Die FREITAG-PRESSE – 9. OKTOBER 2020

Die FREITAG-PRESSE – 9. OKTOBER 2020

Foto: Michael Pöhn / Wiener Staatsoper (c)

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die FREITAG-PRESSE – 9. OKTOBER 2020

Wien/ Staatsoper
„Lange, große Oper“: Wiener Staatsoper, „Don Carlos“ (frz.)
Die Wiener Staatsoper hat den pandämiebedingten „Verwirrungen“ Stand gehalten und die geplante Wiederaufnahme der fünfaktigen französischen Fassung des „Don Carlos“ durchgezogen: eine beispielgebende Leistung. Fünf Vorstellungen wurden angesetzt – nachstehend einige Eindrücke von der vierten Vorstellung.
http://www.operinwien.at/werkverz/verdi/acarlos19.htm

Wien/ Konzerthaus
Mozart und der Zahn der Zeit
Im Konzerthaus brachte Daniel Ottensamer einen Schuss Lebendigkeit in ein allzu abgeklärt musiziertes Programm des Hagen-Quartetts.
https://www.diepresse.com/5879299/mozart-und-der-zahn-der-zeit

Karlsruhe
Badisches Staatstheater: Oper ohne Chefin
Das Badische Staatstheater in Karlsruhe sucht nach einer neuen Leitung für die Opernsparte. Die bisherige Operdirektorin Nicole Braunger will das Theater offenbar verlassen.
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/karlsruhe/opernchefin-braunger

Berlin
Vom Reichtum neuer Klaviermusik – Recital Jan Gerdes bei der „Unerhörten Musik“ in Berlin
Neue Musikzeitung/nmz.de

Berlin
Barenboim im Pierre Boulez Saal: Musikgenuss mit FFP2-Maske
Tagesspiegel

Ein liebenswürdiges Konzert mit dem Chamber Orchestra of Europe in Berlin
bachtrack

München
Interview
75. Geburtstag der Münchner Symphoniker: Sponsoring als Sozialdividende
Münchner Abendzeitung

Dresden
Dresdner Musikfestspiele setzen in Corona-Zeiten auf Stars
https://www.rtl.de/cms/dresdner-musikfestspiele-setzen-in-corona

Baden Baden
Choreograf John Neumeier mit „Ghost Light“ in Baden-Baden
https://www.swr.de/swr2/musik-klassik/choreograf-john-neumeier-mit-ghost

Freiburg
Intime Dialoge – Saisonstart des Freiburger Barockorchesters mit Isabelle Faust
Neue Musikzeitung/nmz.de

Stuttgart
Bürgerforum zur Sanierung der Stuttgarter Oper. Verein Aufbruch Stuttgart steigt aus
Stuttgarter Zeitung

Wiesbaden
Theatermitarbeiter in Quarantäne
Weil vier Mitarbeiter positiv auf das Corona-Virus getestet wurden, ist ein Großteil des technischen Personals in Quarantäne. Die beiden Wochenendvorstellungen im Großen Haus sind abgesagt.
Frankfurter Rundschau

St. Gallen
Theater-Provisorium in St. Gallen kann besichtigt werden
https://www.nau.ch/ort/st-gallen/theater-provisorium-in-st-gallen-kann

Italienische Opernkostbarkeiten
„Pagliacci“ als Vorreiter der neu erscheinenden Reihe „Masterpieces of Italian Opera“
https://www.nmz.de/artikel/italienische-opernkostbarkeiten

Link zu englischsprachigen Artikeln

Breaking: Navalny asks EU to ban Valery Gergiev
https://slippedisc.com/2020/10/breaking-navalny-calls-for-eu

Paris
Paris Opera considers blackface ban after staff campaign

The Paris Opera could formally ban blackface in its performances after almost a quarter of its staff signed an open letter against racism.
https://www.bbc.com/news/world-europe-54427042

Streams
Opera Holland Park and City Of London Sinfonia Make UN BALLO IN MASCHERA Available To Rent Online
https://www.broadwayworld.com/uk-regional/article/Opera-Holland-Park

Venedig
Teatro la Fenice Announces Salieri, Mozart & Rossini Productions
https://operawire.com/teatro-la-fenice-announces-salieri-mozart-rossini-productions/

