CD/Blu-ray Besprechung:
Gaetano Donizetti
Maria Stuarda
Lisette Oropesa Maria
Aigul Akhmetshina Elisabeth
Ismael Jordi Roberto Leicester
David MCVicar Regie
José Miguel Pérez-Sierra Dirigent
Chor und Orchester des Teatro Real, Madrid
NBDO 192V
von Peter Sommeregger
Die mittlere der drei Opern, die der Komponist Donizetti englischen Königinnen gewidmet hatte, schildert die finale Phase des Lebens von Maria Stuart, der schottischen Königin. Eng verbunden ist deren Schicksal aber mit jenem der legendären Elisabeth I. von England.
Das Libretto dieser Oper gibt beiden rivalisierenden Monarchinnen reichlich Gelegenheit, sich auf der Bühne royal in Szene zu setzen. Historisch nicht ganz korrekt wird die schottische Maria zum Unschuldslamm stilisiert, und der Höhepunkt der Oper, das Aufeinandertreffen der beiden Königinnen, hat so nie stattgefunden.
Dramaturgisch ist es aber unverzichtbar, was bereits Friedrich Schiller wusste. Geschickt räumt das Libretto beiden Hauptrollen gerecht aufgeteilte Szenen im ersten Akt ein, der schließlich mit dem Eklat beim Zusammentreffen endet. Auch vor der finalen Szene, der Hinrichtung Marias, wird noch gerecht aufgeteilt, aber das buchstäblich letzte Wort behält Maria.
Dem Teatro Real in Madrid gelang es bei der Besetzung der Oper zwei ebenbürtige Sängerinnen zu verpflichten. Star der Produktion ist zwar Lisette Oropesa, aber die Mezzosopranistin Aigul Akhmetshina kann was Ausdruck und Qualität des Gesanges betrifft, durchaus mit ihr mithalten.
Ist Oropesas Maria geprägt von der feinen Phrasierungskunst der Sängerin, die ihr schönes, zartes Timbre technisch brillant durch die anspruchsvolle Partie führt, so ist Akhmetshina mit ihrem warmen, runden Mezzo, der durchaus auch zu dramatischen Steigerungen fähig ist, die ideale Gegenspielerin.
Neben den beiden haben es die übrigen Protagonisten schwer, aber Ismael Jordi kann als Leicester seinen lyrischen Tenor durchaus wohlklingend entfalten, auch der Talbot von Roberto Tagliavini kann mit rundem Bassbariton punkten. José Miguel Pérez-Sierra sorgt am Pult für den souveränen Ablauf, der vom Chor und Orchester des Teatro Real gewährleistet wird.
Die Regie von David McVicar, wie an diesem Haus üblich eine Co-Produktion mit anderen Bühnen, besticht durch Konzentration auf die Personenführung, die in allen Fällen glaubwürdig gelingt.
Auch die Kostüme von Brigitte Reiffenstuel und die Dekorationen von Hannah Postlethwaite sind geschmackvoll und stilsicher.
Es ist wohltuend, endlich wieder eine Oper in jener Form zu erleben, die von ihren Schöpfern gedacht war. Zeitliche und räumlich korrekte Verortung und glaubwürdige Personenführung, sowie vokale Glanzlichter machen diese Aufführung zu einem Labsal für Auge und Ohr.
Peter Sommeregger, 3. August 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Gaetano Donizetti, Maria Stuarda Hamburgische Staatsoper, 26. Februar 2026
Gaetano Donizetti, Maria Stuarda Hamburgische Staatsoper, 25. März 2025
Gaetano Donizetti, Maria Stuarda Hamburgische Staatsoper, 22. März 2025