Mehr als „Die Moldau“ und „Carmen“: Radio-Entdeckungen im Netz

von Dr. Andreas Ströbl

In den Zeiten der globalen Eremitage erleben wir alle eine neue mediale Abhängigkeit und selbst Wertkonservative trauen sich kaum mehr, ihren Kindern zu erklären, dass diese längst armselige Knechte einer krakenartigen Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik geworden sind, wenn selbst der Gang vom Esstisch zum Sofa nicht ohne süchtigen Blick auf das Gerät möglich ist. Man könnte ja was verpassen in diesen Sekunden. Aber das ist eben nur die eine Seite.

Foto: wikipedia.de (c)
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Aleksandra Mikulska spielt Chopin im Internet

von Herbert Hiess

Die polnische Pianistin Aleksandra Mikulska stammt nicht nur aus dem Lande des großen Pianisten Frédéric Chopin; sie ist auch mittlerweile Präsidentin der Chopin-Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland. Man kann sie also getrost als Chopin-Botschafterin bezeichnen; es gibt kaum einen Soloabend mit ihr, an dem der Name des musikalischen Landespatrons fehlt.

Wie viele freischaffende Künstler ist sie natürlich auch durch den Corona-Virus gebeutelt; wenn der absolute Stillstand vor allem für Kleinunternehmer ein Unglück ist, so ist er für die freischaffenden Künstler eine Katastrophe. „Aleksandra Mikulska, Pianistin, Präsidentin der Chopin-Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland
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Klassik per Mausklick: Ein Überblick über das aktuelle Streaming-Angebot

Foto: Jonas Kaufmann © Gregor Hohenberg

von Leon Battran

Abgesagt. Cancelled. Annullato. Die Konzert- und Opernhäuser dieser Welt spielen im Moment alle dasselbe Programm. Nämlich überhaupt nichts. Trotzdem lassen sich Musiker, Künstler und Kulturschaffende vom Virus nicht lähmen und machen aus der Situation das Beste. Einige geben auf dem Balkon Konzerte für die Nachbarschaft. Viele übertragen auch Konzerte aus den eigenen vier Wänden direkt ins Internet. So bleibt die Kunst lebendig. Und auch das kulturelle Leben bleibt lebendig, denn wir können nach wie vor live dabei sein. Ganz bequem vom heimischen Sofa aus. „Klassik per Mausklick, Streaming-Angebote während der Corona-Krise
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Notfallkonzerte in Notfallzeiten

Das Orchester im Treppenhaus überträgt, angesichts der aktuellen Entwicklungen rund um die Corona-Krise, eine Reihe ihrer „Persönlichen Notfallkonzerte“ regelmäßig im Livestream. Ein äußerst gelungenes Konzertformat, gespielt von einem Ensemble von dem man gerne mehr hören möchte.

Foto: © Matthew Farley

von Johannes K. Fischer

“Was kann klassische Musik heute?” Mit diesen Worten stellt sich das Orchester im Treppenhaus seinem Publikum vor; es wirkt fast, als wäre dies das Motto, das Leitmotiv dieser MusikerInnen. Wenngleich diese Frage vermutlich eine Anspielung auf die recht kreativen und ungewöhnlichen Konzertformate dieses Ensembles ist, so hat sie doch in Zeiten der Corona-Krise sicherlich eine ganz neue Bedeutung hinzugewonnen.

Corona-Krise zum trotz finden Thomas Posth (Cello, sowie Gründer und Chefdirigent des Orchesters) und seine KollegInnen Moritz Ter-Nedden (Violine), Jette Otto (Violine), und Maria Pache (Viola) immer noch einen Weg, den Geist dieses Orchesters und dieser Musik aufrecht zu erhalten. Statt wie gewöhnlich im Sprengel Museum in Hannover finden die „Persönlichen Notfallkonzerte,“ wie das Orchester sie nennt, einfach im Internet mittels eines Facebook-Livestreams statt. „Klassik in Zeiten der Krise, Notfallkonzerte in Notfallzeiten,
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Wenn ein Chor auf Reisen geht: Ein Bericht aus einer scheinbar fernen Zeit, als ein Hamburger Traditionschor noch auf einer Mittelmeerinsel singen durfte

