Zug in der Schweiz sendet musikalische Grüße aus Wien

Zuger Sinfonietta  Daniel Huppert „Grüße aus Wien“ Theater Casino Zug, 10. Mai 2026

Foto: Zuger Sinfonietta Copyright Patrick Hürlimann

Auf dem Podium wie im Saal war die Stimmung begeistert; das ambitionierte Programm der Zuger Sinfonietta verdient überregionale Beachtung. Auf in die Schweiz!

Zuger Sinfonietta

Daniel Huppert / Dirigent
Joseph Moog / Klavier

Gustav Mahler (1860-1911) / Blumine, Symphonischer Satz für Orchester
Ludwig van Beethoven (1770-1827) / Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 G-Dur op. 58
Alexander Zemlinsky (1871-1942) / Symphonie Nr. 1 d-Moll

Theater Casino Zug, 10. Mai 2026

von Julian Führer

Das Schweizer Musikleben ist erfreulich reichhaltig. Internationale Strahlkraft besitzen ohne Zweifel die Opernhäuser von Zürich und Genf, aber auch das Zürcher Tonhalle Orchester sowie die Festivals in Luzern und anderswo. Auch mittlere Städte wie St. Gallen oder Biel können in jeder Saison ein breites Programm präsentieren. Selbst der kleine Kanton Zug mit seinen reichlich 130 000 Einwohnern auf sehr begrenzter Fläche (Berlin ist dreieinhalbmal so groß) hat mit der Zuger Sinfonietta ein Orchester, das sich einen festen Platz im Innerschweizer Musikleben erobert hat.

Das Programm war mit „Grüße aus Wien“ betitelt, da alle drei Werke einen Bezug zu dieser Stadt aufweisen. Zwei waren echte Raritäten.

Gustav Mahlers Blumine ist eigentlich der zweite Satz seiner ersten Symphonie, den der Komponist nach drei Aufführungen allerdings strich und der erst in den 1960er Jahren wiederentdeckt wurde. Die erste Symphonie erhält durch diesen Satz einen ganz anderen Charakter: Vom Orchester geht eine große pastorale Ruhe aus, die erstaunlicherweise von der Solotrompete getragen wird. Der fast ausverkaufte Saal des Theater Casino Zug hat eine sehr unmittelbare Akustik, was noch einmal unterstrich, wie um- und vorsichtig Daniel Huppert als Dirigent das vorzüglich disponierte Orchester leitete. Die Orchestrierung ist sehr transparent mit fast impressionistischen Tupfern gehalten, ein Kabinettstück des noch ganz jungen Gustav Mahler.

Sehr viel bekannter ist Beethovens folgendes viertes Klavierkonzert mit Joseph Moog am Klavier. Der Konzertflügel von Bösendorfer klingt in der Mittellage viel runder und eine Spur erdiger als die meist genutzten Produkte von Steinway, die in der mittleren und höheren Lage viel metallischer sind. Die trockene Akustik fast ohne Nachhall ließ jede einzelne Note deutlich hervortreten – ein Risiko für den Pianisten, aber auch eine Chance. Gerade in den beiden von Beethoven selbst komponierten Kadenzen wurde die Nähe dieses Konzertes zu zeitnah komponierten Klavierwerken wie der „Appassionata“ op. 57 und der „Waldsteinsonate“ op. 54 deutlich. Der Mittelsatz wird fast durchgängig mit linkem Pedal, also una cordagespielt, was der Solostimme eine deutliche Fahlheit verleiht.

Zuger Klassik Joseph Moog © Thommy Mardo

Verblüffend, wie stark der Kontrast in der Überleitung zum abschließenden Rondo ausfiel, als dieses Pedal dann herausgenommen wurde. Joseph Moog scheute nicht die Klarheit des Vortrags mit wenig Pedal und erntete für diese Darbietung sehr starke Zustimmung; im Anschluss betonte er selbst gegenüber dem Publikum die Qualitäten dieses ganz besonderen Instruments und zeigte mit S’Wonderful, S’Marvelous von George Gershwin eine ganz andere Facette seines pianistischen Könnens.

Nach der Pause dann abermals ein unbekanntes Werk eines gar nicht so unbekannten Komponisten, nämlich die erste Symphonie von Alexander Zemlinsky. Wie der das Konzert eröffnende Satz Mahlers war auch dieses Werk lange Zeit nicht bekannt –  das Werk eines Zwanzigjährigen, das er immerhin in Wien aufführen konnte und das ihm einen Achtungserfolg eintrug.

Der erste Satz kann Zemlinskys Verehrung für Johannes Brahms nicht leugnen, aber auch Anklänge an Bruckner und Dvořák werden hörbar – ein bemerkenswerter Einblick in die musikalischen Strömungen, die damals in Wien relevant waren. Trotz recht massiver Posauneneinsätze gelang es auch hier Dirigent und Orchester, stets auf den Saal abgestimmt und transparent zu musizieren.

Foto: Zuger Sinfonietta Copyright Patrick Hürlimann

Im zweiten Satz war Zemlinskys Faible für harmonische Rückungen deutlich, gleichzeitig schwelgte er in Melodien, während im langsamen dritten Satz Wagners Tristan (und dort vor allem der dritte Aufzug) mehr als einmal als Vorbild deutlich wurde. Der Schluss war wieder stärker von Brahms inspiriert; dieser Verweis auf Zemlinskys Inspirationsquellen soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein ganz junger Mensch mit ungeheurer Begabung am Werk war.

Auf dem Podium wie im Saal war die Stimmung begeistert; das ambitionierte Programm der Zuger Sinfonietta verdient überregionale Beachtung. Auf in die Schweiz!

Julian Führer, 12. Mai 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Richard Strauss, Arabella, Robert Carsen Inszenierung Opernhaus Zürich, 14. April 2026

Georg Friedrich Händel, Giulio Cesare in Egitto Opernhaus Zürich, 28. März 2026

Giuseppe Verdi, Rigoletto Opernhaus Zürich, 4. Januar 2026

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