Benamor – eine fulminante Zarzuela begeistert im MusikTheater an der Wien

BENAMOR Pablo Luna  MusikTheater an der Wien, 7. Februar 2026

Foto: Benamor (c) Monika Rittershaus

Dem Theater an der Wien ist es in einer fulminanten, witzigen, farbenprächtigen und musikalisch überragenden Produktion gelungen, das spanische Temperament auf die Bühne des besten Wiener Musiktheaters zu transferieren. Das begeisterte Publikum dankte es Sängern, Orchester und Regie mit lang anhaltenden „Standing Ovations“.

BENAMOR
Pablo Luna

Opereta in drei Akten
Libretto von Antonio Paso und Ricardo González del Toro
Österreichische Erstaufführung

Mit Marina Monzó, Federico Fiorio, Milagros Martín, David Alegret, David Oller usw.

Bühne: Herbert Murauer
Kostüm: Barbara Drosihn
Choreografie: Javier Perez

Arnold Schoenberg Chor
ORF Radio-Symphonieorchester Wien

Dirigent: José Miguel Pérez-Sierra

Regie: Christof Loy

Musiktheater an der Wien, 7.Februar 2026

von Dr. Charles E. Ritterband

Die Zarzuela „Benamor“ – eine köstliche Parodie auf den modischen europäischen Orientalismus feierte in dem vor Lebenslust und kulturellen Ereignissen überquellenden Madrid der „Roaring Twenties“ gewaltige Erfolge.

Jede Musiknummer musste nach der Uraufführung im Madrider Teatro de la Zarzuela nochmals dargeboten werden, sodass die Aufführungen oft bis drei Uhr morgens dauerten.

Der Regisseur Christof Loy stieß ein knappes Jahrhundert nach der Uraufführung in eben den Madrider Teatro de la Zarzuela auf dieses Werk, dass man ohne Übertreibung als die erfolgreichste Zarzuela aller Zeiten einstufen darf. Es basiert auf der komplexesten Partitur des Komponisten Pablo Luna, der es hier verstanden hatte, spanische Musikstile mit den damals aktuellen Modetänzen.

Benamor (c) Monika Rittershaus

Die in einem fiktiven Persien angesiedelte Geschichte von Benamor entspringt der Fantasie; es geht um erotisch prickelnden (und heute durchaus aktuellen) Geschlechtertausch – die Prinzessin ist in Wirklichkeit ein Prinz und der junge Sultan in Wahrheit eine Frau. Übrigens in perfekt geglättetem Wohlklang vom hoch talentierten italienischen Sopranisten Federico Fiorio als makellose Frauenstimme dargeboten, sodass im Publikum mehr als einmal die Frage aufgeworfen wurde, ob es beim Sänger des Dario wohl tastsächlich um eine Frau oder doch um einen Mann handle. Auflösung: ein hoch begabter Sopranist…

Ausnahmslos einen Hochgenuss und technische Perfektion boten sämtliche Sängerinnen und Sänger, und wie immer boten sowohl der Haus-Chor, der Arnold Schönberg Chor und das ORF Radio-Symphonieorchester unter der souveränen, aufgrund seiner Herkunft in der spanischen Kultur verwurzelten Stabführung von Jose Miguel Perez-Sierra glanzvolle Höchstleistungen.

Mit glasklarer, starker Stimme in perfektem Wohlklang die Prinzessin Benamor der Sopranistin Marina Monzo. Der überragende Bariton David Oller brachte den spanischen Abenteurer Juan de Leon als kraftvoller, maskuliner Verführer auf die Bühne; seine langen Solo-Arien waren ein Hochgenuss.

Benamor (c) Monika Rittershaus

Pantea, verkörpert von der spanischen Sopranistin Milagros Martin – die Mutter von Benamor und Dario, welche ihre beiden Kinder vor der gesetzlich vorgeschriebenen Enthauptung bewahrte, indem sie das Mädchen als Knaben Dario und den Knaben Benamor als Mädchen aufzog – fungierte als Erzählerin, welche dem Publikum zu Beginn die ebenso komplexe wie merkwürdige Handlung darzulegen hatte.

Eine authentische Figur, denn diese Funktion hatte sie bereits bei der Uraufführung vor mehr als einem Jahrhundert…

Benamor (c) Monika Rittershaus

Dem Theater an der Wien ist es in einer fulminanten, witzigen, farbenprächtigen und musikalisch überragenden Produktion gelungen, das spanische Temperament auf die Bühne des besten Wiener Musiktheaters zu transferieren. Das begeisterte Publikum dankte es Sängern, Orchester und Regie mit lang anhaltenden „Standing Ovations“.

Dr. Charles E.  Ritterband, 10. Februar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Pablo Luna, Benamor MusikTheater an der Wien, 1. Februar 2026

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