Vorstellung der Saison 2026/27
Theater Lübeck, Großes Haus, 24. April 2026
von Dr. Regina Ströbl
Das Theater der Hansestadt Lübeck widmete den 24. April 2026 ganz der Vorstellung des Programms der Saison 2026/27. GMD Stefan Vladar, Schauspieldirektor Malte C. Lachmann und Geschäftsführer Caspar Sawade empfingen am Vormittag die Pressevertreter und luden Abonnenten wie Theatercard-Besitzer am Abend zu einer Vorschau-Gala ins Große Haus ein.
Schon jetzt breitet sich Vorfreude bei Künstlern und Publikum aus; Lübecker und anreisende Gäste erwarten viele Höhepunkte, herrliche Musik, spannende Produktionen und große Namen. Wer hier nichts findet, dem ist nicht zu helfen.
Mit dem berühmten Mozartsänger Michael Schade als Gast beginnt die Spielzeit im Großen Haus am 2. Oktober 2026 mit „Idomeneo“. Regie führt Philipp Himmelmann, dessen brillante Produktionen von „Carmen“ und „Hoffmanns Erzählungen“ weit über die Stadtgrenzen hinaus begeisterten.
Mit Verdis „Un ballo in maschera“ steht ab dem 29. Januar 2027 dann ganz große Oper voll leidenschaftlich-schöner Musik an, von der Sophie Naubert mit der Arie des Oscar „Saper vorreste“ im Rahmen der Gala einen überaus charmanten Eindruck vermittelte. Unter der Regie von Anna Drescher, deren beeindruckende „Lucia di Lammermoor“ noch im Gedächtnis ist, gibt es dabei ein Wiedersehen mit Flurina Stucky, als Amelia Grimaldi in „Simon Boccanegra“ noch in bester Erinnerung, und Ieva Prudnikavaite, Lübecks spektakuläre Carmen.
Ganz offenbar ist das Haus in der Beckergrube auch bei Gastkünstlern ein beliebter Ort. Nicht nur, dass KS Brigitte Fassbaender nach der aufwühlenden „Elektra“ vor zwei Jahren gerade an diesem Wochenende Bergs „Wozzeck“ in einer umjubelten Inszenierung mit dem grandiosen Bo Skovhus in der Titelrolle auf die Bühne gebracht hat – auch KS Angela Denoke wird nach ihrer bezaubernden „La Bohème“ wieder in Lübeck arbeiten. Dabei inszeniert sie nicht nur Poulencs „Dialogues de Carmélites“ (Premiere am 12. März 2027), sie übernimmt auch die Rolle der Madame de Croissy.
Den Schlusspunkt in der Opernsaison bildet dann Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ in der Regie von Philipp Himmelmann; Jacob Scharfmann bezauberte vorab daraus mit der kurzen Arie des Harlekins „Lieben, hassen, hoffen, zagen“. Die Premiere ist am 23. April 2027.
Ariadne wird sicher wieder eine Paraderolle der so vielseitigen Evmorfia Metaxaki, Ensemblemitglied und „Tosca“, die noch in dieser Spielzeit am 13. Juni Premiere hat. Folglich eröffnete die Sopranistin den Abend mit deren großer Arie „Vissi d’arte“, ergreifend und dynamisch ausgefeilt. Diese Produktion, „Lapskaos“ und selbstverständlich „Hänsel und Gretel“ werden ebenfalls erneut in der Spielzeit 2026/27 zu erleben sein.
Aber auch Freunde der vermeintlich leichteren Muse kommen nicht zu kurz. Mit Benatzkys „Im weißen Rössl“ steht ab dem 12. Juni 2027 ein Stück voll beliebter Melodien und mit einer Paraderolle für Hausmitglied Andrea Stadel als charmante Wirtin Josepha an. Der Chor unter der Leitung von Jan-Michael Krüger bot mit dem Finale des 1. Aktes schon mal einen schmissigen Eindruck.
Bereits am 14. November 2026 kommt Mel Brooks’ Musical „The Producers“ auf die Bühne, in dem zwei Produzenten mit dem schlechtesten Theaterstück großes Geld machen wollen. Die Rolle des Max Bialystock, einer der beiden, deren Unternehmung allerdings gründlich schiefgeht, dürfte Steffen Kubach, Lübecks Mann für alle Fälle, auf den Leib geschrieben sein. Die Kooperation mit anderen Häusern in der Sparte Ballett wird diesmal mit dem Volkstheater Rostock und einer neuen Fassung von Tschaikowskys „Schwanensee“ fortgesetzt, Premiere ist am 17. Oktober 2026.
GMD Stefan Vladar ist es wieder gelungen, hochkarätige internationale Künstler nach Lübeck zu holen und spannende Programme für die Symphoniekonzerte des Philharmonischen Orchesters zusammenzustellen.
