Sopranistin Kanae Matsumoto beschert dem Freiburger Publikum einen bezaubernden Abend voller Liebesträume

Kanae Matsumoto, Konzertabend Liebesträume, Humboldtsaal Freiburg, 24. Februar 2018

Titelfoto: © Waldemar Konietzko
Kanae Matsumoto
Konzertabend Liebesträume:  Opern, Lieder und Oratorien,
Humboldtsaal Freiburg,
24. Februar 2018

Kanae Matsumoto, Sopran
Nanotsu Moyaji , Klavier
Christina Reul, Flöte

eine Nachbetrachtung von Leah Biebert

Humboldtsaal Freiburg © Fotogräfin LIsa

Mit einem Lächeln im Gesicht trägt Kanae Matsumoto die Zugabe vor, ein japanisches, melodisches Lied; Blumen in jedem Herzen lautet der deutsche Titel. Es gibt dem Konzertabend, der unter dem Motto „Liebesträume“ steht, ein bewegendes, stimmiges Ende. Liebesträume – darunter hatte die gebürtige Japanerin in erster Linie europäische Opern, Lieder und Oratorien versammelt, die sie einem kleinen Publikum im historisch-modernen Humboldtsaal hingebungsvoll zum Besten gab. Mozart, Schubert und Brahms, Donizetti, Puccini und Verdi – die Mischung aus geistlichen und weltlichen Liedern sowie Opernarien in Begleitung von Klavier und Flöte begeisterte die Zuhörer.

Matsumotos Einstieg in den Konzertabend gelingt wunderbar. Warm und sanft, wenn auch noch ein bisschen aufgeregt,  ist das Agnus Dei aus Mozarts Krönungsmesse. Leider sitzen die Atempausen manchmal an den falschen Stellen, sie zerreißen die Phrasen mittendrin; vor allem nach den Koloraturen scheint ihr kurz die Luft wegzubleiben. Dieser Eindruck verflüchtigt sich glücklicherweise im Laufe des Abends. Zwischen den Verzierungen des Laudate Dominum aus den Vesperae solennes de confessore strahlt die Sopranistin auf: Den ersten und schwierigsten Teil des Konzerts, den Beginn, hat sie gemeistert.

Dass Matsumoto sich nun in die Situation hereingefunden hat, ist ihr in Schuberts Ellens Dritter Gesang deutlich anzumerken. Weniger steif ist ihre Körperhaltung; sie legt die Hände in flehender Gestik übereinander. Ihr „stilles Beugen“ gegenüber der Jungfrau Maria klingt damit zwar an – mehr dynamische Varianz hätte dem Lied noch mehr Ausdrucksstärke gegeben.

Bei den weltlichen Liedern von Johannes Brahms scheint sich Matsumoto deutlich wohler zu fühlen als bei den Oratorien. Gefühlsbetont trägt sie drei seiner Liebeslieder vor, geht mit der Musik mit – mal freudestrahlend, mal aufgewühlt. Gleichermaßen ergriffen führen Klavier und Gesang die Crescendi durch; schwierige Tonartwechsel vollziehen sie behutsam gemeinsam.

Nanotsu Miyajis Klavierspiel bleibt während des gesamten Konzerts unaufgeregt. Die Triller sitzen an Ort und Stelle, kleine Patzer lässt sich die Japanerin, die an der Freiburger Musikhochschule ihr Studium mit Auszeichnung abschloss, nicht anmerken. Sie ist das solide Fundament, auf dem Kanae Matsumoto ihre Darbietung aufzubauen weiß.

Die Kunstfertigkeit der Sängerin steht in der ersten Hälfte des Konzerts außer Frage. Dass sie toll singen kann, beweist sie auch in Korngolds Glück, das mir verblieb, in dem sie sich ganz eindrucksvoll in die Höhen hinaufzwirbelt. Jedoch ist jede ihrer Darbietung der anderen sehr ähnlich, man vermisst ein Stück weit Varianz und wünscht sich mehr Vielfalt in ihrem Auftreten und ihrer Interpretation der ausgewählten Stücke.

Erste toll herausgearbeitete Kontraste präsentiert Matsumoto, stets besonnen und versunken in die Musik, die sie umgibt, dann in Dvořáks Mĕsíčku na nebi hlubokém, dem Lied an den Mond. Miyaji begleitet die Sopranistin mal zurückhaltend, mal rauscht sie mit einem kräftigen Zwischenspiel dagegen. Die beiden Musikerinnen kreieren damit einen brillanten Abschluss im fortissimo, bevor es in die Pause geht.

Der zweite Teil beginnt abermals mit einem Stück Mozarts. Diesmal gibt Matsumoto aber kein Oratorium zum Besten, sondern schlüpft in die Rolle der Donna Elvira aus der Oper Don Giovanni. „In quali eccessi, o numi“ – nun schmilzt die Sängerin nicht mehr mit der Musik dahin, sondern empört sich aufgebracht über die Untreue ihres Geliebten. „Mi tradi qell’anima ingrata“ – anmutig verfällt Matsumoto in die fließende Melodie, die von Donna Elviras Traurigkeit und Mitleid zeugt. Nicht nur in dieser Arie, sondern auch in den darauffolgenden, die von verschiedenen Stimmungen geprägt sind, kann die Sängerin richtig glänzen.

In Donizettis Il dulce suono – Ardon gl’incensi, der Wahnsinnsszene aus Lucia di Lammermoor, spielt Matsumoto regelrecht die im Sterben liegende Braut. Konzertant entwickelt die Szene zunächst noch nicht so recht ihre Wirkung. Clever gemacht und deshalb umso brillanter ist aber das Zusammenspiel von Flöte und Gesang. Gemeinsam vollziehen Matsumoto und Flötistin Christina Reul die Koloraturen und imitieren sich gegenseitig, bevor sie gemeinsam weiterträllern.

Das Intermezzo aus Bizets Carmen dürfen Reul und Miyaji dann allein bestreiten. Auch wenn es manchmal kaum merklich stockt, zeigt die junge Flötistin, was sie kann: Fließend und leicht gelingen ihr hohe als auch tiefe Töne scheinbar ohne Mühe.

Matsumoto meistert ebenfalls die etwas tieferen Lagen, die sie in Piangi? Perchè! – Un bel dì vedremo  aus Puccinis Madama Butterfly anschlägt – eine willkommene Abwechslung nach den vielen Höhen der bisherigen Stücke. Als würde sie sich mit einem Unsichtbaren unterhalten, legt sie alle Gefühle in Stimme und Gestik – in der Erwartung, dass ihr Ehemann zu ihr zurückkehren wird.

Christina Reul © www.promusica-jüchen.de

Zwei japanische Stücke hat Kanae Matsumoto als Zugabe im Gepäck. Nach dem Applaus des Publikums wirkt sie ein Stück weit befreit; ruhig und ergreifend erklingen die Liebeslieder aus ihrer Heimat im Herzen der Freiburger Altstadt. Brilliert hat sie an diesem Abend mit ihren Darbietungen der unterschiedlichen Opernarien; bezaubernd, wenn auch nicht ganz so hervorragend ausgestaltet, präsentierte die Sopranistin aber auch die weltlichen und geistlichen Lieder, bei denen sie sich stets auf Nanotsu Miyaji und Christina Reul als zuverlässige Mitspielerinnen verlassen konnte. Die drei selbstbewussten Frauen bewiesen an diesem Abend, dass Liebesträume sowohl bezaubernd als auch unverzagt sein können.

Lea Biebert, 10. März 2018
für klassik-begeistert.de

Titelfoto: © Waldemar Konietzko

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