Meine Lieblingsmusik 31: Zeitgemäße Musik – der Soundtrack zur Krise (III): WAHNSINN!

Jetzt sollen wir also wieder richtig raus – die Wirtschaft ankurbeln. Viele gehen es vorsichtig an, tragen Maske und halten Abstand. Andere drängeln sich in den Geschäften, als herrschte wegen der paar Wochen Shoppingpause größte Not und gähnende Leere in den Schränken. Und dann gibt’s Menschen, die sehr laut sehr seltsame Dinge sagen. Zeit für ein paar passende Songs.

von Gabriele Lange

Happy days are here again…?

I’m going slightly mad, Queen

“I’m knitting with only one needle
Unraveling fast, it’s true
I’m driving only three wheels these day
But my dear, how about you?
I’m going slightly mad…”

Kurz bevor er an der letzten großen Seuche starb, die auch die wohlhabenden Länder erfasste, sang Freddie Mercury, schmal geworden, die Spuren der Krankheit überschminkt, aber mit ungebrochenem Charisma, leiser als früher, aber immer noch kraftvoll: „I’m going slightly mad“. Den Song fühle ich gerade. Denn wir leben in einem irritierenden Zwischenzustand. In den USA, in Russland, in vielen Ländern weltweit wütet das Virus mit ungebremster Kraft. Hier aber tun die meisten so, als wäre wieder alles ganz normal, stürmen Bau- und Elektromärkte und können es nicht abwarten, sich Haare und Nägel machen zu lassen. So als sei das Virus besiegt. Happy days are here again? Da können Wissenschaftler renommierter Institute noch so deutlich warnen – Priorität hat, dass es wieder Fußball gibt und man bald wieder im Wirtshaus hocken kann. Spinn ich? „Meine Lieblingsmusik 31: Zeitgemäße Musik – der Soundtrack zur Krise (III): WAHNSINN!“ weiterlesen

Wenn Philharmoniker in der Schwimmhalle gastieren

Bild: Philharmonisches Staatsorchester Hamburg auf Youtube

von Guido Marquardt

Ein leises Blubbern und Gluckern von der Ablaufrinne. Eine unberührte, spiegelglatte, blaue Wasserfläche: So hat wohl kaum ein Hamburger je die riesige Alster-Schwimmhalle erlebt. Man nennt sie ja auch „Schwimm-Oper“. Und so gehört sie zu den Orten, an denen sich Ensemblemitglieder der Hamburgischen Staatsoper und des Philharmonischen Staatsorchesters derzeit in Minimalbesetzung einfinden. Minus mal minus ergibt bekanntlich plus: Vielleicht ist es diese Logik, nach der die aktuell nicht live erlebbare Musik an nicht besuchbaren Orten gastiert, um daraus Videos und Streams zu erstellen, die eine bittersüße Mischung aus Trost und Sehnsuchtserweckung liefern. „Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Dongwon Kang, Christian Seibold,
Alster-Schwimmhalle“
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Schneller, höher, weiter

Rekorde in der Corona-Zeit: Gute-Laune-Tipps für Klassik-Fans – Teil 3

von Reinhard Berger

Hundert Meter in 9,58 Sekunden. Zu Fuß! Schneller als Usain Bolt ist nie ein Mensch gelaufen. Mag sein, aber nur, wenn Sie noch nie Lang Lang, Evgeny Kissin und Friedrich Gulda gehört haben. Diese Pianisten toppen jeden Rekord – mit den Fingern! Heute geht es um „Höher, weiter, schneller“, Rekorde in der Musik, die nicht unter dem olympischen Gedanken stehen.

Schweißtreibend

Selten treibt es mir als Zuhörer den Schweiß auf die Stirn. Aber wenn ich Emma Kirkby höre, verkrampfe ich und denke: Bitte halt durch! Und sie hält durch. Nie zuvor habe ich einen Menschen so schnell und präzise singen hören wie diese Barock-Sopranistin, die einst Schullehrerin war und als Hobby in einem Chor sang. Später stieg sie bei der Umfrage „Die größten Sopranistinnen“ in die Liga von Maria Callas auf. Ihre Koloraturen (schnelle Läufe) zum Beispiel in Händels „Gloria“ sind nicht zu übertreffen, im Schlusssatz „Cum Sancto Spiritu“ rast sie jedem Lautsprecher davon.

