"I Puritani" in Frankfurt: Ein Abend des goldenen Zeitalters des Belcantos

Vincenzo Bellini, I Puritani,  Oper Frankfurt

Foto © Barbara Aumüller
Oper Frankfurt
, 14. Dezember 2018
Vincenzo Bellini, I Puritani

Tito Ceccherini, Dirigent
Vincent Boussard, Inszenierung
Johannes Leiacker, Bühne
Brenda Rae, Elvira
John Osborn, Lord Arturo Talbo
Iurii Samoilov, Sir Riccardo Forth
Thomas Faulkner, Lord Gualtiero Valton
Kihwan Sim, Sir Giorgio

von Yehya Alazem

Seit dem goldenen Zeitalter des Belcantos hat die Welt kaum ein Duo gehört, das mit Joan Sutherland und Luciano Pavarotti, Beverly Sills und Nicolai Gedda oder Monserrat Caballé und Alfredo Kraus zu vergleichen wäre. Aber was Brenda Rae und John Osborn in Bellinis „I Puritani“ in Frankfurt schaffen, ist auf jeden Fall ganz nahe dran.

Um Belcanto singen zu können, braucht man eine Technik, die mehr oder weniger perfekt ist. Brenda Rae hat nicht nur die Technik, sondern auch eine außergewöhnliche Gestaltungskraft, die alle Gefühle der menschlichen Seele darstellen kann. Ihre wunderschöne, glockenklare Stimme kann dank ihrer hervorragenden Technik sowohl metallisch als auch weich sein.

Wie die Koloraturen so mühelos fließen, wie die crescendi und diminuendi so fabelhaft klingen, wie die piani so kontrolliert sind: Das ist einfach unfassbar. Rae kann mit ihrer Stimme machen, was sie will. Außerdem besitzt sie eine wunderbare Bühnenpräsenz. Das ist wirklich eine phantastische Leistung in der Rolle der Elvira.

Der amerikanische Tenor John Osborn hat sich in den letzten Jahren einen großen Namen im Belcanto-Fach gemacht. In Opern wie Rossinis Guillaume Tell wurde er von Kritikern und Publikum gefeiert. In der Rolle des Arturo ist er genauso großartig wie Brenda Rae.

Sein Tenor ist hell, konzentriert und hat einen wunderbaren Charme. Ganz reibungslos bewegt sich die Stimme zwischen den Registern – sowohl in der Tiefe als auch in der Höhe hat sein Timbre eine wunderbare, sehr angenehme Strahlkraft. Die Spitzentöne gelingen ihm ganz hervorragend an diesem Abend, ja, am Ende singt er sogar ein hohes F, was sehr, sehr wenige Tenöre in der Geschichte geschafft haben.

Außer diesen zwei Traumbesetzungen liefern auch Iurii Samoilov, Thomas Faulkner und Kihwan Sim sehr schöne Leistungen in den Rollen der tiefen Stimmen. Der Chor singt mit herrlicher, klarer Harmonik und Intensität, und das Orchester der Oper Frankfurt spielt unter dem italienischen Dirigenten Tito Ceccherini mit feiner Dynamik, Präzision und viel Energie.

Wer einen Abend der alten Jahre des Belcantos erleben möchte, sollte sich schnellstmöglich eine Karte für die letzten Aufführungen von Bellinis „I Puritani“ an der Oper Frankfurt besorgen; das Werk wird bis 18. Januar 2019 aufgeführt – wer schon eine Karte hat, kann sich sehr glücklich schätzen!

Yehya Alazem, 20. Dezember 2018, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

 

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