Guggeis lässt die Frankfurter Museumslöwen kräftig brüllen

© Diana Hillesheim

Dieses Konzert war großes Kino für die Ohren, präsentiert von Musikern, die sichtlich Freude an der Herausforderung hatten. Ein Abend, der noch lange nachklingen wird, so wie der letzte Beckenschlag von Jürgen Friedel, der wie ein Schimmer über dem Parkett hängen blieb.

Peter Eötvös
„Speaking Drums“ – Vier Gedichte von Jayadeva und Sándor Weöres für Solo-Schlagzeug und Orchester

Mahler Gustav
Sinfonie Nr. 5 cis-moll

Alexej Gerassimez, Schlagzeug

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Thomas Guggeis, musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, 20. April 2026

von Dirk Schauß

Der Abend in der Alten Oper versprach einen Parforceritt durch die Extreme der Klangkunst, und wer am 20. April den Weg in den Großen Saal fand, wurde Zeugnis einer Darbietung, die sich gewaschen hatte.

Thomas Guggeis dirigierte mit einer Präzision, die mancher Schweizer Uhr gut zu Gesicht stünde, ohne dabei den emotionalen Zugriff zu opfern. Den Auftakt machte ein Werk, das den Begriff Schlagfertigkeit auf eine völlig neue Stufe hob. „Alexej Gerassimez Schlagzeug, Thomas Guggeis Dirigent
Alte Oper Frankfurt, 20. April 2026“
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Shokhakimov bürstet die Klassiker auf Hochglanz

Aziz Shokhakimov © Mischa Blank

Nur 24 Stunden nachdem das traditionsreiche Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia mit einem leidenschaftslosen, blutarmen Vortrag die Frankfurter Erwartungen merklich abgekühlt hatte, drehte das Blatt in der Alten Oper mit erfreulicher Geschwindigkeit.

Am Sonntagabend präsentierte das Orchestre Philharmonique de Strasbourg unter Aziz Shokhakimov einen Konzertabend, bei dem man sein kritisches Besteck getrost gegen ein Glas Elsässer Riesling eintauschen durfte.

Maurice Ravel: Le Tombeau de Couperin

Edward Elgar: Violoncellokonzert e-Moll op. 85
Piotr Iljitsch Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36

Orchestre Philharmonique de Strasbourg

Anastasia Kobekina, Violoncello
Aziz Shokhakimov, musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, 19. April 2026

von Dirk Schauß

Auf dem Papier versprach die Besetzung bereits die ideale Versöhnung: die neoklassische Kühle Maurice Ravels mit der schwülen Tragik Piotr Iljitsch Tschaikowskys, erdend flankiert von Edward Elgars spätromantischem Schwanengesang. Und sie hielt dieses Versprechen – mit Glanz. „Orchestre Philharmonique de Strasbourg, Aziz Shokhakimov
Alte Oper Frankfurt, 19. April 2026“
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Daniel Harding bleibt bei Brahms auf der Strecke

Daniel Harding © Kia Pasqualini (Accademia Nazionale di Santa Cecilia)

Es gibt Abende in der Alten Oper, an denen man sich fragt, ob man versehentlich im Proberaum eines homöopathischen Instituts gelandet ist statt in einem der bedeutendsten Konzertsäle Europas. Was sich am 18. April 2026 in Frankfurt abspielte, war keine Interpretation von Johannes Brahms’ erstem Klavierkonzert, sondern dessen chirurgische Entkernung.

Johannes Brahms
Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll op. 15

Edward Elgar

Enigma-Variationen op. 36

Igor Levit, Klavier

Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia
Daniel Harding, musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, 18. April 2026

von Dirk Schauß

Dass das Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia zu den herausragenden Ensembles Italiens zählt, blieb an diesem Abend eine bloße Information aus dem Programmheft. Unter Daniel Harding wurde das Orchester bei Johannes Brahms in eine Zwangsjacke aus Askese und radikalem Dynamikverzicht gezwängt – eine Darbietung, die fast schon wie Sabotage eines Monumentalwerks wirkte. „Igor Levit, Brahms und Elgar
Alte Oper Frankfurt, 18. April 2026“
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Mahler im Glanzbad – Altinoglus schöne Neunte begeistert

Alain Altinoglu © HR/PhotoWerK 

Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 9 D-Dur

hr-Sinfonieorchester
Alain Altinoglu, musikalische Leitung

hr-Sinfonieorchester

Alte Oper Frankfurt, 20. März 2026

von Dirk Schauß

Wer am 20. März 2026 den großen Saal der Alten Oper Frankfurt betrat, wusste um die Fallhöhe. Gustav Mahlers Neunte ist kein Konzertstück wie jedes andere, sondern ein existenzieller Grenzgang, ein Abschiedsbrief in Tönen, der den Hörer eigentlich gezeichnet zurücklassen sollte. Das hr-Sinfonieorchester unter Alain Altinoglu erreichte an diesem Abend eine beeindruckende klangliche Geschlossenheit – und genau darin liegt die Crux dieser Interpretation: Wie viel ästhetischer Glanz verträgt eine Musik, die aus Zerfall und Todesangst geboren wurde? „Alain Altinoglu, hr-Sinfonieorchester, Gustav Mahler 9
Alte Oper Frankfurt, 20. März 2026“
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Maximilian Haberstock erobert mit 97 Musikern die Alte Oper