Oviedo
Opera de Oviedo 2020-21 Review: I Puritani
John Osborn & Irina Lungu Offer Vocal Fireworks in Bellini’s Final Work
https://operawire.com/opera-de-oviedo-2020-21-review-i-puritani/

London
Classical reviews: Josquin des Prés, Bach and Gyorgy Kurtag
The Independent

New York
A musical tour of New York: where are the composers’ houses in the Big Apple?
https://www.classical-music.com/features/composers/a-musical-tour-of

Salt Lake City
Intimate Opera
Utah Opera returns with smaller-scale stories of isolation.
https://www.cityweekly.net/utah/intimate-opera/Content?oid=15875464

Montreal
Precision, but rigid Mozart and Strauss in Montreal
Orchestre symphonique de Montréal, Susanna Mälkki
bachtrack

Sydney
This may be the end of opera as we know it
Opera Australia will abandon its traditional seasons in Sydney and Melbourne in favour of producing more money-spinning musical theatre, outdoor events, indoor bespoke performances and even films.
https://www.smh.com.au/culture/opera/this-may-be-the-end-of-opera-as

CD/DVD
Monteverdi: L’Orfeo review – Toro brings expressive colour but extremes of tempo
The Guardian

Literatur

„Brauche einen Kaffee“: Literatur-Nobelpreis 2020 an Louise Glück
Auf den Österreicher Peter Handke folgt eine US-amerikanische Poetin. Sie beschäftigt sich u.a. mit schmerzhaften Beziehungen in der Familie. Zwei Bände erschienen auf Deutsch.
Kurier

TV

ORF lässt Casting-Show Starmania wieder aufleben
Jetzt ist es offiziell bestätigt: Der einstige Quotenschlager „Starmania“ kehrt 2021 nach zwölf Jahren in den ORF zurück. Schon am kommenden Dienstag erfolgt der offizielle Castingaufruf, wie Ö3 am Donnerstagabend berichtete.
http://www.krone.at/2248177

——-

Unter’m Strich

Der IWF hält einen strengen Lockdown für alternativlos
Forscher des Internationalen Währungsfonds haben die wirtschaftlichen Auswirkungen von Lockdowns untersucht. Das Ergebnis: Je schneller und härter die Maßnahmen durchgesetzt werden, desto besser für das Land. Das gilt fast ohne Ausnahme.
Die Welt.de

Bayern
Sogar CSU-Mann sauer: Söders Regierung kassiert Corona-Kritik – ganzer bayerischer Wirtschaftszweig „im Regen“?
Vergisst die bayerische Staatsregierung in der Corona-Krise einen ganzen Wirtschaftszweig? Die Opposition schlägt Alarm – und selbst in der CSU gibt es jetzt Ärger.
Münchner Merkur

Österreich
Schramböck zu zweitem Lockdown: „Habe keine Glaskugel“
Für Wirtschaftsministerin Schramböck ist die Lage ernst. „Auch Israel hat sich zweiten Lockdown nicht vorstellen können.“
Kurier

Schwere Krise im Corona-Krisenstab der Bundesregierung
Wien verlässt den Corona-Krisenstab der Bundesregierung. Gestritten wurde dort schon seit Wochen, kurz vor der Wahl kommt es nun zur Eskalation.
Kurier

Neueste Meldung: Stadtrat Hacker erscheint nun doch heute im Krisenstab
Überraschender Rücktritt vom Rücktritt
https://www.krone.at/2248190

INFOS DES TAGES (FREITAG, 9. OKTOBER 2020)

Quelle: onlinemerker.com

INFOS DES TAGES (FREITAG, 9. OKTOBER 2020)

Salzburg PK über die Festspiel Millionen (Umbau Festspielhaus Zone)

Ein wichtiger Tag für Salzburg und die Salzburger Festspiele: Bund, Land sowie Stadt Salzburg haben sich darauf geeinigt für die Sanierung und Erweiterung der Festspielhäuser in den kommenden zehn Jahren rund 262 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen und damit den Kultur- und Wirtschaftsstandort Salzburg zu stärken.

ZU INSTAGRAM

____________________________________________________________

WIENER STAATSOPER: HEUTE 11 h bis 14 h GENERALPROBE „DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL“

Seit dem Beginn der Saison 2020/2021 können junge Menschen unter 27 Jahren die Generalproben der Staatsoper besuchen. Bereits vor der Premiere ist es dadurch möglich, einen Blick durchs Schlüsselloch des Probenbetriebs zu bekommen und sich noch vor allen anderen einen Eindruck der allerneuesten Produktion an der Wiener Staatsoper zu verschaffen. Bei einer Generalprobe sollte alles schon wie bei einer Aufführung laufen, Unterbrechungen und kleine Einschränkungen sind aber möglich.

