CD-Rezension: A new Path

CD-Rezension: Gabiz Reichert, Pianoklassik-begeistert.de

Die Einspielungen sind eine empfehlenswerte erste Visitenkarte eines ambitionierten Pianisten.

Haydn
Beethoven
Prokofiev

Gabiz Reichert, Piano

ARS 38 311

von Peter Sommeregger

Der junge Schweizer Pianist Gabiz Reichert widmet seine Debüt-CD Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven und Sergej Prokofiev. Er interpretiert jeweils eine Sonate jedes Komponisten, die für einen markanten Punkt in dessen musikalischer Entwicklung steht.

Bei Haydn steht die Sonate Hob XVI/52 für die kreative Londoner Zeit, und gehört zu den letzten drei in dieser Zeit entstandenen Sonaten. Gewidmet hat Haydn sie der aus Deutschland stammenden virtuosen Pianistin Therese Jansen (später Mrs. Bartolozzi) . Haydn nahm erfreut die schon fortgeschrittene Technik der englischen Klaviere zur Kenntnis und schöpfte mit den genannten Sonaten deren Möglichkeiten voll aus.

Beethovens Sonate op.26, entstanden im Jahr 1800, sieht den Komponisten an einem markanten Punkt seiner Entwicklung. Gewidmet ist sie dem Fürsten Lichnowsky, der zu den Förderern des Komponisten zählte. Sie steht für einen konzeptionellen Umbruch in Beethovens Klavierwerk und eine besonders kreative Phase insgesamt. Etwa zur gleichen Zeit entstand auch die erste Symphonie.

Prokofievs 5. Sonate hat eine eigene, komplizierte Geschichte. Der Komponist wollte damit seinem russischen Publikum seine Eindrücke von der Pariser Musikszene vermitteln, und scheiterte damit. Diese Sonate wurde als seine schlechteste bezeichnet und praktisch nie aufgeführt. Das nagte am Komponisten und dreißig Jahre später revidierte er das Werk unter einer neuen Opuszahl. Viel gespielt wird das interessante Werk trotzdem selten.

Gabiz Reichert hat die Auswahl dieser Sonaten unter dem Aspekt getroffen, dass sie für den Komponisten jeweils so etwas wie einen neuen Weg bedeutet hätten, so kam es zu dem Titel „A new Path“.

Reichert ist Träger verschiedener Preise, studiert hat er zuerst in seiner Heimatstadt Winterthur, später setzte er seine Studien in München an der Hochschule für Musik und Theater fort. Inzwischen konzertiert er in vielen Ländern Europas und hat sich bereits einen Namen gemacht.

Sein Spiel ist von großer technischer Brillanz geprägt. Sein sicheres Stilgefühl findet für alle drei Komponisten einen eigenen Zugang, stellt die individuelle Eigenart heraus.

Der Haydn wird perlend leichtfüßig genommen, aber durchaus mit der gebührenden Ernsthaftigkeit ausgestattet.

Der erheblich schwerer gewichtige Beethoven erfährt durch Reichert eine nachdenklich vertiefte Interpretation.

Besonders gut scheint dem Pianisten die polyphone Struktur der Prokofiev-Sonate zu liegen, das selten aufgenommene Stück ist in dieser Aufnahme also auch eine Bereicherung des Katalogs. Aufgenommen wurde die CD in der Wuppertaler Immanuelkirche, Gabiz Reichert spielt einen Bösendorfer-Flügel.

Die Einspielungen sind eine empfehlenswerte erste Visitenkarte eines ambitionierten Pianisten.

His playing is characterized by great technical brilliance. His sure sense of style finds its own approach for all three composers, brings out their individual character. The Haydn is taken light-footedly, but with due seriousness. The considerably heavier Beethoven is interpreted by Reichert with thoughtful depth. The polyphonic structure of the Prokofiev Sonata seems to suit the pianist particularly well, so this rarely recorded piece is also an enrichment of the catalog in this recording. The CD was recorded in the Immanuelkirche in Wuppertal, Gabiz Reichert plays a Bösendorfer grand piano.

The recordings are a recommendable first business card of an ambitious pianist.

Note 1

Peter Sommeregger, 23. Oktober 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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