Ein Sängerpaar präsentiert im Teesalon der Wiener Volksoper eine „Weltpremiere“

Rebecca Nelsen © Christine Kaufmann 

Heines „Dichterliebe“ als „Poet’s Love“ zu Schumanns Musik

Wenn ein so besonderes Sängerpaar – die texanische Sopranistin und passionierte Dichterin Rebecca Nelsen und ihr Ehemann, der aus Dresden stammende Tenor Eric Stokloßa – zwar nicht auf der großen Bühne, dafür aber im charmanten Teesalon der Wiener Volksoper eine „Weltpremiere“ zelebrieren, dann sind die Erwartungen hoch: Und sie wurden nicht enttäuscht. „Heines „Dichterliebe“ als „Poet’s Love“ zu Schumanns Musik
Teesalon, Volksoper Wien“
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Nach fast einem Vierteljahrhundert begegneten wir wieder der Volksopern-„La Traviata“ am 28. März 2024

Wiener Staatsballett  © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

„Nachdem Giuseppe Verdi im Juli 1849 den Palazzo Dordoni-Vavalli in Busseto angemietet hatte, folgte Giuseppina Strepponi ihm im September. Die Sängerin hatte in Busseto keinen leichten Stand. Man schnitt sie und die Kirchenbank neben ihr blieb leer. Es gab auch Streit mit Verdis Vater. Nach weiteren Feindseligkeiten zogen sich der sechsunddreißigjährige Witwer Verdi und seine Lebensgefährtin auf das gekaufte Gut Sant’Agata zurück.“ Bei diesem Auszug aus dem Leben der Sängerin und späteren Gattin Verdis werden Szenen aus „La Traviata“ wach.  Den Winter 1851/52 verbrachte das Paar in Paris, wo sie Die Kameliendame von Alexandre Dumas auf der Bühne sahen und nachfühlen konnten.

La traviata
Oper von Giuseppe Verdi
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Volksoper Wien, 28. März 2024

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Die Wiener Volksoper kündigte für ihre Wiederaufnahme eine Reihe junger, dynamischer Sänger und Sängerinnen an. Sehr gute bis begeisterte Kritiken gingen ihnen voraus. Wir freuten uns auf Rebecca Nelsen, die wir als Konstanze in diesem Haus trotz nahezu unüberwindlicher Konkurrenz durch Lisette Oropesa an der Staatsoper in sehr guter Erinnerung behalten haben.

Schwelgen konnten wir anfangs nur bei ihren Aufschwüngen in die Höhe. Aber im letzten Akt verstand sie es, uns bei leiseren Tönen an ihrem Schicksal empfindsam teilnehmen zu lassen. Das alternative hohe Es als Krönung des 1. Akts scheint wieder außer Mode gekommen zu sein. „Giuseppe Verdi, La traviata
Volksoper Wien, 28. März 2024“
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„Jolanthe und der Nussknacker“ reloaded

Die Einspringerin Hedwig Ritter – Portraitstudio Wien Theresa Wey

Nach der 6. Vorstellung am 1. November 2022 nun die 18. Vorstellung am 20. Februar 2024. Diesmal hatte man nicht den Eindruck einer Familienvorstellung, sondern den einer Schülervorstellung. Eine inhaltlich nicht so leichte Kost, aber Tschaikowskis Musik wieder von Keren Kagarlitsky wunderschön geleitet.

Jolanthe und der Nussknacker
Musiktheater nach der Oper und dem Ballett von Peter Iljitsch Tschaikowski

Volksoper Wien, 20. Februar 2024

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Gleich zu Beginn gab es eine Überraschung. Die international erprobte Olesya Golovneva musste gemeinsam mit ihrem Cover krankheitshalber die Jolanthe absagen. Einspringerin am Pult an der Seite der Bühne war das junge Ensemblemitglied Hedwig Ritter. Es war ein schönes Erlebnis zu hören, wie sie mit laufender Bewältigung ihrer Aufgabe immer sicherer und souveräner sich anhörte, und wir hätten ihr einen Solo-Vorhang zum Schluss gegönnt bzw. hatten ihn eigentlich erwartet.

„Jolanthe und der Nussknacker, Oper und Ballett von Peter Iljitsch Tschaikowski
Volksoper Wien, 20. Februar 2024“
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Die West Side Gangs wirbeln in Wien über die Bühne der Volksoper

Die Volksoper hat mit dieser „West Side Story“ eine rundum geglückte Produktion auf die Bühne gebracht, musikalisch wie tänzerisch hörens- und sehenswert. Das Premierenpublikum dankte allen Mitwirkenden mit jubelndem Applaus. Es gibt noch knapp zwanzig Vorstellungen bis Ende März. Hingehen und genießen!