Wie man sich für diese neue U27-Aktion der Staatsoper registriert und zu Karten kommt, steht → hier.

ZUM VIDEO
_____________________________________________________________________________

Riccardo Chailly torna dopo i successi della riapertura per una straordinaria Aida in forma di concerto. Con lui, un cast prestigioso fra cui spiccano Saioa Hernández, Anita Rachvelishvili e Francesco Meli. Motivo di particolare interesse è la versione inedita dell’inizio dell’Atto III, riscoperta recentemente dagli studiosi verdiani e che sarà eseguita per la prima volta nell’occasione.

Riccardo Chailly è ancora sul podio il 21 ottobre con una interprete d’eccezione: Anna Netrebko, che eseguirà arie d’opera italiane in una serata speciale.

Il 14, 16 e 17 ottobre Zubin Mehta dirige l’imponente Sinfonia n.3 di Mahler, mistica ascesa attraverso tutte le forme del creato: dai tumulti della natura inanimata alla vita vegetale e animale, verso le note celestiali dell’amore divino.

Saranno giorni molto intensi anche per i Recital di canto, con Marina Rebeka il 20 ottobre e il recital straordinario di Jonas Kaufmann il 22 ottobre.

Ottobre segna infine il ritorno degli spettacoli in forma totalmente scenica, dal 29 ottobre con Giselle, pezzo forte del repertorio scaligero nell’indimenticabile coreografia di Coralli-Perrot ripresa da Yvette Chauviré.

Giselle e i concerti di Anna Netrebko e Jonas Kaufmann saranno in vendita al pubblico dalle ore 10 dell’8 ottobre, assieme agli spettacoli fino al 3 dicembre.

Ti aspettiamo a Teatro!

______________________________________________________________

HUI HE DEBUTS IN CATANIA UNDER THE SIGN OF BELLINI

After having given her voice to the torments of Ponchielli’s La Gioconda in two concert performances at the Deutsche Oper in Berlin, the Chinese soprano Hui He will make her debut in the city of Catania, with a special recital entitled Malinconia on the occasion of the Bellini Festival 2020.
The concert will take place at 8.00 p.m. in the suggestive setting of the Badia di Sant’Agata, jewel of the city, by the architect Giovanni Battista Vaccarini, one of the most brilliant exponents of Sicilian Baroque. The soprano will be accompanied by the pianist Anna Maria Calì.
The evening’s programme will also see the debut of Hui He in the Bellini repertoire, which she never sang before. The Chinese Opera Star will perform two extraordinarily beautiful pages from the chamber repertoire of the „Catanese Swan“: „Malinconia, ninfa gentile“ and „Per pietà, bell’idol mio“.

Afterwards the audience will have the privilege to listen to her in some of the roles which make her one of the most appreciated singers of her generation, including Tosca, Madama Butterfly, La Gioconda, Maddalena di Coigny in Andrea Chénier, and characters she recently debuted like Turandot and Adriana Lecouvreur.

About her debut in Catania and performing Bellini’s repertoire, Hui He states: „I am excited to sing for the first time in Catania, and to sing Bellini’s music here for the first time. Catania is a wonderful city, rich of artistic and cultural  jewels. Bellini is a new composer for me, who is teaching me a lot and also helps me in my ongoing dedication to improve myself technically. Bellini is the master of legato and belcantist expression, and requires an almost obsessive attention to sound and accent. I hope to soon sing Norma on stage, a monument-role that every soprano dreams of ”.
After her debut in Catania, Hui He will be in Bologna for a Masterclass dedicated to dramatic voices at the Paride Venturi International Academy of Opera and after then she will fly to Bilbao for his long role-debut as Verdi’s rare Alzira

________________________________________________________________________
STAATSOPER HANNOVER HEUTE ERSTMALS MIT STREAM AUF „OPERA-VISION“

Alle, die es aufgrund von ausverkauften Vorstellungen oder zu weiter Anreise bisher nicht geschafft haben, Trionfo. Vier letzte Nächte live im Opernhaus zu sehen, können sich nun ganz entspannt zu Hause zurücklehnen und genießen: Am Freitag, 9. Oktober, streamt die Staatsoper Hannover erstmals live auf OperaVision den berührenden Abend nach einem Oratorium von Georg Friedrich Händel.