© Bela Raba

Manchmal gibt es diese raren Abende – wie Dienstag, 18. März in der Alten Oper Frankfurt –, an denen die herkömmlichen Maßstäbe der Musikkritik bereits nach den ersten Takten wie mürbes Holz zerbrechen.

Richard Wagner
Vorspiel zu „Die Meistersinger von Nürnberg“

Franz Liszt
Klavierkonzert Nr. 2 A-Dur

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67

Maxim Lando, Klavier

Junges Philharmonisches Orchester München
Maximilian Haberstock, Leitung

Alte Oper, 18. März 2026


von Dirk Schauß

Was sich dort am Pult und auf den Stühlen abspielte, war der vorläufige Höhepunkt eines außergewöhnlichen Projekts: das Junge Philharmonische Orchester München (JPOM), 2023 von Maximilian Haberstock gegründet – der 2004 geborene Münchner Dirigent, Pianist und Komponist, der bereits als Kind dirigierte und von Mariss Jansons von 2015 bis zu dessen Tod 2019 intensiv als Mentor gefördert wurde. „Maximilian Haberstock JPMO, Maxim Lando, Klavier
Alte Oper, Frankfurt, 18. März 2026“
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Maximilian Haberstock: Auf Furtwänglers Spuren – das weckt große Erwartungen

JPOM,  Maximilian Haberstock © Bela Raba

Richard Wagner: Vorspiel zu „Die Meistersinger von Nünrberg“
Franz Liszt: Klavierkonzert Nr. 2 A-Dur
Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 5 op. 67

Junges Philharmonisches Orchester München

Maxim Lando, Klavier
Maximilian Haberstock, musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, 18. März 2026

von Kirsten Liese

Zahlreiche Jungdirigenten wie Klaus Mäkelä (30), Patrick Hahn (30), Thomas Guggeis (33) oder Tarmo Peltokoski (25) stehen derzeit hoch in Kurs.Noch jünger, international noch weniger bekannt, aber ein aus meiner Sicht noch größeres Ausnahmetalent ist Maximilian Haberstock. Gerade einmal 21 Jahre alt ist der gebürtige Münchner, der in seinem ganzen Auftreten wie aus einer längst vergangenen Zeit wirkt. Erhaben über modische Trends, etwa Mozart, Beethoven und sogar Wagner im sogenannten Originalklang historischer Aufführungspraxis erkunden zu wollen, steht sein Musikerleben in einer fast vergessenen Tradition, die von Wilhelm Furtwängler bis zu Christian Thielemann reicht.

Zumindest war das der Eindruck eines Konzerts in der Alten Oper Frankfurt, auf der Haberstock mit dem von ihm gegründeten Jungen Philharmonischen Orchester München innerhalb einer kleinen Tournee Station machte. „Maximilian Haberstock JPOM, Maxim Lando, Klavier
Alte Oper Frankfurt, 18. März 2026“
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Guggeis zerlegt die Pastorale und entzündet Bernsteins Age of Anxiety

© Diana Hillesheim

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 6 F-Dur „Pastorale“ op. 68

Leonard Bernstein: Sinfonie Nr. 2 „The Age of Anxiety“

Solist: Kirill Gerstein, Klavier

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Thomas Guggeis, musikalische Leitung

7. Museumskonzert , Alte Oper Frankfurt, 9. März 2026

von Dirk Schauß

Es ist ein gewagter Spagat, den Thomas Guggeis am Montagabend in der Alten Oper Frankfurt wagt: Er spannt den Bogen von der idyllischen Naturflucht eines Ludwig van Beethoven hin zur urbanen Existenzangst eines Leonard Bernstein. Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester folgt ihm dabei in eine klangliche Welt, die zwischen mikroskopischer Präzision und rauschhafter Ekstase changiert. „Kirill Gerstein, Klavier Frankfurter Opern- und Museumsorchester Thomas Guggeis
Alte Oper Frankfurt, 9. März 2026“
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Farbenrausch und Feuer: Bruce Liu & CBSO entfesseln Tschaikowsky

Bruce Liu © Andreas Etter/Pro Arte Frankfurt

William Walton
„Orb and Sceptre“

Pjotr I. Tschaikowsky: Klavierkonzert Nr. 1 b-moll op. 23

Modest Mussorgsky: „Bilder einer Ausstellung“ in der Orchesterfassung von Maurice Ravel

