Lisette Oropesas betörend schönes Debütalbum

CD-Rezension: Ombra Compagna. Mozart Concert Arias. Lisette Oropesa

Foto: © Steven Harris

CD-Rezension: Ombra Compagna. Mozart Concert Arias

Lisette Oropesa

Il Pomo d’Oro
Antonello Manacorda

Pentatone PTC 5186 885

von Peter Sommeregger

Die amerikanische Sopranistin mit kubanischen Wurzeln Lisette Oropesa verfügt über eine der derzeit schönsten lyrischen Sopranstimmen. Ein Album dieser inzwischen weltweit gefragten Künstlerin war bereits überfällig. Man ist beinahe erstaunt, dass sie es nicht mit Arien ihres Opernrepertoires bestreitet, sondern sich gleich die Königsklasse, nämlich Mozarts virtuose Konzertarien vornimmt.

Mozart hatte diese spätbarocken Prachtgebilde seinerzeit den „geläufigen Gurgeln“ bekannter und mit ihm befreundeter Sängerinnen passgenau in die Kehle geschrieben. Bis heute sind sie ein Prüfstein für die sängerische Eloquenz und technische Geläufigkeit einer Sopranstimme.

Um es vorwegzunehmen: Lisette Oropesa macht sich die zehn hier eingespielten Arien auf ganz persönliche Art zu eigen, findet ihren Zugang zu dieser Musik scheinbar mühelos.

Neben häufig gehörten Stücken wie „Bella mia fiamma“, „Vado, ma dove?“ und „Misera, dove son!“ finden sich auf der mit über 80 Minuten reichlich gefüllten CD auch seltener gehörte Arien, deren Dauer jene von Mozarts Opernarien teilweise deutlich überschreitet. Wahre Prunkgemälde sind „A Berenice – Sol nascente“ und „Ah, lo previdi!“.

 

Lisette Oropesas sehr heller, klarer Sopran ist auch in den tieferen Registern technisch sauber geführt und hat Substanz. Sie erfreut mit sorgfältiger Phrasierung, mit gut ausgeführten Trillern und einer betont schlank geführten Stimme.

In einigen der Arien kann man Anklänge an bestimmte Opernarien Mozarts entdecken, auch dieser geniale Komponist zitierte sich manchmal bewusst selbst. Abwechslungsreich sind die einzelnen Nummern allemal, es gibt darin viel Interessantes zu entdecken.

Begleitet wird Oropesa von dem Barockorchester Il Pomo d’Oro unter Antonello Manacorda. Damit stehen ihr höchst kompetente Spezialisten zur Seite, die zum authentischen Klangbild der CD beitragen. Eingespielt wurde das Album in der Himmelfahrtskirche in München im August 2020. Bald erhofft man sich von Lisette Oropesa auch ein Album mit Opernarien, aber das wird aufgrund des wachsenden Starruhms der Sängerin sicher nicht lange auf sich warten lassen!

Peter Sommeregger, 18. Mai 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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