Das Szymanowski Quartet spielt ein anspruchsvolles und beglückendes Programm in Hamburg

Szymanowski Quartet, Michael Lifits, Laeiszhalle Hamburg, 20. Oktober 2019

Foto: © Thies Rätzke

Laeiszhalle Hamburg, Kleiner Saal
Sonntag, 20. Oktober 2019

Szymanowski Quartet

Agata Szymczewska: Violine
Robert Kowalski: Violine
Volodia Mykytka: Viola
Alexey Stadler: Violoncello
Michael Lifits: Klavier

Mieczyslaw Weinberg
Klaviertrio a-moll op. 24 (1945)

Dmitri Schostakowitsch
Streichquartett Nr.3 F-Dur op. 73 (1946)

Mieczyslaw Weinberg
Klavierquintett f-Moll op. 18 (1944)

von Elzbieta Rydz

Mieczyslaw Samuilowicz Weinberg, ein bedeutender aber wenig bekannter Komponist des 20. Jahrhunderts hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert. Aus polnisch-jüdischer Familie stammend, bereits mit 12 Jahren Schüler am Warschauer Konservatorium, entkam Weinberg mehrfach den antisemitischen Pogromen, dem Zugriff der Nationalisten und der Kommunisten, ein Großteil seiner Familie wurde ermordet.

Weinbergs Freund, Mentor und Gleichgesinnter Dmitri Schostakowitsch respektierte Weinberg sehr und begegnete ihm stets auf Augenhöhe. Beide, Schostakowitsch und Weinberg, ließ das Thema des Krieges und des menschlichen Leids nicht los, war prägend im Schaffen und moralisch verpflichtend.

Den Einstieg in den Abend bildet Weinbergs Klaviertrio a-Moll, op. 24. Übersät mit erfindungsreichen, markanten Motiven, fesselnd und begeisternd in der dramatischen Expressivität. Das martialische Thema des ersten Satzes Präludium sich aufbauend, verstärkend, mündet in einer Arie.

Bevor die hochemotionalen, berührenden und wendungsreichen Töne des dritten Satzes Poem den Zuhörer umhüllen, wird in der Toccata des zweiten Satzes durch den Rhythmus die Spannung aufgebaut.

„Die Melodie ist das Wichtigste, denn sie gibt jedem Stück ein individuelles Gesicht“ – der Aussage getreu entwickelte Weinberg seinen persönlichen einer poetische Architektur gleichenden Kompositionsstil. So endet auch das Klaviertrio mit dem vierten Satz: poetisch klingend, fesselnd und einnehmend. Michail Lifits, Robert Kowalski und Alexey Stadler setzen an diesem Abend die Botschaft Weinbergs expressiv, mit großer musikalischer Spannbreite um.

Schostakowitsch hat insgesamt 15 Streichquartette geschrieben, das dritte Streichquartett in F-Dur, op. 73, entstand ein Jahr nach dem Sieg der Sowjetunion über die Deutschen im „großen vaterländischen Krieg“. Hier hat der Komponist eine betont klassische Form geschaffen. Das Zentrum bildet das Scherzo, darum gruppiert, als innere Klammer, zwei langsame Sätze, die wiederum von zwei schnellen Ecksätzen in Sonaten- und Rondoform umfasst sind.

„Musik ist stark durch den Gedanken, die Idee. Im Streichquartett muss der Gedanke tief und die Idee rein sein“, postulierte Schostakowitsch.

Exzellent in der Ausführung und Einheit bildet das Szymanowski Quartett einen Klangkörper und setzt die Ironie und den Sarkasmus Schostakowitschs in der Intensität und Abfolge der harten rythmischen Kombinationen, der grotesken Scherzo- und Marschsätze sowie in den Elementen von Tanz und Passacaglia meisterhaft um. Größer dürfte der Aufführungsort nicht sein, nur so bekommt man den verschmelzenden Kontakt und gemeinsamen Atem der Musiker, das Wesen und den Kern dieser Kammermusik mit.

Krönender Abschluß des Abends gelingt durch die Steigerung der Bandbreite im fünfsätzigen Klavierquintett f-Moll. Diese Musik lebt von der Interaktion der Musiker, besonders hervorgehoben in der Kantilene des vierten Satzes Largo, die ausgehend von der Violine durch alle Stimmen wandert.

Ein anspruchsvolles, beglückendes Programm!

Elzbieta Rydz, 25. Oktober 2019, für
klassik-begeistert.de

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.