches Alkoholproblem hatte. Im Archiv der Hofoper kann man kleinlaute Entschuldigungsbriefe des Sängers an die Intendanz einsehen, in denen er sich für Fernbleiben von Proben und anderen Terminen entschuldigt. Vorerst tat dies seiner Karriere aber keinen Abbruch, bereits 1907 sang er das erste mal an der Metropolitan Opera New York, 1908 verkörperte er den Parsifal bei den Bayreuther Festspielen.

Um eine große lukrative Tournee durch die Vereinigten Staaten von Amerika unternehmen zu können, wurde er in Dresden vertragsbrüchig. Dafür hätte er, um wieder im deutschsprachigen Raum auftreten zu können, eine hohe Konventionalstrafe zahlen müssen. Erst Jahre später tat er dies, nachdem ihm in Wien Honorare winkten, die deutlich über dieser Strafzahlung lagen.

An der Metropolitan Opera glänzte er u.a. als Tristan, noch heute wird er in dieser Rolle als unübertroffen gerühmt. Erfreulicherweise ist uns seine Stimme auf einigen Schallplatten überliefert, die er teils in Deutsch, teils in Tschechisch aufnahm. Der metallische Strahl seines Tenors besticht auch auf diesen Tondokumenten, die sogar auf youtube zu hören sind. Die verschiedenen Schreibweisen seines Namens ziehen sich durch sämtliche Dokumente seiner Karriere.

Seine Fachkollegen Enrico Caruso und Leo Slezak, mit die bedeutendsten Zeitgenossen Burians, priesen seine Stimme als der ihrigen überlegen. Wobei Slezak in seinen Memoiren schreibt, es wäre Burian zu wünschen gewesen, neben der Stimme auch einen festeren Charakter zu besitzen.

Sein starker Alkoholkonsum schädigte über die Jahre Burians Gesundheit nachhaltig. Bereits 1920 erkrankte er schwer an Diabetes, trat aber weiterhin auf, so gastierte er 1922 abermals am Tschechischen Nationaltheater in Prag. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Emil, der eine bedeutende Karriere als Bariton hatte, unternahm er 1924 eine Tournee durch Tschechien, die das Ende seiner Laufbahn markierte. Anschließend zog er sich zurück und starb bereits am 25. September 1924 in der Nähe von Prag.

In seiner Heimat wird er bis heute als einer der besten Sänger des Landes verehrt. Selbst seine alten Schellack-Platten vermitteln seine strahlende Höhe und seinen schier unerschöpflichen Atem.

Peter Sommeregger, 29. Dezember 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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Peter Sommeregger

Der gebürtige Wiener Peter Sommeregger (Jahrgang 1946) besuchte das Humanistische Gymnasium. Er wuchs im 9. Gemeindebezirk auf, ganz in der Nähe von Franz Schuberts Geburtshaus. Schon vor der Einschulung verzauberte ihn an der Wiener Staatsoper Mozarts „Zauberflöte“ und Webers „Freischütz“ – die Oper wurde die Liebe seines Lebens. Mit 19 Jahren zog der gelernte Buchhändler nach München, auch dort wieder Oper, Konzert und wieder Oper. Peter kennt alle wichtigen Spielstätten wie die in Paris, Barcelona, Madrid, Verona, Wien und die New Yorker Met. Er hat alles singen und dirigieren gehört, was Rang und Namen hatte und hat – von Maria Callas und Herbert von Karajan bis zu Riccardo Muti und Anna Netrebko. Seit 26 Jahren lebt Peter in Berlin-Weißensee – in der deutschen Hauptstadt gibt es ja gleich drei Opernhäuser, die er auch kritisch rezensiert: u.a. für das Magazin ORPHEUS – Oper und mehr. Buchveröffentlichungen: „‘Wir Künstler sind andere Naturen.‘ Das Leben der Sächsischen Hofopernsängerin Margarethe Siems“ und „Die drei Leben der Jetty Treffz – der ersten Frau des Walzerkönigs“. Peter ist seit 2018 Autor bei klassik-begeistert.de.

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