Aleksandra Mikulska spielt Chopin im Internet

Aleksandra Mikulska, Pianistin, Präsidentin der Chopin-Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland  klassik-begeistert.de

von Herbert Hiess

Die polnische Pianistin Aleksandra Mikulska stammt nicht nur aus dem Lande des großen Pianisten Frédéric Chopin; sie ist auch mittlerweile Präsidentin der Chopin-Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland. Man kann sie also getrost als Chopin-Botschafterin bezeichnen; es gibt kaum einen Soloabend mit ihr, an dem der Name des musikalischen Landespatrons fehlt.

Wie viele freischaffende Künstler ist sie natürlich auch durch den Corona-Virus gebeutelt; wenn der absolute Stillstand vor allem für Kleinunternehmer ein Unglück ist, so ist er für die freischaffenden Künstler eine Katastrophe.

Da geht es nicht nur ums wirtschaftliche Überleben, sondern vor allem um die Aufrechterhaltung des „Marktwertes“. Nun, wie soll sich ein Künstler die Präsenz in der Öffentlichkeit aufrecht erhalten?

Da bietet sich vor allem das www. an (hier die Pianistin im O-Ton):

„Live-Konzerte können aktuell leider nicht stattfinden – daher habe ich mir etwas Besonderes überlegt: Auf meinem YouTube-Kanal kann man ab sofort die schönsten Momente meiner vergangenen Konzerte noch einmal digital erleben. Die Sammlung wächst ständig – es lohnt sich, regelmäßig vorbeizuschauen.

Von meinem Recital beim Liszt Festival Raiding 2019 habe ich gerade die Sonate h-Moll von Frédéric Chopin veröffentlicht, der man hier zuhören kann:

Erst kürzlich war ich bei SWR2 in der Sendung „Zur Person“ zu Gast und konnte dort ein wenig über Musik, meine Passion und meinen Alltag als Pianistin erzählen. Das von Roland Kunz gestaltete Radiofeature kann man unter dem folgenden Link nachhören:

Radio-Feature

In Zeiten von freiwilliger oder unfreiwilliger Isolation; von vermehrter Heim-Anwesenheit, wo einem die Zeit oft sehr lang ist, ist das eine willkommene Abwechslung, die den (künstlerischen) Geist stimulieren soll.“

Es ist gut, dass es solche Angebote auf der virtuellen Schiene gibt, und es hat auch irgendwie einen Reiz des Neuen. Nur birgt das halt die Gefahr, dass die Künstler dann doch einiges an Aufwand, Zeit und Geld für diesen virtuellen Genuss investieren und letztlich außer „Klicks“ und Zugriffe auf den Link nichts Pekuniäres bekommen. Und von dem kann kein Künstler leben.

Die andere – fast noch größere – Gefahr ist, dass sich die Hörer so an den abstrakten Klang gewöhnen, dass sie dann glauben, dass das die Realität sei. Der akustische Verlust beginnt beim Mikrophon, geht weiter übers Mischpult und via Übertragung zu den heimischen Lautsprechern. Das kann manchmal wie die „stille Post“ sein – oft ist es nur ein Abklatsch, was beim Hörer anlangt.

Aleksandra Mikulska (c)

Aleksandra Mikulska wird nicht zulassen, dass hier aus der „Not eine Tugend“ wird. Also, dass plötzlich aus dem Menschen am Instrument ein quasi Avatar wird und die Musikfreunde den Bezug zur Realität verlieren.

Wir sind alle in einer Notsituation und die freien Künstler sind voll mit dem Rücken zur Wand. Deswegen gehören solche Initiativen dieser Frau voll unterstützt; und das mit dem Bewusstsein, dass in absehbarer Zeit wieder der Normalzustand einkehren wird.

Herbert Hiess, 2. April 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Ein Gedanke zu „Aleksandra Mikulska, Pianistin, Präsidentin der Chopin-Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland
klassik-begeistert.de“

  1. Lieber Herr Hiess
    Ja, die Corona-Krise trifft manchen Musiker bis ins Mark, nicht nur was die materielle Existenz betrifft, sondern auch den Verlust an Empathie, Zuspruch, Mitgefühl, Applaus und Begeisterung aus dem Zuschauerraum. Es bietet aber auch jedem Künstler die Gelegenheit, die Zwangspause zu benutzen, um über neue Pläne und Perspektiven für die Zeit danach nachzudenken. Doch ohne die ausbleibenden Gagen aus Konzerten können die weiter laufenden Kosten des irdischen Lebens nicht beglichen werden, wobei die angedachten staatlichen Zuschüsse allenfalls einen Tropfen auf den heißen Stein darstellen. In diesen harten Zeiten entpuppt sich für jeden Musiker der wahre Wert der so lieb gewonnenen Freundschaften, ob sie sich nur an selbstgefälligen Worten und liebgewonnenen Umarmungen erschöpfen, oder ob darüberhinaus die gezeigte Herzlichkeit auch im Klingelbeutel ihre Spuren hinterläßt. Das kann der Verzicht auf die Rückgabe des Ticketpreises von Konzertveranstaltungen bis hin zu „etwas mehr“ bedeuten. In solchen Lebenssituationen wird sich die Spreu vom Weizen trennen, sprich die wahren von den nur vorgespielten Freunden!
    In diesem Sinne stirbt die Hoffnung zuletzt, daß sich auch durch den digitalen Hörgenuss bei so manchem Hörer eine Freigebigkeit entwickeln könnte, damit wir alle die Pianistin Aleksandra Mikulska nach der Krise weiterhin in „natura“ in ihren wundervollen Konzerten auf der Bühne erleben werden.
    Herzlichen Dank
    Helmut Kotz

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