Am Ende siegt die Kunst über die Politik

Tchaikovsky & Glasunov, Violin Concertos  klassik-begistert.de

CD-Rezension:

Tchaikovsky & Glasunov
Violin Concertos

Ivan Pochekin

Russian  National Orchestra
Mikhail Pletnev

Hänssler Profil PH 21052

 von Peter Sommeregger

Ein russischer Solist spielt mit einem russischen Orchester unter einem russischen Dirigenten Werke russischer Komponisten. Unter normalen Umständen könnte man das als Voraussetzung für eine authentische Einspielung ansehen. Die gegenwärtigen Umstände sind aber nicht normal, also hat man doch ein wenig Mühe, sich dieser Aufnahme unvoreingenommen zu widmen.

Am Ende siegt aber doch die Kunst über die Politik, und weder Tchaikovsky noch Glasunov sind in dieser Hinsicht verdächtig. Die beiden hier gekoppelten Konzerte blieben die einzigen Werke für Violine und Orchester beider Komponisten. Zeitlich liegt die Entstehung der Werke weit auseinander, auch in der äußeren Form unterscheiden sie sich deutlich.

Folgt Tschaikovsky, dem seine Landsleute nicht grundlos „Verwestlichung“ vorwarfen, der traditionellen dreisätzigen Form, so greift Glasunow zur ungewöhnlichen zweisätzigen Anlage des Werkes, wobei er die Sätze in sehr ungewöhnlicher Form miteinander verbindet. Sein Stil ist eher tänzerisch bis folkloristisch zu beschreiben und unterscheidet sich damit deutlich von dem Komponisten Tchaikovsky, der noch einer anderen Generation und Schule angehört.

Die Gegenüberstellung der beiden Konzerte macht Sinn, und gibt den Ausführenden Gelegenheit, sich in beiden Stilen zu beweisen. Das Russian National Orchestra trägt diese Musik naturgemäß in seiner DNA, der erfahrene Dirigent Mikhail Pletnev ist ebenfalls Experte für die beiden Komponisten.

Der Solist Ivan Pochekin, seit dem Gewinn des Paganini-Wettbewerbes 2005 in Moskau ein viel beschäftigter Solist, der sich neben seiner solistischen Tätigkeit auch intensiv mit Kammermusik beschäftigt. Er konzertiert regelmäßig mit renommierten Orchestern und Dirigenten, für verschiedene Plattenlabel wie Naxos und Melodya entstanden zahlreiche Einspielungen.

Pochekins Spiel wird sowohl den schwindelnd hoch gelegenen Passagen in Tchaikovskys Konzert, als auch der etwas derberen Tonsprache Glasunows soverän gerecht. Einen Höhepunkt bildet die große, virtuose Kadenz, die direkt in das temperamentvolle Finale mündet. Der Solist kann hier seine Virtuosität beweisen, Dirigent und Orchester sorgen für eine harmonische Einbettung der Soli in den Orchesterklang. Wir erleben eine Interpretation von großer Intensität und stilistischer Authentizität .

Pochekin’s playing does sovereign justice to both the dizzyingly high passages in Tchaikovsky’s concerto and the somewhat coarser tonal language of Glazunov. A high point is the grand, virtuosic cadenza that leads directly into the spirited finale. The soloist is able to demonstrate his virtuosity here, while conductor and orchestra ensure that the solos are harmoniously embedded in the orchestral sound. We experience an interpretation of great intensity and stylistic authenticity .

Note 1

Peter Sommeregger, 19. Mai 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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