Fabelhafte Doppelbegabung– Szeps-Znaider begeistert als Solist und Dirigent

Znaider © Lars Gundersen, Orchester © hr/Ben Knabe

Nikolaj Szeps-Znaider hat an diesem Abend gezeigt, dass wahre künstlerische Größe dort entsteht, wo das Bekannte immer wieder neu hinterfragt wird. Seine „Zweigleisigkeit“ als Violinist und Dirigent ist kein Kompromiss, sondern eine Notwendigkeit, um die volle Bandbreite der Musik auszuloten. Ein bejubeltes Konzert, das noch lange nachhallen wird.

Unsuk Chin: „subito con forza“
Max Bruch: Violinkonzert Nr. 1 g-Moll op. 26
Antonín Dvořák: Sinfonie Nr. 7 d-Moll op. 70

hr-Sinfonieorchester
Nikolaj Szeps-Znaider, Violine und musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, 6. März 2026

von Dirk Schauß

Es gibt Abende, an denen die Trennung zwischen Podium und Pult nicht nur aufgehoben, sondern als künstliches Konstrukt entlarvt wird. Nikolaj Szeps-Znaider gehört zu den wenigen Künstlern, denen dies gelingt, ohne in bloße Effekthascherei abzugleiten. „hr-Sinfonieorchester, Nikolaj Szeps-Znaider, Violine und musikalische Leitung
Alte Oper Frankfurt, 6. März 2026“
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Hingabe pur: Anne-Sophie Mutter verzaubert mit dem London Philharmonic

Anne-Sophie Mutter © Jürgen Carle

Es gibt Abende in der Alten Oper, da spürt man schon beim Betreten des Saals eine besondere Erwartung. Vielleicht liegt es daran, dass man zwei Musikerinnen erwartete, die zwar unterschiedlichen Generationen angehören, aber denselben unbedingten Willen zur künstlerischen Wahrheit teilen. Wenn Anne-Sophie Mutter, die seit nunmehr fünf Jahrzehnten die Geigenwelt anführt, und die US-amerikanische Dirigentin Karina Canellakis erstmals gemeinsam auf Tournee gehen, dann ist das kein bloßes Schaulaufen des Veranstalters. Es ist eine Begegnung auf Augenhöhe, die den Staub von den Partituren klopft, ohne deren Würde zu verletzen.

Jean Sibelius Tapiolas Tochter op. 49
Pjotr Iljitsch Tschaikowskys  Violinkonzert D-Dur op. 35
Ludwig van Beethoven  Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92

Anne-Sophie Mutter, Violine

London Philharmonic Orchestra
Karina Canellakis, musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, 27. Februar 2026

von Dirk Schauß

Dass das London Philharmonic Orchestra (LPO) unter Canellakis den Abend mit Jean Sibelius’ „Pohjolas Tochter“ eröffnete, war ein kluger, programmatischer Schachzug. Das Stück ist in unseren Breitengraden immer noch ein Geheimtipp, dabei steckt es voller erzählerischer Urgewalt. Um die Musik zu verstehen, hilft ein Blick in das finnische Nationalepos Kalevala: Der alte, mächtige Zauberer Väinämöinen sieht auf seiner Heimreise die Tochter des Nordens auf einem Regenbogen sitzen. Sie ist wunderschön, aber von einer kühlen Arroganz. Sie fordert Unmögliches von ihm – etwa, ein Boot aus den winzigen Splittern ihrer Spindel zu zimmern. Der stolze Zauberer scheitert an dieser Aufgabe, verletzt sich und zieht beschämt in die Einsamkeit von dannen. „Anne-Sophie Mutter, Violine, LPO, Karina Canellakis, musikalische Leitung
Alte Oper Frankfurt, 27. Februar 2026 “
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Wiener Klangkultur: solide bis engagiert, aber nicht ohne Trübung

Fotos © Alte Oper Frankfurt/Tibor-Florestan Pluto

Richard Strauss Also sprach Zarathustra op. 30
Jean Sibelius Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 43

Wiener Philharmoniker
Andris Nelsons, musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, 24. Februar 2026

von Dirk Schauß

Es gibt Momente in der Musikgeschichte, die an ihrem Entstehungsort eine ganz eigene, geradezu physisch greifbare Elektrizität entwickeln sollten. Als Richard Strauss’ Tondichtung Also sprach Zarathustra am 27. November 1896 in Frankfurt am Main uraufgeführt wurde, provozierte sie ein Beben zwischen skandalöser Modernität und sakralem Staunen. Knapp 130 Jahre später kehrten die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Andris Nelsons mit diesem Monumentalwerk an seinen Geburtsort zurück. Doch was als triumphale Heimkehr geplant war, entpuppte sich als eine Interpretation, die zwar von orchestraler Überlegenheit kündete, aber Fragen nach Balance und interpretatorischer Tiefe aufwarf. „Wiener Philharmoniker, Andris Nelsons, Strauss und Sibelius
Alte Oper Frankfurt, 24. Februar 2026“
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Das Frankfurter Museumsorchester seziert das Schicksalsjahr 1938

