Günther Groissböck ist kein Wiener. Punkt.

Günther Groissböck, Neue Wiener Concert Schrammeln klassik-begeistert.de, 6. Mai 2026

CD/Blu-ray Besprechung:

Günther Groissböck ist ein großartiger Opernsänger, auch als Interpret von Kunstliedern hat er sich bereits profiliert. Von Wienerliedern sollte er sich aber vielleicht besser fernhalten.

Annageln kannst es net, die Zeit

Günther Groissböck
Neue Wiener Concert Schrammeln

Gramola 99329

von Peter Sommeregger

Es ist bereits die zweite Produktion dieser Art, die der Bass Günther Groissböck alten und neuen Wiener Liedern widmet. Der Sänger interpretiert nur zwei Drittel der zwölf enthaltenen Lieder, den Rest bestreitet das Ensemble Neue Wiener Concert Schrammeln ohne den Solisten.

Ein Problem dieser Produktion wird schon im ersten, mit einem Text des Tausendsassas André Heller, offenkundig: Groissböck fremdelt mit dem speziellen Wiener Idiom – kein Wunder, er ist ja Niederösterreicher.  Zwischen dort und Wien liegen zumindest (umgangs)sprachliche Welten.

Das ist für eine Wienerlieder-CD schon eine schwere Hypothek, aber damit nicht genug: Groissböck singt absolut nicht textdeutlich, was den Hörgenuss noch weiter einschränkt. Das junge Wiener Ensemble Neue Wiener Concert Schrammeln geht mit stimmigen Arrangements und dem richtigen Ton deutlich in Vorleistung, der Sänger kann aber den vorgegebenen Standard nicht erreichen.

Besonders problematisch fallen die Interpretationen traditioneller und historischer Lieder aus. „In einem kleinen Café in Hernals“, das Lied mit dem der unvergessene Hermann Leopoldi einst berühmt wurde, erklingt hier auf gänzlich uncharmante Art. Ein Klassiker der Biedermeierzeit ist das „Hobellied“, „Wann i amal stirb“, geht auf ein Volkslied zurück, aber auch hier gelingt es Groissböck nicht, den richtigen Wienerischen Volkston zu treffen. Die vier rein instrumentalen Nummern zeigen das Ensemble in Höchstform und machen insgesamt mehr Freude als die Gesangsnummern.

Günther Groissböck ist ein großartiger Opernsänger, auch als Interpret von Kunstliedern hat er sich bereits profiliert. Von Wienerliedern sollte er sich aber vielleicht besser fernhalten.

Peter Sommeregger, 6. Mai 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

CD-Rezension: Günther Groissböck singt Richard Strauss, Gustav Mahler, Hans Rott klassik-begeistert.de, 16. November 2022

Igor Levit, Klavier, Günther Groissböck, Bass Musikverein Wien, Brahms-Saal, 19. Oktober 2025

Liederabend Günther Groissböck am 8. Juni 2020, Wiener Staatsoper

6 Kommentare zu „Günther Groissböck, Neue Wiener Concert Schrammeln
klassik-begeistert.de, 6. Mai 2026“

  1. Lieber Herr Sommeregger, Google schützt Autoren (meistens) vor gravierenden Fehlern!
    GG ist NIEDERÖSTERREICHER!!! Er ist geboren und aufgewachsen in Waidhofen an der Ybbs („Waidhofen an der Ybbs ist eine Statutarstadt mit 11.062 Einwohnern in Niederösterreich.“)!
    Ob er das „Wienerische“ beherrscht, ist nicht so leicht zu beurteilen. Welche Variante ist denn gefragt? Hausmeister-Wienerisch, Umgangs-Wienerisch oder Adels-Wienerisch; das sind 3 sehr unterschiedliche Dialektvarianten.
    Generell fehlt GG allerdings die Leichtigket und der echte Schmäh…

    DI Waltraud Becker

      1. Tut mir leid, es war kein „Flüchtigkeitsfehler“ des Schreibers, denn das Schimpfwort „Mostschädel“ gilt ausdrücklich OBERösterreichern. Selbst Bruckner wurde als „halb Mostschädel, halb Weltbürger“ bezeichnet…

        DI Waltraud Becker

      2. Ich kann diese Besprechung/Kritik gar nicht nachvollziehen. Ich höre weder das angeblich „unwienerische“, noch einen Mangel an Charme. Und auch in Bezug auf Wortdeutlichkeit höre ich nichts Beanstandenswertes. Im Gegenteil: die CD ist für mich eine Referenzaufnahme und ich hoffe, dass Groissböck noch oft Wienerlieder singen wird; im Konzert und im Aufnahmestudio!

        Brigita Schwarz

  2. Wie ich sehe, ist das mit dem angeblichen „Oberösterreicher“ schon ausgebessert. Aber auch Mostschädel bezieht sich laut Google als eine scherzhafte bis leicht ironische Bezeichnung auf Menschen aus Oberösterreich. Außerdem glaube ich nicht, dass für das Wiener Lieder-Wienerisch, das jeweils je nach Alter der Vorlage, Bezirk oder Heurigengegend doch erheblich anders lauten kann, der Geburtsort Wien unbedingt nötig ist.

    Ingobert Waltenberger

    1. Volle Zustimmung!
      Michael Heltau, der gern als wienerischer Interpret von Schauspielrollen und Liedern gilt, kommt aus Ingolstadt…

      DI Waltraud Becker

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