Die vier Figuren des Stücks treibt ein individueller Lebenskonflikt um, sie müssen in einer ‚letzten Nacht‘ eine existenzielle Entscheidung treffen: Wie will ich wirklich leben, wer könnte ich wirklich sein? Was macht mein Leben aus? Und vor allem: Wie allein, wie isoliert bin ich mit diesen Fragen? Ist da niemand, der mich begleitet? Trionfo. Vier letzte Nächte ist ein Stück über die verzweifelte Lust, am Leben zu sein. Es strahlt Melancholie aus – und ist doch nicht ohne Hoffnung für die vier Figuren auf der Bühne, denn im utopischen Raum des Musiktheaters wird ihre Sehnsucht nach Begegnung erhört.

Unterstützt durch das Creative Europe Programm der Europäischen Union, verbindet OperaVision unter der Schirmherrschaft von Opera Europa, der Europäischen Vereinigung von Opernhäusern und Festivals, 29 Opernhäusern aus 17 Ländern. In mehreren Sprachen (Englisch, Französisch und Deutsch) verfügbar, sorgsam kuratiert, und kostenlos können damit Opern weltweit gestreamt werden.

Die Vorstellung Trionfo. Vier letzte Nächte am Freitag, 9. Oktober, wird ab 19:30 Uhr live aus dem Opernhaus in italienischer Sprache mit englischen Untertiteln auf opervision.eu übertragen. Danach ist der Stream bis zum 9. April mit deutschen und englischen Untertiteln sowie zusätzlichen automatischen Übersetzungen in mehr als hundert weiteren Sprachen verfügbar.

Weitere Infos

___________________________________________________________________________

Venedig’s Renaissance

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger


Das Monaco Grand Canal mit seiner traumhaften Terrasse. Foto: Andrea Matzker

Wer Venedig liebt, wird höchstwahrscheinlich nie mehr eine solche Chance erhalten wie jetzt. Anfang September kumulierten sich Festivals, Ausstellungen, Konzerte und andere kulturelle Events, sodass man die Qual der Wahl hatte, wenn man auch nur einige der hochqualifizierten Veranstaltungen besuchen wollte, da es allein an einem Tag mindestens zehn verschiedene, hochinteressante Events zur gleichen Zeit in der Stadt, am Lido und auf den Inseln der Lagune gab. Aber das Besondere daran war, dass all dies ohne Massentourismus und riesige, beängstigende Kreuzfahrtschiffe im Stadtpanorama stattfand. Und das Großartigste daran war wiederum, dass man sich absolut sicher fühlen konnte, da fast alles an der frischen Luft, unter freiem Himmel, immer bei einer wohltuenden Brise stattfand und in der ganzen Stadt penibelst auf die Maskenpflicht Acht gegeben wurde. Wenn ein Fahrgast die Maske nicht ordentlich trug oder womöglich gar keine tragen wollte, wurde er von den Vaporetti radikal nicht befördert. Diese und andere Maßnahmen, wie zum Beispiel die ständige Kontrolle der Körpertemperatur an jeglichen Eingängen zu irgendwelchen Veranstaltungen, haben sich bewährt, denn in Venedig gibt es nachweislich kaum oder sogar gar keine bekannten Corona-Fälle.

Die „77. Mostra internazionale d’arte cinematografica La Biennale di Venezia 2020“ fand als erstes Filmfestival nach dem Lockdown wieder tatsächlich statt. Unter strengen Schutzmaßnahmen wegen der Covid-19-Pandemie gab es auch wieder Premieren mit Publikum. Die Verantwortlichen aller anderen abgesagten großen Filmfestivals, wie Cannes oder Berlin, waren am Lido von Venedig zugegen. Zur Eröffnungsfeier dirigierte Andrea Morricone, der Sohn des kürzlich verstorbenen Ennio Morricone, das römische Orchester Sinfonietta mit Werken seines Vaters. Cate Blanchett war Präsidentin einer von Frauen dominierten Jury. Acht der vorgestellten 18 Filme wurden von Frauen gedreht. Die Regisseure Oliver Stone und Pedro Almodovar waren nur einige der angereisten Stars auf dem roten Teppich. Tilda Swinton bekam einen goldenen Löwen als Ehrenpreis für ihr Lebenswerk, und Pier Francesco Favino wurde als bester Darsteller im Film „Padrenostro“ mit der begehrten Coppa Volpi ausgezeichnet. Trotz des großen Echos stahlen, wenn auch ungewollt, jedoch zwei andere Berühmtheiten Italiens den großen prominenten Filmschaffenden die Show, zumindest in der Medienlandschaft Italiens.