Bruce Liu, Klavier

City of Birmingham Symphony Orchestra (CBSO)
Kazuki Yamada, musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, 8. März 2026

von Dirk Schauß

Am Sonntagabend, 8. März 2026, war die Alte Oper Frankfurt gut gefüllt – und die Vorfreude auf Bruce Liu und das City of Birmingham Symphony Orchestra unter Kazuki Yamada spürbar. Der in Paris geborene, in Kanada aufgewachsene Pianist, der seinen Namen mit einer Martial-Arts-Legende teilt und privat leidenschaftlich Kart fährt, hat in kürzester Zeit eine ganz eigene Welt erobert. In ihm verschmelzen scheinbare Gegensätze: konfuzianische und taoistische Wurzeln mit einer tiefen Verbundenheit zur europäischen Romantik. Zusammen mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra unter Kazuki Yamada zeigte er an diesem Abend, wie französische Anschlagseleganz und russische emotionale Wucht zu einer packenden Einheit werden können. „William Walton, Orb and Sceptre, CBSO, Kazuki Yamada
Alte Oper Frankfurt, 8. März 2026“
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Fabelhafte Doppelbegabung– Szeps-Znaider begeistert als Solist und Dirigent

Znaider © Lars Gundersen, Orchester © hr/Ben Knabe

Nikolaj Szeps-Znaider hat an diesem Abend gezeigt, dass wahre künstlerische Größe dort entsteht, wo das Bekannte immer wieder neu hinterfragt wird. Seine „Zweigleisigkeit“ als Violinist und Dirigent ist kein Kompromiss, sondern eine Notwendigkeit, um die volle Bandbreite der Musik auszuloten. Ein bejubeltes Konzert, das noch lange nachhallen wird.

Unsuk Chin: „subito con forza“
Max Bruch: Violinkonzert Nr. 1 g-Moll op. 26
Antonín Dvořák: Sinfonie Nr. 7 d-Moll op. 70

hr-Sinfonieorchester
Nikolaj Szeps-Znaider, Violine und musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, 6. März 2026

von Dirk Schauß

Es gibt Abende, an denen die Trennung zwischen Podium und Pult nicht nur aufgehoben, sondern als künstliches Konstrukt entlarvt wird. Nikolaj Szeps-Znaider gehört zu den wenigen Künstlern, denen dies gelingt, ohne in bloße Effekthascherei abzugleiten. „hr-Sinfonieorchester, Nikolaj Szeps-Znaider, Violine und musikalische Leitung
Alte Oper Frankfurt, 6. März 2026“
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Hingabe pur: Anne-Sophie Mutter verzaubert mit dem London Philharmonic

Anne-Sophie Mutter © Jürgen Carle

Es gibt Abende in der Alten Oper, da spürt man schon beim Betreten des Saals eine besondere Erwartung. Vielleicht liegt es daran, dass man zwei Musikerinnen erwartete, die zwar unterschiedlichen Generationen angehören, aber denselben unbedingten Willen zur künstlerischen Wahrheit teilen. Wenn Anne-Sophie Mutter, die seit nunmehr fünf Jahrzehnten die Geigenwelt anführt, und die US-amerikanische Dirigentin Karina Canellakis erstmals gemeinsam auf Tournee gehen, dann ist das kein bloßes Schaulaufen des Veranstalters. Es ist eine Begegnung auf Augenhöhe, die den Staub von den Partituren klopft, ohne deren Würde zu verletzen.

Jean Sibelius Tapiolas Tochter op. 49
Pjotr Iljitsch Tschaikowskys  Violinkonzert D-Dur op. 35
Ludwig van Beethoven  Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92

Anne-Sophie Mutter, Violine

London Philharmonic Orchestra
Karina Canellakis, musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, 27. Februar 2026

von Dirk Schauß

Dass das London Philharmonic Orchestra (LPO) unter Canellakis den Abend mit Jean Sibelius’ „Pohjolas Tochter“ eröffnete, war ein kluger, programmatischer Schachzug. Das Stück ist in unseren Breitengraden immer noch ein Geheimtipp, dabei steckt es voller erzählerischer Urgewalt. Um die Musik zu verstehen, hilft ein Blick in das finnische Nationalepos Kalevala: Der alte, mächtige Zauberer Väinämöinen sieht auf seiner Heimreise die Tochter des Nordens auf einem Regenbogen sitzen. Sie ist wunderschön, aber von einer kühlen Arroganz. Sie fordert Unmögliches von ihm – etwa, ein Boot aus den winzigen Splittern ihrer Spindel zu zimmern. Der stolze Zauberer scheitert an dieser Aufgabe, verletzt sich und zieht beschämt in die Einsamkeit von dannen. „Anne-Sophie Mutter, Violine, LPO, Karina Canellakis, musikalische Leitung
Alte Oper Frankfurt, 27. Februar 2026 “
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