Michael Schade wird z. B. Arien aus selten gespielten Opern von Franz Schubert singen. Katia und Marielle Labèque bringen, eingebettet von Musik von Arthur Honegger und Igor Strawinsky, Poulencs Konzert für zwei Klaviere zu Gehör. Ein weiteres Highlight bildet das Nocturne für Tenor, sieben Instrumente und Streicher op. 60, gesungen von Ian Bostridge, kombiniert mit den „Planeten“ von Gustav Holst. Ein ganz besonderes Ereignis dürfte das 3. Symphoniekonzert am 22. und 23. November 2026 werden. Dirigent Fedor Rubin führt zusammen mit Gerald Preinfalk das Saxophonkonzert seines Großvaters Edison Denisov auf, eingerahmt durch Musik von Mussorgsky und Tschaikowsky.
Weitere Glanzlichter bilden u.a. die 8. Symphonie von Anton Bruckner unter GMD Stefan Vladar und ein Frühlingsprogramm, mit der 4. Symphonie von Takashi Yoshimatsu, geleitet vom Ersten Kapellmeister Takahiro Nagasaki, und so vieles mehr. Ergänzt wird das musikalische Gesamtprogramm durch eine Vielzahl äußerst interessant zusammengestellter Kammerkonzerte mit Musikern und Musikerinnen aus den Reihen des Philharmonischen Orchesters, einige Sonderveranstaltungen und wieder das so beliebte Weihnachtskonzert am 25. Dezember.
Viele Angebote richten sich speziell an Kinder und Schulklassen. Hier sei besonders auf „Das Tagebuch der Anne Frank“, einer Oper in zwei Teilen von Grigori Fried hingewiesen, die nicht nur im Theater laufen wird, sondern auch als mobile Produktion für Schulen rund um und in Lübeck gebucht werden kann.
Musikalisch wird es teilweise auch im von Malte C. Lachmann zusammengestellten Schauspielprogramm. Das Angebot reicht von „The last five years“ von Jason Robert Brown, Luisa Böse gab einen wunderbar verzweifelten ersten Einblick, über „Stolz und Vorurteil* (*oder so)“ von Isabel McArthur nach Jane Austens Geschichte über Elizabeth Bennet und Mr. Darcy, bis hin zur deutschen Erstaufführung der Musicalfassung der dänischen Politserie „Borgen“.
Klassiker wie Kleists „Michael Kohlhaas“ oder „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch fehlen ebenso wenig wie Thomas Manns „Felix Krull“ in einer rasanten Fassung für drei, im fließenden Wechsel alle Rollen darstellenden Schauspieler. Lilly Grapper, Henning Sembritzki und Neuzugang Elias Nuriel Kohl machten mit der berühmten Musterungsszene Lust auf mehr. Die große Feier zum 100. Geburtstag von Günter Grass „Mein Jahrhundert“, wird, dem ausgewiesenen Fußballfan entsprechend, im Stadion des VfB Lübeck aufgeführt.
Viele Menschen, vor allem auch junge, für das Theater zu begeistern, sie zum Mitmachen uns ausprobieren zu animieren, ist auch das Anliegen von Jung plus X; so gibt es unter den vielen Möglichkeiten die „Bürger:Bühnen“, ein Forum für Menschen aller Altersgruppen. Das Schauspiel bietet einige, für Schulen buchbare mobile Produktionen an und auch Musikerinnen und Musiker kommen gern dorthin.
Das Angebot in allen Sparten ist umfangreich, bunt und vielfältig, ebenso die Spielorte. Großartige Künstler von außerhalb bereichern das hervorragende Ensemble des Lübecker Theaters. Ausführliche Angaben zur neuen Spielzeit können dem neuen Spielzeitheft entnommen oder unter https://www.theaterluebeck.de/seiten/spielzeit-26-27.html abgerufen werden. Der Erwerb einer stark vergünstigenden Theatercard ist bei dem Programm ganz sicher eine sehr gute Idee und auch ein feines Geschenk …
Bis zum Sommer bietet die Oper im Haus in der Beckergrube noch „Wozzeck“, „Tosca“, „Hoffmanns Erzählungen“ und „Die Krönung der Poppea“, allesamt in hochkarätiger Besetzung sowie zwei hochspannende Symphoniekonzerte an. Hingehen, genießen, am besten mehrmals, sei hier dringend empfohlen!
Dr. Regina Ströbl, 26. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Stefan Vladar, Klavier, Bo Skovhus, Bariton, Mahler Theater Lübeck, Großes Haus, 26. März 2026
Claudio Monteverdi, Die Krönung der Poppea Theater Lübeck, Premiere, 14. März 2026