Matteo Salvini, ausnahmsweise im Smoking. Foto: Andrea Matzker

Als Überraschungsbesuch kam der zur Zeit am meisten diskutierte Politiker Italiens, Matteo Salvini, in die Lagunenstadt, begleitet von seiner aktuellen Freundin Francesca Verdini, vor allem aber, wie die gesamte Presse bemerkte, ausnahmsweise in einem Smoking. Man kennt ihn ansonsten nur in sportlicher Kleidung, einem Smoking trägt er erst zweimal zuvor im Leben, nämlich in der Scala und im Quirinale. Er hatte sich ausnahmsweise drei Stunden Zeit genommen, um mit seiner Lebensgefährtin der Premiere des Films „Padrenostro“ beizuwohnen. Da dieser Besuch nicht angekündigt war, befürchtete man wegen der großen Beachtung seiner Person in der Stadt und auf dem roten Teppich, dass die Hauptdarsteller des Films nicht genügend gewürdigt würden. Er betonte daher auf Nachfragen, dass er ausschließlich aus privaten Gründen anwesend sei. Fotos und Artikel beschäftigten sich am Folgetag aber ausschließlich mit ihm, und nur in geringem prozentualem Anteil mit den darstellenden Künstlern und Regisseuren.


Vittorio Sgarbi in der Grande Scuole della Misericordia von Venedig. Foto: Andrea Matzker


La Grande Scuola della Misericordia di Venezia. Foto: Andrea Matzker

Ähnliches Aufsehen erregte der Auftritt des berühmten Kunsthistorikers Vittorio Sgarbi, der an der Premiere des Films seiner Schwester Elisabetta Sgarbi auf dem Lido teilnahm. Sie stellte ihren Film „Extraliscio, Punk da Balena“ vor. Zwei Tage zuvor hatte er an einer Diskussion mit Bernard-Henri Levy und Maurizio Molinari in der Grande Scuola della Misericordia in Venedig’s Stadtteil Cannaregio teilgenommen, nachdem dort der Film „Princesse Europe“ gezeigt worden war. Zu Beginn der Premiere seiner Schwester scheint es eine kleine Diskussion mit dem Aufsichtspersonal am Eingang gegeben zu haben, und die wiederum nahm mehr Platz in Anspruch in den Zeitungen und den Medien, als so manche Filmkritik. Ebenso wie der Politiker Salvini, ist Sgarbi, der auch politisch tätig ist, eine äußerst charismatische Persönlichkeit und nimmt kein Blatt vor den Mund. Dafür sind beide bekannt und stehen daher auch oft in der Kritik. Bei Auftritten, noch dazu, wenn sie überraschenderweise stattfinden, sind beiden die Schlagzeilen der Medien sicher.


„Regata storica“. Foto: Andrea Matzker


„Regata storica“. Foto: Andrea Matzker

Parallel zum Filmfestival fand neben vielen weiteren Ausstellungen und Konzerten der renommierte Literaturpreis Premio Campiello und The Venice Glass Week statt. Zusätzlich dazu feiern die Venezianer traditionsgemäß an jedem ersten Sonntag im September ihre „Regata storica“ (historische Regatta), die man vom Markus-Becken aus bis zum Rialto über den Canal Grande als Zuschauer verfolgen kann. Das farbenprächtige Bild mit den geschmückten Booten, ihren Ruderern in historischen Gewändern und der großartigen Stimmung mit den anfeuernden Rufen der Venezianer lässt erahnen, wie diese Tradition seit vielen Jahrhunderten gewachsen ist.

