Wenn Philharmoniker in der Schwimmhalle gastieren

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Dongwon Kang, Christian Seibold,  Alster-Schwimmhalle

Bild: Philharmonisches Staatsorchester Hamburg auf Youtube

von Guido Marquardt

Ein leises Blubbern und Gluckern von der Ablaufrinne. Eine unberührte, spiegelglatte, blaue Wasserfläche: So hat wohl kaum ein Hamburger je die riesige Alster-Schwimmhalle erlebt. Man nennt sie ja auch „Schwimm-Oper“. Und so gehört sie zu den Orten, an denen sich Ensemblemitglieder der Hamburgischen Staatsoper und des Philharmonischen Staatsorchesters derzeit in Minimalbesetzung einfinden. Minus mal minus ergibt bekanntlich plus: Vielleicht ist es diese Logik, nach der die aktuell nicht live erlebbare Musik an nicht besuchbaren Orten gastiert, um daraus Videos und Streams zu erstellen, die eine bittersüße Mischung aus Trost und Sehnsuchtserweckung liefern.

Da gibt zum Beispiel Dongwon Kang die berühmte Arie des Cavaradossi aus „Tosca“ („E lucevan le stelle“) zum Besten, nur begleitet von Christian Seibold an der Klarinette.

„In dieser Ausnahmezeit möchten wir als Orchester der Hansestadt die Orte musikalisch ins Gedächtnis der Menschen bringen, die wir alle seit Wochen so sehr vermissen“, so Orchestervorstand Thomas Rühl. Orchesterintendant Georges Delnon ergänzt: „Gemeinsam mit den Institutionen, die auch erst lernen müssen, ohne den direkten Austausch mit Publikum umzugehen, wollen wir diese Zeit musikalisch bereichern.“ Neben der Alster-Schwimmhalle kommen da etwa Kinos und Kneipen ins Spiel, aber auch inhaltlich naheliegende Institutionen wie der Musikkindergarten und das KomponistenQuartier.

Kulturelle Teilhabe unter besonderen Bedingungen

Zur Teilhabe des Publikums greift das Orchester auf seine digitalen Kanäle und die sozialen Medien zurück. Die entsprechenden Videos unter dem Motto „Junge, komm‘ bald wieder“ gibt es digital auf www.staatsorchester-hamburg.de bzw. auf den sozialen Kanälen der Philharmoniker wie YouTube, Facebook, Twitter und Instagram.

Auch offline ist das Orchester aktiv: Mitglieder des Orchesters besuchen gezielt Senioren- und Pflegeheime für musikalische Grußbotschaften an all die, deren gesellschaftliche Teilhabe gerade ganz besonders eingeschränkt ist. „Philharmoniker to go“ lautet der Titel dieses Projekts, in dem kleine Formationen unter strenger Einhaltung von Abstands- und Kontaktbeschränkungsregeln zumindest für einen kurzen Augenblick Kultur zurück in den Alltag bringen. Unter der Email-Adresse können sich interessierte Institutionen melden.

Hamburger Philharmoniker besuchen ein Seniorenheim. Foto: Claudia Höhne

Außerdem ist das Philharmonische Staatsorchester im Streaming-Angebot der Staatsoper Hamburg zu erleben. Hierbei werden auch die Archive geöffnet und ältere Inszenierungen aus der legendären Liebermann-Intendantenzeit zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen unter www.staatsoper-hamburg.de.

Guido Marquardt, 10. Mai 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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