Ensemble West Side Story  © Marco Sommer/Volksoper Wien

„Somewhere, we’ll find a new way of living, we’ll find a way of forgiving, somewhere…“

„West Side Story“
Musik von Leonard Bernstein

Buch von Arthur Laurents
Gesangstexte von Stephen Sondheim
Deutsche Übersetzung der Dialoge von Marcel Prawy

Musikalische Leitung: Ben Glassberg
Regie: Lotte de Beer
Choreographie: Bryan Arias
Bühnenbild: Christof Hetzer
Kostüme: Jorine van Beek
Licht: Alex Brok

Sounddesign: Martin Lukesch

Orchester der Volksoper Wien

Wiener Volksoper, Premiere am 27. Jänner 2024

von Dr. Rudi Frühwirth

Nach langer, allzu langer Zeit hat die Volksoper Leonard Bernsteins „West Side Story“ wieder in ihren Spielplan aufgenommen, in einer neuen und absolut sehens- und hörenswerten Produktion. Im Jahr 1968 war hier die deutsche Erstaufführung zu bewundern, dank dem unermüdlichen Einsatz des damaligen Chefdramaturgen Marcel Prawy. Weitere Inszenierungen folgten 1982 und 2001. Und nun wirbeln endlich wieder die Jets und die Sharks über die Bühne.

„Leonard Bernstein, West Side Story
Wiener Volksoper, Premiere am 27. Jänner 2024“
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Die Wiener Volksoper fasziniert mit einer tiefgründigen Operetten-Revue zum Jahr 1938

„Lasst uns die Welt vergessen“ an der Volksoper Wien © Bárbara Palffy/Volksoper Wien

Das Jahr 1938 war für Österreich ein Schicksalsjahr – es verschwand nämlich von der Landkarte, und wo Österreich war, fand sich nur jetzt noch das „Großdeutsche Reich“, in welches Österreich durch Hitlers „Anschluss“ eingegliedert wurde.

Ein Schicksalsjahr für die Juden: Wiens Bevölkerung war zu zehn Prozent  jüdisch bzw. hatte jüdische Ursprünge – und das künstlerische Personal der Wiener Volksoper bestand zu einem großen Teil aus Juden (die sich dieser vom NS-Regime rassistisch definierten „Identität“ selbst oft kaum bewusst waren). Über Nacht verloren sie ihre Rollen, ihre Arbeit an der Volksoper, sie wurden ausgetauscht, kaltgestellt, vertrieben, gefoltert, ausgeraubt und dann zumeist in den des NS-Regimes ermordet.

Davon handelt diese faszinierende Revue – an der drei Jahre gearbeitet wurde – welche das düsterste Kapitel der Wiener Volksoper in brillanter, erschütternder und dennoch unterhaltsamer Weise aufgearbeitet hat. Die schon, wie der Titel verheißt, kitschig-seichte Operette „Gruß und Kuss aus der Wachau“ mit süßlich-pastelligen Prospekten, kontrastiert mit den raumfüllend projizierten Schwarzweiß-Originalfilmdokumenten aus dem Jahr 1938: frenetisch jubelnde Menschenmassen beim Einmarsch der deutschen Truppen, die berüchtigte Hitler Rede auf dem zum Bersten gefüllten Wiener Heldenplatz, am Ende die ausgemergelten KZ-Häftlinge.

Als Bühnenhintergrund vor ausfahrbaren Podesten, auf denen sich wie im Guckkasten die kontrastierenden Schicksale der Einzelnen abspielen, das Berliner Holocaust-Denkmal. Hervorragende musikalische und schauspielerische Leistungen, Standing Ovations des ebenso betroffenen wie begeisterten Wiener Publikums.

Und vielleicht das Beste, das ich je auf dieser Bühne sehen durfte.

„ Lass uns die Welt vergessen“ – Volksoper 1938,
Operette von Jara Beneš, Hugo Wiener, Kurt Breuer und Fritz Löhner-Beda,

Volksoper Wien, 10. Januar 2024, Welturaufführung. Auftragswerk zum 125. Geburtstag der Volksoper Wien

Musikalische Leitung: Keren Kagarlitsky
Inszenierung: Theu Boermans
Choreographie: Florian Hurler
Bühnenbild: Bernhard Hammer
Alexander Kowalewski: Marco Di Sapia
Hugo Wiener: Florian Carove
Fritz Löhner-Beda: Carsten Süss
Kurt Hesky: Jakob Semotan
Hulda Genn:  Johanna Arrouas
Bühnenmeister: Gerhard Ernst

Orchester der Volksoper Wien

von Dr. Charles E. Ritterband

Die Welt vergessen – oder auf der Bühne thematisieren? Und: Was würdest du tun? Das sind die beiden Grundfragen hinter dieser facettenreichen Produktion.