80 Frauen und Männer, alle klassik-begeistert, reisen im Juni 2019 von Hamburg nach Malta, um auf der Schwesterinsel Gozo zu singen: Die erste Walpurgisnacht von Felix Mendelssohn Bartoldy und Carmina Burana von Carl Orff. Es waren ausgelassene Tage voller Musik und voller Lebensfreude. Der deutsche Botschafter kam eigens mit der Fähre von Valletta nach Gozo angereist. Der Symphonische Chor Hamburg, 1886 gegründet, gehört mit seinen 150 aktiven Mitgliedern zu den renommiertesten und traditionsreichsten Laienchören Deutschlands. Seit 1985 wird er von Professor Matthias Janz geleitet. Lesen Sie bitte den Bericht der Sopranistin Verena Redel, seit 35 Jahren aktive Sängerin des Chores. 

von Verena Redel

Die Idee

Familiäre Bande eines Chormitgliedes nach Gozo führten bereits im Jahr 2017 zu der Idee, dass der Symphonische Chor Hamburg im Rahmen des jährlichen „Victoria International Arts Festivals”, kurz VIAF, in der Stadt Victoria auf Gozo (die kleine Schwester Maltas) ein Konzert geben könne. Damals stand das Festival noch unter der musikalischen Leitung des maltesischen Komponisten und Dirigenten Joseph Vella. „Report: Wenn ein Chor auf Reisen geht, Symphonischer Chor Hamburg, Gozo / Malta
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Klassik und Kultur in Zeiten der Krise, Teil 3: BEGINNT EINE NEUE ÄRA?

Klassik und Kultur in Zeiten der Krise: Was bewegt Musikliebhaber angesichts von Krankheit und Tod?
Lesen Sie bitte, was die Wiener Opernenthusiasten Lothar und Sylvia Schweitzer bewegt – beide sind Autoren für klassik-begeistert.de .

von Lothar Schweitzer

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat die schwierige Aufgabe uns Mut zu machen und uns gleichzeitig Illusionen zu nehmen. So wird zu Ostern nicht die Morgenröte einer wieder ganz heil gewordenen Welt stattfinden. Wir fragen uns überhaupt, ob wir nicht in eine Phase der Erdgeschichte eintreten, in der sich virale Invasionen immer wieder ereignen und neue Logistiken gefragt sind. Das gemeinsame Erleben eines Opernabends fern einer Tonträgertechnik, sei es in Fellner & Helmer- Bauten, sei es in futuristischen Architekturen, war es ein zwischenzeitliches Ereignis in Hoch-Zeiten? „Klassik und Kultur in Zeiten der Krise: EINE NEUE ÄRA?“ weiterlesen

Was bewegt Klassikliebhaber angesichts von Krankheit und Tod? Teil 2: Die Oper nach Corona

Wiener Staatsoper, (c) M. Pöhn

Klassik und Kultur in Zeiten der Krise: Was bewegt Musikliebhaber angesichts von Krankheit und Tod?
Lesen Sie bitte, was die Wiener Opernenthusiasten Lothar und Sylvia Schweitzer bewegt – beide sind Autoren für klassik-begeistert.de .

von Lothar Schweitzer

Wir opfern keine Menschen. Wir werden hingegen aufgerufen Opfer zu bringen, Verzicht zu üben. Die Milliarden, die unserem (Staats)Haushalt fehlen, können nur mit Sparsamkeit und Zurückstecken liebgewordener Gewohnheiten hereingebracht werden. Jedes Ministerium muss seinen Beitrag leisten und jeder Minister („Diener“) läuft Gefahr, dass ihm vom Volk keine Kränze geflochten werden. Vielleicht von der Nachwelt. Das betrifft allerdings auch die nächstuntere Etage. Die neuen Direktoren der österreichischen Bundestheater, seien sie bereits im Amt oder knapp vor ihrem Antritt, stehen vor einer schweren Aufgabe. Was an Einsparungen biete ich als meinen sozialen Beitrag? Welche Einschränkungen muss ich als Opernliebhaber mittragen? „Was bewegt Klassikliebhaber angesichts von Krankheit und Tod? Teil 2
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Ritterbands Klassikwelt 10: "Alles Virus!" – Tod und Musik