The Artistry of Emma Kirkby, 4 CDs mit Höhepunkten der Barockmusik, BIS, 2009. „Rekorde in der Corona-Zeit: Gute-Laune-Tipps für Klassik-Fans – Teil 3
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Wenn Tasten hüpfen, hüpft das Herz

Heiteres in der Corona-Zeit: Gute-Laune-Tipps für Klassik-Fans – Teil 2

von Reinhard Berger

Wie viel wiegt eigentlich eine Beethoven-Sinfonie? Zwei Pfund? Zehn Kilo oder gar einen Zentner? Manche Leute sagen, klassische Musik sei schwere Musik. Dieses Vorurteil werde ich widerlegen und Ihnen die Leichtigkeit, die Fröhlichkeit, die Unbekümmertheit der Musik nahebringen. Aus meinem Klassikarchiv habe ich Heiteres ausgesucht, das die Seele streichelt und in den harten Zeiten der Coronakrise Optimismus verbreitet. „Heiteres in der Corona-Zeit: Gute-Laune-Tipps für Klassik-Fans – Teil 2
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Wenn Komponisten Spaß haben

Heiteres in der Corona-Krisenzeit: Gute-Laune-Tipps für Klassikfans – Teil 1

von Reinhard Berger
(Text und Foto)

Wie viel wiegt eigentlich eine Beethoven-Sinfonie? Zwei Pfund? Zehn Kilo oder gar einen Zentner? Manche Leute sagen, klassische Musik sei schwere Musik. Dieses Vorurteil werde ich widerlegen und Ihnen die Leichtigkeit, die Fröhlichkeit, die Unbekümmertheit der Musik nahe bringen. Aus meinem Klassikarchiv habe ich Heiteres ausgesucht, das die Seele streichelt und in den harten Zeiten der Coronakrise Optimismus verbreitet. „Heiteres in der Corona-Krisenzeit: Gute-Laune-Tipps für Klassikfans – Teil 1
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Leseempfehlungen von klassik-begeistert.de

„Denn Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere eigentliche innere Überlebensfähigkeit sichert.“
(Richard von Weizsäcker, 1991)

Nachfolgend empfiehlt klassik-begeistert.de – dank Anregung durch den Dirigenten Hansjörg Albrecht (Foto, wikipedia.de) – aktuelle Artikel aus Tagesspiegel, FAZ und STERN – denn es geht auch um unseren Fortbestand und unsere Wirkungsmöglichkeiten. „Kultur in der Krise: Leseempfehlungen von klassik-begeistert.de“ weiterlesen

Álfheiður Erla Guðmundsdóttir im Hauskonzert: Man hört einen jugendlichen, doch schon sehr ausgeglichenen Sopran mit viel Substanz, der sowohl strahlen als auch mit feinfühliger Lyrik verzaubern kann.

Das Liedduo Álfheiður Erla Guðmundsdóttir und Kunal Lyhiry für 9,99 Euro im Internet

Lieder von Edvard Grieg, Franz Schubert, Robert Schumann und Richard Strauss

Leise und in lyrischer Zartheit gestaltet stillt „Morgen“ die derzeit so übergroße Sehnsucht nach tröstlichen Tönen. Am Ende stimmt es mich froh, dass ich für diese bereichernde Kostprobe allerfeinster Liedkunst auch einen Obolus für die herausragende Leistung der jungen Künstler entrichten konnte. Ich bin überzeugt, dass Álfheiður Erla Guðmundsdóttir als „Rising Star“ im Opern- und Konzertbereich in Erscheinung treten und Kunal Lahiry sich weiterhin als Liedduo- und Kammermusikpartner bewähren wird. Bereits im September 2019 war die Isländerin in der Staatsoper Unter den Linden in Berlin dreimal als Papagena in Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Zauberflöte“ aufgetreten.

Photocredit: Hjördís Jónsdóttir (c)

von Dr. Lorenz Kerscher

Die derzeitige Krise bringt es mit sich, dass dem vielversprechenden Musikernachwuchs die am Beginn der Karriere ohnehin bescheidenen Einnahmen wegbrechen. Wenn ich mir das vor Augen führe, benutze ich die zahlreichen kostenlosen Streamingangebote derzeit nur mit schlechtem Gewissen. Deshalb freue ich mich sehr, dass der israelische Flötist und Videoproduzent Yoél Culiner ein Portal mit Bezahlfunktion zugunsten junger Talente eingerichtet hat. Er war mir schon bekannt durch hervorragende Aufzeichnungen schöner Produktionen der Israeli Opera Tel-Aviv, die einige Zeit lang in Youtube verfügbar waren. Mit seinem neuen Projekt will er nun jungen Künstlern ein Einkommen ermöglichen und produziert dafür Videoaufnahmen auf hohem technischem Niveau.