Fotos © Diana Hillesheim

Elsa Barraine
Sinfonie Nr. 2

Erich Wolfgang Korngold
Violinkonzert D-Dur op. 35

Dmitri Schostakowitsch
Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47

Elias David Moncado, Violine

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Thomas Guggeis, musikalische Leitung

6. Museumskonzert, Alte Oper Frankfurt, 9. Februar 2026

von Dirk Schauß

Das Jahr 1938 markiert eine Zäsur, die sich wie ein tiefer Riss durch die europäische Kulturgeschichte zieht. In der Alten Oper Frankfurt wurde dieses Schicksalsjahr nun zum Gegenstand einer musikalischen Tiefenbohrung. Das 6. Sinfoniekonzert des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters unter der Leitung von Generalmusikdirektor Thomas Guggeis war kein gewöhnlicher Konzertabend, sondern eine klangliche Rekonstruktion einer Welt im Umbruch. Zwischen dem Vorabend des Krieges in Frankreich, dem schillernden Exil in Hollywood und dem tödlichen Schweigen unter Stalin entfaltete sich ein Panorama, das von den Musikern und ihrem Dirigenten höchste Wachsamkeit forderte. „6. Museumskonzert, Schicksalsjahr 1938
Alte Oper Frankfurt, 9. Februar 2026“
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Musik als Hoffnungsträger: Kian Soltani  lässt das Cello singen – und Mahler strahlt

Kian Soltani © Marco Borggreve

Dieser Abend zeigte, was möglich ist, wenn Neugier, Können und Vertrauen zusammenfinden. Kian Soltani überzeugte als Solist mit innerer Haltung. Cristian Măcelaru bewies seine besondere Nähe zu Mahler und zum Orchester. Und das WDR Sinfonieorchester Köln spielte mit einer herrlichen Hingabe, die ansteckte. Musik kann die Welt nicht verändern. Aber sie kann für ein paar Stunden zeigen, wie sie sein könnte.

Pjotr I. Tschaikowsky – Nocturne d-Moll CS 349 für Violoncello und Orchester, Bearbeitung des Nocturne cis-Moll op. 19,4 CS 115 (1873)

Pjotr I. Tschaikowsky – Variationen über ein Rokoko-Thema A-Dur op. 33 CS 59 für Violoncello und Orchester

Gustav Mahler – Sinfonie Nr. 5 in cis-Moll (1904)

Kian Soltani, Solist

WDR Sinfonieorchester
Cristian Măcelaru, Dirigent

Alte Oper Frankfurt, 28. Januar 2026

von Dirk Schauß

Es gibt Konzertabende, die mehr wollen, als ein Programm korrekt abzuspielen. Abende, die innere Prozesse sichtbar machen, ästhetische Haltungen offenlegen und Persönlichkeiten sprechen lassen. Dieser gehörte dazu. In der Alten Oper Frankfurt verbanden sich russische Spätromantik und sinfonischer Aufbruch, intime Rentabilität und orchestrale Wucht. Das WDR Sinfonieorchester Köln unter Cristian Măcelaru begegnete mit Kian Soltani einem Solisten, der Musik nicht ausstellt, sondern befragt. Tschaikowsky und Mahler erschienen dabei nicht als historische Monumente, sondern als Suchende. „Kian Soltani, Solist, WDR Sinfonieorchester, Cristian Măcelaru
Alte Oper Frankfurt, 28. Januar 2026“
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Rouvali entfacht nordische Feuer in Frankfurter Nacht

© Alte Oper Frankfurt/Tibor-Florestan Pluto

Dieser Abend war mehr als ein Konzert; er war eine humane Feier der Musik, die verbindet, heilt und zum Schmunzeln bringt. Baeva und Rouvali, unterstützt vom wunderbaren Philharmonia Orchestra, zeigten, dass Klassik lebendig ist – mit Herz, Humor und ein bisschen Magie. Frankfurt wird das so schnell nicht vergessen.

Jean Sibelius
En Saga op. 9

Sergej Prokofjew
Violinkonzert Nr. 2 g-Moll op. 63

Sergej Rachmaninow
Sinfonische Tänze op. 45

Philharmonia Orchestra

Alena Baeva, Violine (anstelle von Hilary Hahn)
Santtu-Matias Rouvali, musikalische Leitung

Konzert in der Alten Oper Frankfurt, 25. Januar 2026

von Dirk Schauß

In einer Welt, in der Konzerte manchmal wie Wettervorhersagen unvorhersehbar sind – mal sonnig, mal stürmisch –, hat das legendäre Philharmonia Orchestra unter Santtu-Matias Rouvali in der Alten Oper Frankfurt am 25. Januar 2026 ein wahres musikalisches Feuerwerk gezündet. „Philharmonia Orchestra, Alena Baeva, Violine, Santtu-Matias Rouvali, Dirigat
Alte Oper Frankfurt, 25. Januar 2026“
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Alterslos am Pult: Marek Janowski dirigiert (vielleicht) letztmalig in Frankfurt

