„Ich bin hier und will weg, aber wohin?“ – Christoph Marthaler präsentiert „Die Unruhenden“ in Hamburg

Die Unruhenden, opera stabile © Monika Rittershaus

Ewig rastlos, nervös, getrieben, eben ein „Unruhender“ – so empfand Alma Mahler ihren Ehemann Gustav. Aber das dürfte jedem so gegangen sein, der ihm begegnete. Der Regisseur Christoph Marthaler greift diesen zentralen Wesenszug Mahlers auf und widmet ihm in der „opera stabile“, der Studiobühne der Staatsoper Hamburg, einen „Abend in Zimmerlautstärke“. Kann das funktionieren? Die Premiere am 15. Januar zumindest wurde vom Publikum begeistert gefeiert.

DIE UNRUHENDEN

Ein Abend in Zimmerlautstärke. Musiktheater von Christoph Marthaler mit Kompositionen von Gustav Mahler

Staatsoper Hamburg/opera stabile, 15. Januar 2026 PREMIERE

von Dr. Andreas Ströbl

Echter Marthaler in bester Tradition

Wann wohl die beiden jungen Matrosen auf dem Programmheft in der Aufführung vorkommen mochten, wird sich mancher gefragt haben; vielleicht gab es bereits die eine oder andere „Tod in Venedig“-Assoziation.

Aber die sympathischen Jungs in weiß-blau erschienen nicht. Macht nichts, Christoph Marthaler überrascht ohnehin seit Jahrzehnten. Und echte Liebhaber seiner eigenwilligen Inszenierungen rechnen ohnehin mit Brüchen, unerwarteten Assoziationen und Kombinationen von Ton und Text, Collagen aus verschiedensten Kunstrichtungen, Moden und Zeiten. „Die Unruhenden, Musiktheater von Christoph Marthaler
Staatsoper Hamburg/opera stabile, 15. Januar 2026 PREMIERE“
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Eine Drag-Queen steckt in jedem Charakter

Yeonjoo Katharina Jang, Mateusz Ługowski, Aaron Godfrey-Mayes, Grzegorz Pelutis © Jörg Landsberg

Reynaldo Hahn, „Ciboulette“ 
Staatsoper Hamburg, Opera Stabile,
7. Juli 2024

Musikalische Leitung: Nicolas André
Inszenierung: Sascha-Alexander Todtner
Bühne und Kostüme: Christoph Fischer
Musikalisches Arrangement: Johannes Harneit
Dramaturgie: Angela Beuerle

von Jolanta Łada-Zielke

Die Stimmung ist typisch Französisch: leicht, frivol, witzig und mit einer Prise faire l’amour.  In erster Linie gibt es dort hervorragende Anhänger der Gesangkunst, die sich mit jugendlichem Elan auf der Bühne agieren. Ihre in Meisterkursen sowie im örtlichen Studio ausgebildeten Stimmen klingen ziemlich reif.

Das mehr als ein Jahrhundert alte „Ciboulette“ ist eine Satire auf Rückständigkeit und kleinbürgerliche Moral. Der Regisseur Sascha-Alexander Todtner hat sie noch weiter geschärft: In seiner Interpretation hat jede Figur ihr Alter Ego in Form einer Drag-Queen.     „Reynaldo Hahn, Ciboulette
Staatsoper Hamburg, Opera Stabile, 7. Juli 2024 “
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