Dieser Beitrag von Autor Dr. Charles E. Ritterband (Isle of Wight) erschien zuerst bei klassik-begeistert.de am 19. März 2020. Einen Tag später erschien er online im Feuilleton einer der wichtigsten Zeitungen der westlichen Hemnisphäre: der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Wir bringen ihn deshalb noch einmal.

https://www.nzz.ch/feuilleton/alles-virus-opern-als-therapie-und-krankheitsgeschichte-ld.1547627

Jeder von uns ist irgendwie von der Corona-Krise betroffen. Mir folgte die Virus-Welle wie ein Gespenst. Es begann damit, dass ich fünf Opern in vier italienischen Städten – Mailand, Venedig, Bologna, Turin – anschaute und für klassik-begeistert.de rezensierte. In Venedig, wo gerade der Karneval dem Höhepunkt entgegenstrebte, herrschte bei strahlendem Sonnenschein fröhliches Maskentreiben. Ich sah dort „Elisir d’Amore“ – nach meiner Abreise schloss das Teatro La Fenice die Tore. Kurz darauf war ich an der Scala, „Turco in Italia“. Hinter mir schlossen sich die Tore des weltberühmten Opernhauses. Letzte Woche war ich in der Wiener Staatsoper: „Turandot“. Es sollte die letzte Vorstellung des Hauses am Ring sein … wohl für lange Zeit.

… So haben der Hauch des Todes, die Angst und die allgemeine Ungewissheit angesichts der rasend schnellen Verbreitung des Virus einen auf den ersten Blick unerwarteten Effekt: Es verstummt nicht die Musik, es breitet sich nicht tödliche Stille über die Welt.

von Charles E. Ritterband

„Alles Walzer!“ – noch haben wir ihn im Ohr, den rituellen Ruf an jedem der zahllosen Wiener Bälle, der, nach den Darbietungen der Debütantenpaare und der Balletttänzer, die Tanzfläche für das Publikum öffnet: Mit einem Walzer, vorzugsweise dem Donauwalzer. Längst sind die Tanzparkette leer, und mit ihnen sämtliche Kultureinrichtungen der Donaumetropole und aller anderen Städte. Statt „Alles Walzer!“: „Alles Virus“.

Humor und Musik statt tödlicher Stille

Das Virus beherrscht sämtliche Medien und alle Gespräche der Mitmenschen. Es macht Angst, evoziert archaische Todesängste – aber zugleich gibt es eine Gegenreaktion: Humor, schwarzer Humor natürlich, Galgenhumor. Und: Musik. Sie erklingt als Serenade von italienischen Fenstern und Balkonen, in Wiener Hinterhöfen und von den Apartment-Hochhäusern in Tel Aviv, die zu riesigen, improvisierten Party-Schauplätzen geworden sind. Sie tönt uns aus Laptops und Fernsehgeräten entgegen – denn die großen Opernhäuser der Welt bieten jetzt tägliche, kostenlose Streaming-Programme ihrer Opernrepertoires an: eine hervorragende Idee, denn wenn schon die Menschen nun plötzlich per Gesetz gezwungen werden, zu Hause zu bleiben, soll sich dieses Zuhause zu einer von hunderttausenden, ja Millionen von Opernlogen weltweit verwandeln. „Ritterbands Klassikwelt 10: „Alles Virus!“ – Tod und Musik“ weiterlesen

Was bewegt Musiker angesichts von Krankheit und Tod? Teil 1: Corona - oder: Wie über uns die Bombe kam

Klassik und Kultur in Zeiten der Krise: Was bewegt Musiker angesichts von Krankheit und Tod?

„Wenn irgendjemand auf der Suche nach einem Halt in heutiger Zeit sein sollte, nach einem Anker, der das Schiff in aufgewirbeltem Strom sicher hält und diesen für Gott hält – er wird ihn in der Musik, im gemeinschaftlichen Gesang finden.“

Foto: Symphonischer Chor Hamburg © Jutta Schwolow

Der Apotheker Wilfried Feldhusen, 57, aus Wingst (Niedersachsen) ist ein profilierter Chorsänger. Der Bass – er fing im 5. Lebensjahr mit dem Chorsingen an – singt im Symphonischen Chor Hamburg und in Chören der St.-Petri-Kirche in Cuxhaven. Wilfried Feldhusen  spielt auch auf höchstem Niveau Posaune, etwas Klavier und widmet sich als Imker mit Herz und Blut seinen Bienen sowie dem Zeichnen und Malen. Lesen Sie bitte seine Corona-Impressionen.