© Diana Hillesheim

Felix Mendelssohn Bartholdy
Konzert für Violine und Orchester e-moll op. 64

Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 7 E-Dur

Arabella Steinbacher, Violine

Marek Janowski, musikalische Leitung
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Konzert in der Alten Oper Frankfurt, 19. Januar 2026

von Dirk Schauß

Der 19. Januar 2026 in der Alten Oper Frankfurt markierte möglicherweise das Ende einer Ära. Marek Janowski, geboren am 18. Februar 1939 in Warschau, fast 87 Jahre alt und einer der letzten großen Vertreter der klassischen deutschen Dirigentenschule, kehrte zum Frankfurter Opern- und Museumsorchester zurück – sehr wahrscheinlich zum letzten Mal. „Frankfurter Opern- und Museumsorchester, Marek Janowski
Alte Oper Frankfurt, 19. Januar 2026“
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Vertrauen erklingt: Joshua Bell und die Academy zaubern Harmonie in Krisenzeiten

Joshua Bell © Phillipp Knott und © Alte Oper Frankfurt/Tibor-Florestan Pluto

Kevin Puts
Earth

Johannes Brahms
Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 77

Robert Schumann
Sinfonie Nr. 1 op. 38 „Frühlingssinfonie“

Academy of St Martin in the Fields
Joshua Bell, Violine & musikalische Leitung

Gastspiel in der Alten Oper Frankfurt, 17. Januar 2026

von Dirk Schauß

Ein Konzert kann gelingen, weil alles bis ins kleinste Detail präzise geplant ist. Oder weil die Menschen auf der Bühne einander einfach blind verstehen.

Dieser Abend in der Alten Oper Frankfurt gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie. Joshua Bell und die Academy of St Martin in the Fields musizierten nicht nebeneinander, sondern wirklich miteinander, getragen von einer Vertrautheit, die sich nicht einfach herstellen lässt, sondern über Jahre wächst. „Academy of St Martin in the Fields, Joshua Bell, Violine & musikalische Leitung
Alte Oper Frankfurt, 17. Januar 2026“
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Sie setzt auf Präzision und große Formen: Anja Bihlmaier dirigiert das Museumskonzert in Frankfurt

Fotos © Diana Hillesheim

Grazyna Bacewicz  Konzert für Streichorchester
Sergej Prokofjew  Klavierkonzert Nr. 2 g-Moll op. 16
Piotr Iljitsch Tschaikowsky  Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64

Behzod Abduraimov, Klavier

Anja Bihlmaier, Leitung
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Alte Oper Frankfurt, 15. Dezember 2025

von Dirk Schauß

Manchmal sagt das erste Werk eines Konzertabends mehr über dessen Haltung aus als jedes Programmheft. Das Museumskonzert in der Alten Oper Frankfurt begann mit Grażyna Bacewicz’ „Konzert für Streichorchester“ und setzte damit ein klares Signal.
Keine gefällige Ouvertüre, kein romantisches Einrichten der Hörgewohnheiten, sondern ein konzentriertes, kantiges Stück Musik des 20. Jahrhunderts. „Anja Bihlmaier, Leitung, Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Alte Oper Frankfurt, 15. Dezember 2025“
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Wenn Ligurien auf Hollywood trifft

Fotos © Andreas Etter / Pro Arte Frankfurt

Edward Elgar
„In the South“ op. 50

Camille Saint-Saëns
Cellokonzert Nr. 1 in a-Moll op. 33

Sergej Rachmaninow
Sinfonie Nr. 3 in a-Moll op. 44

Raphaela Gromes, Violoncello

London Philharmonic Orchestra
Edward Gardner, musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, Frankfurt, 2. Dezember 2025

von Dirk Schauß

Manchmal schreibt der Zufall die schönsten Geschichten. Als Sheku Kanneh-Mason sein Gastspiel in der Alten Oper absagen musste – eine Handverletzung zwingt ihn bis Jahresende zur Pause –, sprang Raphaela Gromes ein. Wer sie erst am Samstag zuvor in Bad Vilbel mit Elgars Cellokonzert erlebt hatte, rieb sich verwundert die Augen: Gromes und Elgar, schon wieder und doch anders! Denn Elgar gab es diesmal vom Orchester alleine und Gromes stellte sich diesmal mit Saint-Saëns vor. Welch glückliche Fügung, dass diese Cellistin nun auch bei diesem Programm zur Verfügung stand. „LPO Edward Gardner, Dirigent, Raphaela Gromes, Violoncello
Alte Oper Frankfurt, Frankfurt, 2. Dezember 2025“
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