Also zahlte ich gerne 9,99 € für ein gut halbstündiges Hauskonzert mit der  isländischen Sopranistin Álfheiður Erla Guðmundsdóttir, 26, die mich schon mit einigen Videos in Youtube beeindruckt hatte, und mit ihrem amerikanischen Klavierpartner Kunal Lahiry. Zugänglich ist dieses Angebot über den Link https://de.comecloser.cc/alfheidur, wo man sich registrieren oder einfach über Facebook einloggen und mit Kreditkarte oder PayPal bezahlen kann. Anschließend kann man das Hauskonzert über einen beliebigen Zeitraum erleben, sooft man möchte. „Álfheiður Erla Guðmundsdóttir im Hauskonzert
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Leben in Zeiten der Krise: Karfreitag ohne Zauber?

von Dr. Andreas Ströbl

Foto: Stefan Vladar, (c) Lukas Beck

Ebensowenig wirksam wie Kundrys Balsam aus Arabia gegen Amfortas´ Leiden ist bislang jeder verfügbare Impfstoff gegen das, was unser Leben spätestens seit Mitte März bestimmt und wirklich jede Nachrichtensendung dominiert. Gegen die Traurigkeit, was wir an Opern und Konzerten, auf die wir uns oft monatelang gefreut haben, nicht erleben können, hilft nur bedingt die Hoffnung, dass es irgendwann im Laufe des Sommers vielleicht wieder einen normalen Kulturbetrieb geben wird. Wie das Beethoven-Jahr weitergeht, ob das Schleswig-Holstein Musik Festival wie geplant stattfinden kann, was aus den Musikfestspielen Mecklenburg-Vorpommern wird – all das steht in Sternen, über die nicht mal ein Horoskop vage Auskunft zu geben vermag. Ostern ohne „Parsifal“ ist wirklich schon herb genug, und an einen Sommer ohne Bayreuth mag man am liebsten gar nicht denken. „Leben in Zeiten der Krise: Karfreitag ohne Zauber?
Musik- und Kongresshalle Lübeck“
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Meine Lieblingsmusik, Teil 4: Zeitgemäße Musik – Der Soundtrack zur Krise (I)

Da sitzen wir nun in unseren Wohnungen. Gucken oder lesen manisch Nachrichten. Oder versuchen uns davon abzuschotten. Möchten raus und trauen uns fast nicht. Wir hocken aufeinander. Oder wir sind allein. Auf jeden Fall werden die Nerven langsam dünn. Zeit für ein paar passende Songs.

von Gabriele Lange

Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens…

Himmelblau, Die Ärzte, 2007

Der Himmel ist blau
Und der Rest deines Lebens liegt vor dir
Vielleicht wäre es schlau
Dich ein letztes Mal umzusehen
Du weißt nicht genau warum
Aber irgendwie packt
Dich die Neugier
Der Himmel ist blau
Und der Rest deines Lebens wird schön!

Farin Urlaub von der nach eigener Aussage – und der Meinung vieler Fans – „besten Band der Welt“ hat hier einen Text voller Optimismus geschrieben. Egal, wie es im Moment aussieht: Es ist dein Tag. Es ist dein Leben. Mach was draus. Auch wenn’s vielleicht gerade nicht so toll läuft. Das Video dazu ist eine echte Überraschung. Es geht um Alter, um Hilflosigkeit, um Tod. Und vor allem um unerschütterliche Lebensfreude. „Und du weißt, es wird gut für dich ausgehen!“ „Meine Lieblingsmusik, Teil 4: Zeitgemäße Musik – Der Soundtrack zur Krise (I)“ weiterlesen

Mehr als „Die Moldau“ und „Carmen“: Radio-Entdeckungen im Netz

von Dr. Andreas Ströbl

In den Zeiten der globalen Eremitage erleben wir alle eine neue mediale Abhängigkeit und selbst Wertkonservative trauen sich kaum mehr, ihren Kindern zu erklären, dass diese längst armselige Knechte einer krakenartigen Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik geworden sind, wenn selbst der Gang vom Esstisch zum Sofa nicht ohne süchtigen Blick auf das Gerät möglich ist. Man könnte ja was verpassen in diesen Sekunden. Aber das ist eben nur die eine Seite.

Foto: wikipedia.de (c)
„Radio-Entdeckungen im Netz
klassik-begeistert.de“
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