Elsa Dreisig ist die Sopranistin der Zukunft!

Giuseppe Verdi, La Traviata
Staatsoper Unter den Linden, Berlin
, 10. Februar 2018
Massimo Zanetti, Dirigent
Dieter Dorn, Inszenierung
Joanna Piestrzynska, Bühne
Elsa Dreisig, Violetta
Liparit Avetisyan, Alfredo Germont
Alfredo Daza, Giorgio Germont

von Yehya Alazem

Was für eine Sensation, was für eine Begabung und was für eine Leistung!

Geboren 1991, Gewinnerin des ersten Preises beim  „Operalia“-Wettbewerb  2016 von Placido Domingo: die Französin Elsa Dreisig ist eine exzeptionelle Künstlerin, die alles hat, was eine Sopranistin für diese Opernwelt braucht. Sie besitzt eine Stimme mit einem ganz wunderbaren Timbre, das warm, sympathisch und schwellend ist. Technisch ist sie gleichwohl superb. Sie singt phantastisch in allen Lagen, die Spitzentöne und Koloraturen fließen wunderbar.

Es ist aber nicht nur das musikalische Talent. Ihre Gestaltungskraft ist fabelhaft und faszinierend. Sie singt und spielt nicht – sie IST Violetta in Giuseppe Verdis „La Traviata“ in der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Vom Heben des Vorhangs bis zu ihrem Tod ist der Zuschauer ergriffen.

Obwohl Elsa Dreisig der große Star des Abends ist, ist der armenische Tenor Liparit Avetisyan eine Traumbesetzung für die Rolle des Alfredo. Er hat einen wunderschönen dunklen Klang und eine kontrollierte Technik ohne den kleinsten Mangel an Geschmeidigkeit. Besonders beeindruckend ist die Mittellage, in der der Übergang zwischen den Registern wunderbar weich und einfach klingt. Darstellerisch überzeugt er auch – vor allem im ausgezeichneten Zusammenspiel mit Elsa Dreisig.

Der Mexikaner Alfredo Daza überzeugt mit seinem tiefen, soliden Bariton als Vater Giorgio Germont. Er ist eher kompromisslos als sympathisch in seiner Interpretation gegenüber Violetta als auch gegenüber seinem Sohn Alfredo. Seine zwei Arien „Di Proveza il mar, il suol“ und „No non, udrai rimproveri“ gelingen ihm sehr gut.

Der Chor singt mit herrlicher klarer Harmonik, und die Staatskapelle Berlin findet sich unter dem italienischen Dirigenten Massimo Zanetti an diesem Abend gut zurecht. Das Orchesterspiel ist dynamisch und sensibel, manchmal sogar zu sensibel – dann klingt das Orchester gedämpft. Das macht aber nichts, da die Sänger ohne größere Anstrengung über das Orchester kommen.

In Dieter Dorns Inszenierung liegt der ganze Fokus auf der kranken Violetta. Alles passiert um sie herum. Ihr Leben fließt aus ihr heraus wie der Sand aus dem Sandsack, der auf einem Spiegel liegt. Sie schaut sich immer wieder im Spiegel an und sieht jedes Mal ein, dass die Stunde des Todes bald da ist. Letztendlich verschwindet sie in diesem Spiegel und lässt die anderen in Verzweiflung zurück.

Am Ende will man nur mit dieser Violetta verschwinden. Elsa Dreisigs sowohl musikalische als auch dramatische Darstellung rührt zu Tränen. Es ist ein unglaublicher Genuss diese junge Sängerin zu erleben. Elsa Dreisig ist die Sopranistin der Zukunft!

Yehya Alazem, 12. Februar 2018, für
klassik-begeistert.de

2 Gedanken zu „Giuseppe Verdi, La Traviata,
Staatsoper Unter den Linden, Berlin“

  1. Mein Sohn und meine Schwiegertochter hatten mir zum Geburtstag diese Opernkarte geschenkt, und so wurde dieser Tag in Berlin mit einer hinreißenden musikalischen Aufführung gekrönt. Alle Sänger waren sehr gut, aber Elsa Dreisig war außergewöhnlich! Ich habe LA TRAVIATA bestimmt schon fünf oder sechs mal gesehen, und `sie ´geht jedes mal unter die Haut, aber diese Aufführung mit dieser Stimme ganz besonders.
    Übrigens, der Spiegel auf der Bühne zeigt ab und zu ein Bild von Salvador Dalí, es hängt in der Ausstellung von ihm am Alexanderplatz.
    Ich wünsche Frau Dreisig, dass ihre Stimme uns noch viele schöne Opernaufführungen schenken möge.
    Gisela Völckers

  2. Vielen Dank für die schöne Kritik.

    Stimme in allem mit zu 100 Prozent mit dem Autoren überein, jeder einzelne Sänger war in der Aufführung am 17.2.18 wunderbar.

    Der Tenor Liparit Avetisyan ist wunderbar!!! Und dann diese Elsa Dreisig: Unglaublich!!! Sie ist geradezu überweltlich gut, verzaubert mit schönsten und stabilsten Klängen, die so unfassbar leicht daherkommen. Sie hat in dieser schwierigen und umfangreichen Partie nicht einen Moment der Schwäche. Das ist ganz, ganz groß!!!

    Diese Elsa Dreisig ist eine Sensation und wahrlich eine Sopranistin mit gewaltig großer Zukunft!

    An diesem Abend ist auch das Orchester unter Massimo Zanetti sensationell gut! Besser geht es nicht! Es liefert eine absolut makellose und begeisternde Vorstellung.

    Sebastian Koik

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