„Harrys Bar“, die wohl berühmteste Bar der Welt, zum ersten Mal geschlossen. Foto: Andrea Matzker


Harrys Bar:  Arrigo Cipriani am Tag der Wiedereröffnung. Foto: Andrea Matzker

Venezianer und auswärtige Stars waren gleichermaßen glücklich darüber, dass die wohl berühmteste Bar der Welt, nämlich Harry‘s Bar, ganz nah am Markusplatz, die zum allerersten Mal seit ihrem Bestehen coronabedingt geschlossen war, wieder öffnete, und man – wenn man Glück hatte – auch in Gegenwart ihres legendären Chefs Arrigo Cipriani einen Bellini trinken und den Abend standesgemäß ausklingen lassen konnte.

_________________________________________________________________________

Soeben erschienen. DDr. Hans Otto Thomashoff: Im Wahn gefangen. Kriminalroman (Inspektor Benedict Sperling 1) Kindle Ausgabe

Im Wahn gefangen

Heute ist das Buch erschienen. Hier der Link hier der link:

https://www.amazon.de/gp/product/B0881XH9DT/ref=dbs_a_def_rwt_bibl_vppi_i3

Zum heutigen Erscheinungstermin hat der Verlag für einen befristeten Sonderpreis von 4,99 für die download-Variante festgesetzt.

Inspektor Sperling ist Bohemien, Opernliebhaber und Dackelbesitzer: ein Wiener aus vergangenen Tagen. Gerechtigkeit ist ihm wichtiger als die Einhaltung des Rechts. Und so gelingt es ihm nicht, die junge Alice abzuwimmeln, als die ihn darum bittet, ihren Vater zu schützen. Alice’ Vater hat ein Heilmittel für Schizophrenie gefunden, weshalb ein Pharmakonzern ihn und das Medikament vernichten will. Als Sperling erkennt, welch grauenvoller Plan hinter all dem steht, ist ihm jedes Mitteln recht, um den Wahnsinn zu stoppen…
___________________________________________________________________________

NOCH HEUTE: BERLIN / VOLLGUTLAGER „THE WORLD TO COME“ – Eine Berliner Festmesse frei nach Ludwig van Beethovens „Missa solemnis“

Berauschende Chorkonzertwanderung durch kult-okkulte Eventräume und einen schrägen Club in Berlin


Foto: Waltenberger

Ob „The World to come“ ein generell zukunftstaugliches Konzept abgibt, na schauen wir mal. Mit Sicherheit kann ich aber berichten, dass die Generalprobe vom 7.10., die für die Presse offen war, vielen ein intensives musikalisches, ja gesamtheitliches Erlebnis beschert hat. Das Publikum sitzt nicht, sondern schreitet in Zeitlupe durch Hallen, Gänge, Tanzräume, harrt himmlisch besungen oder befiedelt im weniger göttlichen, sondern im eher regengatschigen Freien aus. Genauer gesagt im baustellenreichen Stadtviertel Neukölln, Neckargasse Ecke Isarstrasse.

Die Karl-Marx Straße ist großteils abgesperrt. Intelligenterweise hat die Bezirksverwaltung auch die Straßenschilder der Nebenstraßen entfernen lassen, sodass die Adresse für Ortsunkundige ohne Handy GPS unauffindbar wäre. Irgendwann landet man vor Berlins größter Indoor-Kartbahn (10.000 m²), von wo aus die Eventlocation „Vollgutlager“ als erste und beeindruckendste Station dieser abgefahrenen musikalischen Prozession zugänglich ist. Das sind 2.000m², eingebettet in das Areal der ehemaligen Kindl-Brauerei. Hier treffen „der raue Charakter einer ehemaligen Industrie-Produktionshalle kombiniert mit Überbleibseln der kreativen Underground-Szene aufeinander und machen den besonderen Charme dieser Räumlichkeiten aus.“

Die geballten Kräfte des Rundfunkchors Berlin, einem der besten Profichöre weltweit, sowie des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin verteilen sich in strenger Corona-Abstands-Aufstellung auf das gesamte Areal. Dazwischen waren in der berühmten 1,5 Meter Kadenz gelbe Points auf dem Fußboden angebracht, die einen schlingernden Rund-Parcours weisen. Dezent und dennoch bestimmt erinnert das die Gäste im Strömen haltende Personal daran, weiterzugehen. Dieses einer Choreographie nicht unähnliche Miteinbeziehen des Publikums lockert die Grenze zwischen Beobachten und Agieren, verschiebt die Pole Aktivität des Musizierens und Passivität des Zuhörens zugunsten einer freieren und spielerischeren Interaktion von Kunst und Mensch.


