Foto: GYNGAZOV NETREBKO (c) Wiener Staatsoper/Michael Poehn
Giacomo Puccini Tosca
Melodramma in drei Akten
Musikalische Leitung: Daniel Oren
Inszenierung: Margarethe Wallmann
Bühne und Kostüme: Nicola Benoi
Floria Tosca: Anna Netrebko
Mario Cavaradossi: Ivan Gyngazov
Baron Scarpia: Christopher Maltmann
Cesare Angelotti: Clemens Unterreiner
Mesner: Dan Paul Dumitrescu
Spoletta: Devin Eatmon
Sciarrone: Hans Peter Kammerer
Wiener Staatsoper, 18. April 2026
von Iris Röckrath
Die Besetzung der Tosca mit Anna Netrebko deutet natürlich schon darauf hin, dass es ein spektakulärer Abend werden würde. Für meinen Geschmack wurde dieses Gefühl noch übertroffen!
Schon im ersten Akt konnte Ivan Gymzazov in der Rolle des Cavaradossi stimmlich alles überstrahlen. Herrlich, wie er seinen tenoralen Glanz makellos schon in seiner ersten Arie einsetzt. Dafür gibt es schon die ersten Bravos. Mit dem Bühnenbild der Kirche Sant Andrea della Valle kann ich nach intensivem Wien-Kirchen-sightseeing gut leben. Mit der Inszenierung, wenn es denn eine gab, weniger. Insgesamt wurde gern „an der Rampe“ gesungen, was den Sängern natürlich zuträglich war.
Anna Netrebko beginnt mit einzigartiger brustiger voller satter Tiefe und geht in der eifersüchtigen, etwas koketten Tosca auf. Tiefe Traurigkeit empfindet sie, als der fiese röhrende Bassist Christopher Maltmann ihr den Fächer der Eifersucht präsentiert.

Dem Puccini-Klang des Wiener Staatsopernorchesters unter Leitung von Daniel Oren in der Kulisse der Wiener Staatsoper kann man sich nicht entziehen. So wird das Requiem zum Ende des ersten Aktes mit dem Wiener Staatsopernchor und dem lüsternen Scarpia zum Puccini-Gänsehautmoment.
Der zweite Akt wird zum Krimi durch Scarpia und seine Begehrlichkeiten. Wann durfte ich zuletzt einen so unglaublich intensiven Sänger in dieser Rolle hören? Christopher Maltmann wird dieser Rolle zu 100 Prozent gerecht. Seine Stimme klingt kernig, schmeichelnd, satt in der Tiefe und strahlend in der Höhe. Großartig!

„Viktoria, Viktoria!“ Für Cavaradossi scheint es überhaupt keine Höhenprobleme zu geben. Dass Anna Netrebko sich heute Abend in absoluter Höchstform präsentiert, leise bittend, flehend, wütend, verzweifelt, ihr wunderbarer satter Sopran darf besonders in ihrer Paradearie „Vissi d arte“ noch einmal in voller Schönheit erblühen. Wie sie den vollen Ton ins Pianissimo zurücknimmt und wieder anschwellen lässt, macht ihr keine nach. Frenetischer Jubel aus dem Zuschauerraum.

Wiener Staatsoper Michael-Poehn
Im dritten Akt dürfen die Streicher und Klarinetten Wohlklang verströmen. Sehr sehr langsam, dabei nicht spannungslos, dürfen sie die Arie des Cavaradossi einleiten.
E lucevan le stelle wirkt dadurch etwas länger, das Publikum dankt mit lauten Bravi.
Ja, und dann ist die Aufführung schon fast zu Ende.
Leider springt Tosca von der Engelsburg, jedoch nicht bevor sie noch einmal hinreißend mit ihrem Mario besprechen kann, dass er nur gut schauspielern muss, damit sie dann mit ihm gemeinsam fliehen kann.
Ein wunderschöner Opernabend geht mit unzähligen Vorhängen für die phantastischen Mitwirkenden zu Ende.

Ich beneide die Wiener um diese sängerische Qualität! In Hamburg dürfen wir jetzt auch mit Flip Flops in die Oper gehen, allerdings hat mir der gediegene Kleidungsstil in Wien gefallen. Man „putzt sich heraus“ für den Opernabend, und mir hat das gefallen.
Vielleicht liegt es daran, dass ich altersmäßig bei den Boomern einzuordnen wäre.
Iris Röckrath, 19. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Giuseppe Verdi, Nabucco (Libretto, Temistocle Solera) Wiener Staatsoper, 5. März 2026
Anna Netrebko, Sopran, Pavel Nebolsin, Klavier Wiener Staatsoper, 19. Oktober 2023
Bei der ersten Tosca dieser Serie vor einer Woche wurde Daniel Oren sehr intensiv ausgebuht, wie reagierte das Publikum gestern? Der Standard zeigte aus musikalischer Sicht Verständnis für die Misfallensäußerungen, der Opernfreund hingegen berichtete, es „hatte sich offenbar herumgesprochen, dass die Buh-Rufe nach der ersten Vorstellung vermutlich nicht dem Dirigenten, sondern dem Israeli galten.“
Johannes Fischer