Alt aber gut: Die Wiederentdeckung einer "Zauberflöte"

CD-Rezension: W.A. Mozart Die Zauberflöte, Orchestre Philharmonique de Strasbourg, Alain Lombard

„Die Überraschung und Attraktion der Besetzung ist der Tamino von Peter Hofmann, der nach seinem Sensationserfolg als Siegmund in Patrice Chereaus Bayreuther Ring eine große Karriere begann. Den Tamino mit einem Heldentenor zu besetzen, war bis tief ins 20. Jahrhundert die Regel gewesen, wie stimmig und gut das klingt, kann man in dieser Aufnahme hören.“

CD-Rezension: W.A. Mozart Die Zauberflöte
DECCA 4855200

Orchestre Philharmonique de Strasbourg
Alain Lombard

von Peter Sommeregger

Man reibt sich die Augen: Eine Zauberflöten-Einspielung taucht wieder auf, die ursprünglich Ende der 1970er-Jahre beim Plattenlabel Barclay erschienen war. Tatsächlich erscheint sie nun nach über vierzig Jahren erstmals auf CD. Äußerer Anlass dürfte der 80. Geburtstag des Dirigenten Alain Lombard sein. Die Sängerbesetzung liest sich wie ein „who’s who“ der damaligen vokalen Prominenz. Manche Namen haben bis heute ihren Glanz nicht verloren. Umso erstaunlicher, dass man sich erst jetzt wieder auf diesen vergessenen Schatz besonnen hat.

Da ist etwa die glockenrein singende Kiri Te Kanawa als Pamina. Ihr gelingt eine Interpretation die nicht nur durch die Schönheit ihrer Stimme beeindruckt, sondern auch in der großen g-Moll-Arie tiefes Empfinden transportiert. Als „sternflammende“ Königin begegnet man der jungen Edita Gruberova, die damals noch am Anfang ihrer großen internationalen Karriere stand und Mozarts „höllisches Kickericki“ virtuos abliefert.

Kathleen Battle kann trotz der Kürze der Partie der Papagena gefallen, auch die drei Damen sind mit Helena Döse, Ann Murray und Naoko Ihara vortrefflich besetzt.

Nicht weniger erlesen ist die Besetzung der männlichen Partien. Kurt Moll, später für viele Jahre der Sarastro vom Dienst, ist auch hier bereits ein perfekter väterlicher Priester. Philippe Huttenlocher versucht erst gar nicht, als Papageno ein wienerisches Element einzubringen, trotzdem gelingt ihm eine humorige und stimmige Interpretation.

Jose van Dam, damals ebenfalls an der Schwelle einer Weltkarriere, wurde als Sprecher und erster Priester aufgeboten und setzt seinen schönen Bassbariton gekonnt ein. Norberth Orth als Monostatos, der damals noch schwarz sein und davon singen durfte, überzeugt mit einem kraftvollen Tenor, Jahre später wechselte er ins dramatische Fach.

Die eigentliche Überraschung und Attraktion der Besetzung ist aber der Tamino von Peter Hofmann, der nach seinem Sensationserfolg als Siegmund in Patrice Chereaus Bayreuther Ring eine große Karriere begann. Den Tamino mit einem Heldentenor zu besetzen, war bis tief ins 20. Jahrhundert eigentlich die Regel gewesen, wie stimmig und gut das klingt, kann man in dieser Aufnahme hören. Hofmanns Karriere verlief in späteren Jahren nicht mehr so erfolgreich, seine Ausflüge in die Rockmusik und auf die Musicalbühne bekamen ihm nicht gut.

Die gesprochenen Dialoge, in einer rein akustischen Aufnahme immer ein wenig problematisch, finden sich hier in einer auf ein Minimum gekürzten Version. Otto Klemperer wusste schon, warum er sie in seiner unübertroffenen Aufnahme ganz wegließ.

Alain Lombard leitet das Orchestre Philharmonique de Strasbourg, dessen Chefdirigent er bis 1983 war. Sein Mozartstil ist eher handfest, stellenweise geraten ihm die Tempi etwas behäbig, aber insgesamt gelingt ihm eine ausgewogene Einspielung mit vokalen Glanzlichtern. Eine durchaus erfreuliche Wiederentdeckung!

Peter Sommeregger, 28. November 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

CD-Besprechung „Into the Fire“,  Joyce DiDonato & Brentano String Quartet, 2. Dezember 2020 klassik-begeistert.de

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