Foto: Waltenberger

Musik in verschiedenen Stationen, ein Klarinettist in barockem Kostüm tänzelt und lockt die Schlange wie der Rattenfänger. Ausgehend von Beethovens Messe ist das zentrale Element des Konzepts von Tilman Hecker der polyphone Klang: Die Vielstimmigkeit steht für das Aufeinander-Hören, Miteinander-Gestalten und den gegenseitigen respektvollen Umgang – die Grundlagen der Toleranz.

Die grandiose Partitur von Birke J. Bertelsmeier – hoffentlich wird es eine akustische Konserve geben – reiht die verschiedenen musikalischen Elemente nicht bloß nebeneinander. Zeitgenössisches und Beethoven verschmelzen zu einer höheren Einheit, die spirituelle Kraft dieses liturgisch ritualisierten Gesamtkunstwerks ist enorm. Das phasische Überlappen sowie die Offenheit und Verbundenheit der Räume führt dazu, dass sich Klänge mischen und dort noch nachklingen, wo schon längst ein Sprachvideo um Aufmerksamkeit heischt oder ein a cappella Männerchor klösterlich pur die Welt spätmittelalterlicher Gesänge heraufbeschwört. Nachhall, Erinnerung und Fortschreiten. Nahe sind die Gesichter und Noten der Orchestermusiker und des Chors. Durch das weit in den Raum gestreut sein, verlieren die großen Ensembles ihren kollektiven Charakter. Jede und jeder Einzelne entlang des Weges ist hör- und individualisierbar. Vielleicht erkennt so mancher zum ersten Mal, welch wunderbare Sänger in so einem Profichor mitwirken.

Es wäre nicht Corona-Zeit, falls das Projekt nicht auch von einer Absage betroffen gewesen wäre. Moor Mother, eine amerikanische Dichterin und Musikerin konnte nicht aus den USA anreisen. Dafür war die Künstlerin an verschiedenen Stationen mit ihrer eigens für die Veranstaltung komponierten Musik sowie zusätzlichen Video- und Audiobeiträgen präsent. Colin Self, Mohammad Reza Mortazavi und Planningtorock sind ebenfalls an dem konzeptuell weit gespannten Projekt beteiligt.

Ja, nicht einmal die Toiletten des Schwuz werden ausgespart. So geht der feierlich beinahe in Renaissancemanier sich querbeetein schlängelnde Zug auch am mit Pornobildern ausstaffierten Pissoir vorbei, an der rot beleuchteten Bar, wo diesmal keine Cocktails, sondern Musik gemixt wird. Der für seine Nacktschlagerpartys berühmte Club ist ja derzeit wie große Teile der Berliner Clubszene verwaist bzw. erfindet sich gerade wie etwa das Berghain (wo eine tolle Ausstellung “Studio Berlin“ zu sehen ist) kreativ neu.


Foto: Waltenberger

Die musikalische Gesamtleitung hat Gijs Leenaars inne und alle Hände voll zu tun. Gut sichtbar ist er auf seinem Podest im Vollgutlager, von wo aus er das minutiös wie ein Uhrwerk ablaufende Gesamtgeschehen steuert. Wir stimmen zu, dass „The world to come“ als transdisziplinäres Klangerlebnis und räumliche Installation die Grenzen vieler Chorkonzerte auflöst. Was das durchaus gelungene Experiment mit herkömmlichen Formaten verbindet, ist die ungeheure Professionalität und der spürbare Gestaltungswille aller hoch motivierten Beteiligten. Magische Momente sind zu erleben, die Akustik in den großen hohen Hallen ist atemberaubend gut. Was abgeht, ist die Freiheit, dort länger zu verweilen, wo der einzelne besonders fasziniert ist oder wo die Musik gerade einen innersten Nerv trifft. Auf der anderen Seite habe ich kaum je so knackig kompakte 40 Konzertminuten – so kurz dauert ein Rundgang – erlebt.

Die Antwort auf die Frage „Wie wird die Welt von morgen aussehen?“ freilich bleibt offen.


Foto: Waltenberger


Foto: Waltenberger

Aufführungen am 8. und 9. Oktober 2020 mit jeweils fünf verschiedenen Beginnzeiten von 19h bis 12h30. Zeitslots: 19:00 / 19:15 / 19:30 / 21:15 / 21:30. Ein Parcours dauert ca. 40 Minuten.

Dr. Ingobert Waltenberger

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.