Ulrike Steinsky, Sebastian Reinthaller, Julia Koci Carste © Bárbara Palffy

Denn draußen jubeln die Massen den deutschen Invasoren begeistert zu, dringt zackige Marschmusik ins Theater und überlagert die harmlos-harmonischen Operettenklänge. Draußen spielt sich die brutale Erniedrigung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Wiens ab: Zehn Prozent, doch wie ein SA-Mann höhnisch in dem Stück bemerkt: „Die Wiener können eben nur bis neun zählen“. Die Bühnenfigur des Intendanten, Kowalewski, äußert die Überzeugung: „Solange sich draußen eine Tragödie vollzieht, bringen wir hier drinnen nur noch Komödie“ und der Regisseur Hesky doppelt nach „Wir machen Kunst, keine Propaganda!“ Doch der Scharfspieler Horst Jodl fordert im Gegenteil: „Was wir brauchen ist ein politisches Theater Komma das Stellung bezieht!“ „„Lass uns die Welt vergessen“ – Volksoper 1938
Volksoper Wien, 10. Januar 2024, Welturaufführung. Auftragswerk zum 125. Geburtstag der Volksoper Wien“
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Die Wiener Volksoper begeistert nach wie vor mit ihrer spritzigen „Cenerentola“

Wallis Giunta (Angelina, Cenerentola), Aaron Pendleton (Alidoro) © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Diese witzig-spritzige „Cenerentola“ des Multitalents Achim Freyer will man an der Wiener Volksoper noch oft und lange sehen! Nicht nur ist die Inszenierung Freyer köstlich, denn sie entspricht mit ihrem Humor und ihrem Einfallsreichtum so sehr dem Geist Rossinis – sie ist eine seiner drei erfolgreichsten und meistgespielten Opern – sämtliche Protagonisten bieten neben ihren gesanglichen komödiantische Qualitäten, welche diese Aufführung selbst 26 Jahre nach ihrer Premiere an der Volksoper in uneingeschränkter Frische sprühen lässt wie am ersten Tag.

Gioachino Rossini, La Cenerentola
Volksoper Wien, 27. September 2023

Musikalische Leitung: Tobias Wögerer
Regie: Achim Freyer

Don Ramiro Prinz von Salerno: Timothy Fallon
Kammerdiener Dandini: Modestas Sedlevičius
Don Magnifico: Martin Winkler                    Angelina (Cenerentola): Annelie Sophie Müller
Clorinda: Lauren Urquhart
Tisbe: Maria Hegele
Alidoro: Aaron Pendleton

Orchester, Chor, Komparserie der Volksoper

von Dr. Charles E. Ritterband

Für die komödiantische Brillanz gebührt Martin Winkler als Don Magnifico die Palme: Seine Komik ist umwerfend. Und stimmlich schafft es der amerikanische Tenor Timothy Fallon mit seinem herrlichen Belcanto, seinem zarten Schmelz und seinem kraftvollen Timbre die Herzen der Zuschauer zu bewegen. Köstlich auch die beiden eingebildeten Töchter des prätentiösen Barons Don Magnifico: Lauren Urquhart als Clorinda und Maria Hegele als Tisbe – die beiden wirken in ihren aufgeplusterten Kostümen in orangen und giftgrünen Bonbonfarben wie riesige Eislutscher. „Gioachino Rossini, La Cenerentola
Volksoper Wien, 27. September 2023“
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Mit der „Salome“ stößt die Volksoper Wien an ihre Grenzen

Omer Meir Wellber © Wilfried Hösl

„Sag beim Abschied leise Servus“, heißt es in einem bekannten deutschen Schlager. An der Volksoper Wien scheint Omer Meir Wellber die Devise von der anderen Seite aufzurollen – Ende des Jahres verlässt der Israeli ja das Haus und zieht als Generalmusikdirektor nach Hamburg: Teilweise schraubt er den Dezibelregler zu weit in die Höhe. In Summe verabsäumt er auch, aus der „Salome“-Partitur ein musikalisches Drama auf höchster Intensität zu formen. Der „Regieklassiker“ von Luc Bondy leistet da auch keine Hilfe.

