Wagner-Régeny: ein fast vergessener Komponist

CD-Rezension: Rudolf Wagner-Régeny, „Genesis“

CD-Rezension: Rudolf Wagner-Régeny, „Genesis“
Capriccio C 5413

Rundfunkchor Berlin
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Johannes Kalitzke

von Peter Sommeregger

Der Name des rumäniendeutschen Komponisten Rudolf Wagner-Régeny sagt vielen Musikliebhabern der jüngeren Generation nicht mehr viel. Dabei waren seine Opern „Der Günstling“ und „Die Bürger von Calais“ jahrelang viel gespielt worden, auch seine letzte Oper „Das Bergwerk zu Falun“, uraufgeführt 1961 bei den Salzburger Festspielen, wurde zumindest bei der Kritik ein Erfolg. Obwohl Wagner-Régeny der SED ideologisch nicht nahe stand, blieb er bis zu seinem Tod Bürger der DDR, die ihm nebst vielen Auszeichnungen auch zu Ämtern im Musikbetrieb verhalf. So wurde er erst Professor, später Rektor der Musikhochschule Rostock, ehe er schließlich eine Professur an der Ost-Berliner Musikhochschule für Komposition annahm.

Sein Schaffen reichte aber weit über die Gattung Oper hinaus. Es ist zu begrüßen, dass das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin mit dieser CD-Einspielung auch selten gehörte Werke des Komponisten aus verschiedenen Schaffensperioden einem breiten Publikum nahebringen will.

Die „Orchestermusik mit Klavier“ von 1935, ein dreisätziges Werk, ist stilistisch an Strawinsky und Boris Blacher orientiert, trägt aber durchaus eine eigene erkennbare Handschrift. Steffen Schleiermacher am Klavier und dem Orchester gelingt eine schwungvolle Interpretation des originellen Stückes.

Die anderen auf der CD enthaltenen Kompositionen entstammen alle einer späteren Zeit, nämlich den 1950er Jahren. „Mythologische Figurinen“, ein kurzes dreiteiliges Orchesterwerk, und „Fünf Französische Klavierstücke“ wurden 1951 geschrieben und experimentieren mit Zwölftonreihen und anderen stilistischen Formen, ohne dabei aber atonal zu klingen.

Das titelgebende Werk der CD ist das 1955/56 entstandene Oratorium „Genesis“, eigentlich eine Mischung aus Oratorium und Kantate. In der weitgehend kirchenfeindlichen Stimmung der DDR bedeutete ein solches Werk eine gewisse Gratwanderung. Wagner-Régeny bedient sich hier einer eher zurückhaltenden musikalischen Sprache, zitiert stellenweise aus Chorälen. Die kleine Orchesterbesetzung erzeugt eine beinahe kammermusikalische Intimität, die jeden Bombast vermeidet. Die Altistin Michaela Selinger, der Rundfunkchor Berlin und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Johannes Kalitzke verleihen dem Werk die erforderliche interpretatorische Tiefe.

Insgesamt eine Veröffentlichung, die auf weitere Musik dieses Komponisten neugierig macht.

Peter Sommeregger, 7. Februar 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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