von Wilfried Feldhusen, Wingst (Niedersachsen)

Ein Tag jagt den anderen. Im Zeitraffer verläuft Vergangenheit als Wechsel zwischen Dunkel und Hell, Jahreszeiten mit Kälte oder sommerlicher Trockenheit. Irgendwie sollte es weitergehen, trotz Klimawandels, trotz politischen Gewitters um medienwirksame Vorteilsnahme, Flüchtlingskrise und Generationenkonflikt – uns geht es doch gut, dem Exportweltmeister, dem wirtschaftlichen Garanten unter allen europäischen Nationen; dem Problemlöser und sozialkompetentem Schwert jeden gordischen Knoten zu zerschlagen… und nun?

Eine gefühlte Smogwolke gleich dem Nebel über London scheinen Ausgelassenheit, gesellschaftliche Freude und Besorgnislosigkeit zu stigmatisieren. Die frühlingshaften Effloreszenzen der Kirschblüten und der Kamelienblüten sind wie der Zuckerrand eines Aperitifglases im vereisten Schockzustand. Der Atem stockt, das Herunterschlucken ist gelähmt, ein hochfrequenter Ton untermalt jegliche akustische Wahrnehmungen, imaginäre x-ray durch Nanoteilchen in Braunscher Molekularbewegung. Sie diffundieren im zur Verfügung stehenden Raum – der Raum sind auch wir.

Angst geht um. Das Kaninchen verharrt in Schockstarre vor der Schlange. Sechzig Prozent Durchseuchung – wir schaffen das?

Vielleicht versterben drei bis fünf Prozent von uns allen, das hieße, dass wir uns im Symphonischen Chor Hamburg von sechs Chorschwestern und Chorbrüdern trennten?

Wilfried Feldhusen, Apotheker und Musiker aus Wingst (Niedersachsen)

Es ist so wie beim Untergang der Titanic: Das Orchester spielt das „Say GoodBye“, während die dem Schicksal des Untergangs Geweihten den eisigen Fluten überlassen werden und in der unendlichen Tiefe der nächtlichen See versinken.

Es ist vorbei – wie heißt es in „Nänie“ von Johannes Brahms zum Tode seines befreundeten Malers Anselm Feuerbach – “auch das Schöne muss sterben.“

Deutlich wie lange nicht mehr zuvor wird uns die Endlichkeit menschlicher Existenz unmissverständlich und drastisch vor Augen geführt. Da beruhigt nicht der Entfernung vorgaukelnde Schleier des Internets oder des „Fernsehens“ – wir sind „dran“.

Und die Musik? Vermag sie uns zu helfen, nicht nur als ein verzweifelter Aufschrei, die entfesselte Seele aus tiefer Not zu befreien?

Nein: die Musik macht uns zu wahren Menschen. Sie setzt uns ein Zeichen. Wir gehören zusammen in der Begeisterung für die klassische Musik von Bach, Beethoven und vielen anderen bedeutungsschweren Schöpfern überirdischer Schönheit wie auch für die Moderne…

„Klassik und Kultur in Zeiten der Krise: Was bewegt Musiker angesichts von Krankheit und Tod? Wilfried Feldhusen
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Der Coronavirus bedroht freischaffende Künstler in ihrer Existenz

Wien, 23. März 2020
Foto: Wotan, Tomasz Koniezcny, in „Das Rheingold“ an der Wiener Staatsoper, Michael Pöhn (c)

von Herbert Hiess

Die gegenwärtige Corona-Krise bedeutet nicht nur eine akute gesundheitliche Bedrohung der Menschheit, sondern auch eine exorbitante existenzielle Bedrohung der freischaffenden Künstler. Viele werden bei längerer  Dauer der Krise regelrecht daran zerbrechen.

Aber auch für die Kulturinstitutionen (Veranstalter, Opernhäuser, Orchester) ist diese Krise eine brutale Belastungsprobe.

Deswegen suchen viele der Institutionen die Social Media, um so einerseits irgendwie das Publikum zu erreichen und vielleicht auch mittels Zuwendungen nicht allzu viel Geld zu verlieren. „Corona bedroht freischaffende Künstler / Notprogramm in Netz
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