Das Kernrepertoire der Volksoper Wien ist sicherlich anderswo angesiedelt. Operette, Musical und Klassiker wie Mozarts „Die Zauberflöte“ – damit hat man sich am Wiener Gürtel, der geografischen Lage des Hauses, ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen. Hochdramatisches Fach sollte man eher dem großen Bruder an der Wiener Ringstraße überlassen. Selbst der hat dort nämlich alle Hände voll damit zu tun.

Richard Strauss, Salome

Volksoper Wien, 15. September 2023

von Jürgen Pathy

Die „Salome“, das darf man durchaus als Königsdisziplin bezeichnen. Rund 100 (?) Orchestermusiker – der Graben in der Volksoper Wien platzt aus allen Nähten. Schon rund 20 Minuten vor dem offiziellem Start – für 19:00 Uhr ist der angesetzt – herrscht reges Treiben. Man spürt richtig die Verantwortung, die hier auf den Schultern aller lastet. An der Volksoper Wien hatte man die „Salome“ von Richard Strauss 1910 zur ersten Aufführung in Wien gebracht. Nachdem die geplante Uraufführung an der Hofoper Wien der Zensur zum Opfer gefallen ist – Dresden hatte 1905 den Zuschlag bekommen. Die Neueinstudierung (Marie-Louise Bondy) von Luc Bondys gefeierter Inszenierung erweist sich Freitagabend nun als zu großer Brocken.

„Richard Strauss, Salome
Volksoper Wien, 15. September 2023“
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„Die Entführung aus dem Serail“ – Ist diese Oper heute noch zu retten?

Stefan Cerny als Osmin mit Hedwig Ritter als Blonde  © Barbara Pálffy

Volksoper Wien, 20. Juni 2023


Die Entführung aus dem Serail
Oper von Wolfgang Amadeus Mozart

In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln


von Lothar und Sylvia Schweitzer

Wenn Bassa Selim im Osmanischen Reich nicht nur integriert, sondern auch assimiliert erscheint, bleibt die Frage, aus welchen unbewussten seelischen Vorgängen er seinen Entschluss zur Milde schöpft. In Mozarts Oper geht es einseitig ausschließlich um mögliche Ehen zwischen einem Moslem und einer Christin, die nach dem Koran Christin bleiben dürfte. Nicht behandelt wird der umgekehrte Fall. Der Mann muss aus Überzeugung zum Islam übertreten. Der Tiermediziner, Zoologe und Verhaltensforscher Bernhard Grzimek prägte den Satz: „Befriedung geschieht durch Vermischung.“ Die Bildung von Parallelgesellschaften bleibt also weiterhin ein Problem. In der Alternativ-Inszenierung an der Wiener Staatsoper sind die beiden Blonden nach alter Mode very british gekleidet, an der Wiener Volksoper ist die Zofe in Schwarz. Müsste sie nicht in Hot Pants auftreten und Osmin ihr eine Moralpredigt halten?

Der Regisseur Nurkan Erpulat © Barbara Pálffy

Der Regisseur Nurkan Erpulat oder die Dramaturgin Magdalena Hoisbauer geben den einzelnen Aufzügen Titeln und beginnt mit „Vor dem Tor“. Die Dynamik des ersten Akts besteht ja für Belmonte in der Schwierigkeit bei Selim Bassa vorstellig zu werden. Nurkan Erpulat ließ sich von türkischen Kaffeehäusern inspirieren, die sich nach außen hin mit Milchglasfenstern verbergen. Ja, seine assoziativen Gedanken schweifen noch weiter aus zu einem Türsteher mit Migrationshintergrund, der sich weder mit „draußen“ noch mit „drinnen“ zu identifizieren weiß.
„Die Entführung aus dem Serail, Oper von Wolfgang Amadeus Mozart
Volksoper Wien, 20. Juni 2023“
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„Martern aller Arten“ – fürs Publikum der Wiener Volksoper

Hedwig Ritter (Blonde), Stefan Cerny (Osmin) © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Mit „Martern aller Arten“ aller Arten droht bekanntlich der zwischen männlichen Trieben und nobler Zurückhaltung hin- und hergerissene Bassa Selim der Konstanze in Mozarts „Entführung aus dem Serail“. Doch in dieser Neuinszenierung der Volksoper Wien war es nicht die schöne Haremsfavoritin Konstanze, sondern das arme Publikum, das die angedrohten „Martern aller Arten“ über sich ergehen lassen musste.


