Der Junge, der die Prinzessin zum Lachen bringt, schlägt dem Schicksal ein Schnippchen

Detlev Glanert Die drei Rätsel, Oper für Kinder und Erwachsene  Deutsche Oper Berlin, 13. Februar 2026

Foto: Die 3 Raetsel (c) Nancy Jesse

Der Tod ist allgegenwärtig in diesem Stück. Den Kindern wird ziemlich viel zugemutet – denkt man als Erwachsener. Doch haben sich die alten Märchen jemals um Befindlichkeiten gekümmert? Lasso, der 12-jährige Held, springt dem Tod mehrmals von der Schippe und nutzt einen Sarg locker als Fähre über den Fluss.

Die drei Rätsel von Detlev Glanert
Oper für Kinder und Erwachsene  (empfohlen ab 9 Jahren)
Libretto von Carlo Pasquini, in der deutschen Übersetzung von Erdmuthe Brand

Auftragswerk des Opernhauses Halle, Uraufführung am 12. Oktober 2003
Premiere am 11. Oktober 2025

Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin von Brigitte Dethier
Bühne und Kostüme: Carolin Mittler

Musikalische Leitung: Dominic Limburg

Deutsche Oper Berlin, 13. Februar 2026

von Ralf Krüger

Dies ist die Geschichte eines Jünglings, der den tristen Ort seiner Kindheit verlässt, um eine Prinzessin zu ehelichen. Ausgestattet mit dem vergifteten Kuchen seiner Mutter als Wegzehrung, löst er eine Reihe unglücklicher Todesfälle aus. Ein merkwürdiger Typ, dem beim Selbstmordversuch das Seil reißt, wird zum Weggefährten, dessen vorsorglich gezimmerter Sarg ihr Verkehrsmittel. Gemeinsam erreichen sie ein Königreich voller Schadenfreude, Intrigen und uncooler Wesen. Um die Prinzessin heiraten zu können, muss der junge Mann ihr drei knifflige Rätselfragen stellen. Sollte sie nur eine davon beantworten können, rollt sein Kopf. Die Köpfe der anderen Bewerber hängen noch…

Der Auftakt ist fulminant. Gut 50 Künstlerinnen und Künstler, klein, groß, jung und älter, stehen auf der Bühne. Rund 40 Musikerinnen und Musiker sitzen im Graben. Vielleicht sind es insgesamt auch mehr. Das Bühnenbild zeigt stapelweise hölzerne Gemüsekisten. Wir sind in einem Wirtshaus, einer Kaschemme, dem Zuhause von Lasso und seiner Mutter Popa. Schnell wird klar, Die drei Rätsel sind ein riesengroßes Ensemblestück. Zwei Chöre sind dabei, Musiker des hauseigenen und des Landesjugend-Orchesters, Schüler eines Gymnasiums aus Dahlem und zweier Berliner Musikschulen.

Für mich rückte die Musik völlig in den Hintergrund. Sorry, Herr Glanert. Aber das Optische in dieser Operninszenierung, mit seinen so herrlich bunten Kostümen, der stets ausgefüllten, gut bestückten Bühne (samt Seitenbühne für Teile der Chöre), dem scheinbar simplen Handlungsstrang, der aber einer logischen Märchenerzählung folgt, führte bei mir zu einer optisch-emotionalen Reizüberflutung und einem ständigen Wow! Ich könnte auch Wahnsinn! sagen.

Die Musik war natürlich da, manchmal war sie schrill, laut, sie wird den Schülern im Publikum gefallen haben. Hits gab es keine. Die Stimmen der Solisten waren gut zu verstehen, bei manchen Chor-Nummern, die man nicht verstand, konnte der Text oben mitgelesen werden.

Foto: Die 3 Raetsel (c) Nancy Jesse

Für das Komische im Stück sorgen zwei Minister aus dem Stab des Königs. Ich glaube, sie heißen Wahnsinn und Blödsinn, auch die Hofdame Frau Knochen ist eine Karikatur und unser jugendlicher Held Lasso hat sich vom Bösen und Boshaften dieses Märchens nicht anstecken lassen und ist im Grunde seines Herzens eine Frohnatur.

Foto: Die 3 Raetsel (c) Nancy Jesse

Die drei Rätsel haben ihren Ursprung in Italien. Der Librettist Carlo Pasquini entdeckte sie dort in einer Märchensammlung aus dem 12. Jahrhundert. „Es ist nichts anderes als der Turandot-Stoff. Und den gibt es tatsächlich in allen europäischen Kulturen“, erzählt der Komponist Detlev Glanert im digitalen Programmheft. Darin verrät er auch, dass seine Oper in Italienisch erdacht wurde und bei einem traditionsreichen Festival in Montepulciano einige Voraufführungen erlebte. Als Ort der Uraufführung (in deutscher Sprache) gilt das Opernhaus in Halle an der Saale.

Das vorletzte Bild des Stückes, in dem sämtliche Weichen gestellt werden, hätte sich ein Musical-Autor nicht besser ausdenken können: Das große, rote Bett der Prinzessin Scharada steht im Mittelpunkt. Sie sitzt in Decken gehüllt neben Lasso. Beide kommen sich mit Worten näher. Er quatscht sie voll, würde ich als Berliner sagen. Die Prinzessin taut langsam auf. Sie, die niemals lachte, lächelt, freut sich über Lassos Gegenwart, lacht.

Der Hofstaat des Königreichs schlägt jedoch zurück. Sie wollen eine Hochzeit mit allen Mitteln verhindern, sehen ihre Macht, ihre Privilegien entschwinden, sind absolut unauffällig im Zimmer versteckt, Hofdame, Minister, König, alle. Die Chöre singen ernste Lieder, die Schlinge scheint sich zuzuziehen, ein hinterhältiger Mordanschlag wird immer wahrscheinlicher. Doch dann erschüttert ein Unwetter die Szenerie und die Karten werden neu gemischt.

Ensemblebild beim Schlussapplaus der Schulvorstellung „Die drei Rätsel“ am 13.02.2026, Bild: RK

Der Schluss ist Operettentheater. Mit einer kleinen Überraschung, die viel zu schön ist, um sie zu beschreiben. Das junge Publikum im Saal schreit, ruft, jubelt, klatscht vor Freude.

Ralf Krüger, 14. Februar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Erich Wolfgang Korngold, Violanta Deutsche Oper Berlin, 25. Januar 2026 PREMIERE

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