Volksoper Wien, 17. Juni 2023

Wolfgang Amadeus Mozart
Die Entführung aus dem Serail

von Dr. Charles E. Ritterband (Text und Fotos)

Es war in der Tat kaum erträglich, als statt dem üblichen Happy End der Bassa an die Rampe trat und dem Publikum einen endlosen, dümmlich-belehrenden Vortrag hielt und diesem die Welt erklärte. Derartige Vorträge gab es zu Hauf in dieser großteils verunglückten Inszenierung: Auch Blondchen legt los mit kämpferischen Tiraden über Unterdrückung und Befreiung der Frau. Nach der Pause wird das Publikum (immerhin vereinzelte Lacher von ganz oben in der Galerie) mit einer mehr als dürftigen Zirkusclownnummer um die zwei zwecks Entführung herbeigeschafften Leitern gelangweilt, bevor der Zweite Akt endlich loslegen darf. Und das Allerschlimmste: Bassa Selims Soldateska, in tarnfarbiger Kampfuniform, mit Kalaschnikows im Anschlag – unmittelbar nach seinem unerträglich dummen Vortrag über die kolonialen Sünden der westlichen Welt (namentlich Englands als Sklavenhalternation). Wie das zusammenpassen soll, weiß der Geier – und vermutlich auch dieser nicht. Eine Beleidigung der Intelligenz des Publikums jedenfalls, und eine kaum erträgliche Geduldsprobe. „Wolfgang Amadeus Mozart, Die Entführung aus dem Serail
Volksoper Wien, 17. Juni 2023“
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Die "Musikstadt Hamburg" will hoch hinaus – leider dauert es noch etwas...

„Der Star des Abends war der Dirigent Omer Meir Wellber, designierter Musikdirektor der Volksoper Wien. Wellber ließ jede einzelne Note spürbar werden. Beide hochkomplexen Werke dirigierte er ohne Partitur und agierte dabei immer wieder wie ein Marathonläufer – mit ganz viel Bewegung und Emotionen. Es war intensiv spürbar, wie enthusiastisch und hingebungsvoll er seinem Beruf nachgeht; er trieb das Orchester zur Höchstleistung an.

JA! So macht Klassik Spaß!“

Andreas Schmidt, Herausgeber von klassik-begeistert.de, 20. Mai 2021, Wiener Konzerthaus

Wiener Konzerthaus, 20. Mai 2021
Wiener Symphoniker
Julian Rachlin, Violine
Omer Meir Wellber, Dirigent

Foto: W. Hösl ©

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Personalie

Omer Meir Wellber wird neuer Hamburgischer Generalmusikdirektor beim Philharmonischen Staatsorchester und Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Hamburgischen Staatsoper

Brosda: „Mit Wellber konnten wir eine herausragende Künstlerpersönlichkeit für die Kulturstadt Hamburg gewinnen.“

Der israelische Dirigent Omer Meir Wellber tritt am 1. August 2025 die Nachfolge von Kent Nagano als Hamburgischer Generalmusikdirektor beim Philharmonischen Staatsorchester und als Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Hamburgischen Staatsoper an. Der 41-jährige zählt international zu den gefragtesten Dirigenten. Wellber ist bis einschließlich August 2027 Musikdirektor der Volksoper Wien. Er ist derzeit Music Director des Teatro Massimo Palermo und künstlerischer Leiter des Toscanini Festivals. Als künstlerischer Leiter des Raanana Symphonette in seiner Heimat Israel engagiert sich Omer Meir Wellber seit fast 15 Jahren für Tradition und Musikvermittlung. Er war von 2018 bis 2022 Erster Gastdirigent der Semperoper Dresden und bis 2022 Chief Conductor des BBC Philharmonic. Zudem gastiert er weltweit bei renommierten Opernhäusern und Orchestern, unter anderem an der Bayerischen Staatsoper, der Metropolitan Opera, in der Arena di Verona, in La Fenice sowie mit dem Gewandhausorchester Leipzig, dem London Philharmonic Orchestra, dem Boston Symphony Orchestra, den Münchner Philharmonikern, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und dem Israel Philharmonic Orchestra. In der Saison 2018/19 stand er in der Elbphilharmonie beim NDR Elbphilharmonie Orchester am Pult und zuletzt gastierte er dort in einem umjubelten Konzert mit den Wiener Symphonikern. Omer Meir Wellber, geboren am 28. Oktober 1981 in Be’er Sheva, Israel, machte 1999 am Be’er Sheva Konservatorium seinen Abschluss in Komposition. Von 2000 bis 2008 studierte er zudem Dirigieren und Komposition an der Jerusalem Music Academy. Von 2008 bis 2010 war er Assistent von Daniel Barenboim an der Staatsoper Berlin und der Mailänder Scala. „Omer Meir Wellber wird neuer Hamburgischer Generalmusikdirektor
klassik-begeistert.de, 24. Februar 2023“
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