Dr. Spelzhaus 13: „What a wonderful world this would be“

Dr. Spelzhaus 13: Von Autobiographinnen und Autokraten,  klassik-begeistert.de

Empfohlen wird das Singen von Beethovens „Ode an die Freude“ in einem Chor, das Spielen von Tschaikowskys „Blumenwalzer“ im Orchester beziehungsweise das Jammen zu Quincy Jones‘ „Soul Bossa Nova“ in einer Band. Herr Putin könnte auch einen Pas de deux mit Sergei Polunin aufs Parkett legen. Das verbindet die Menschen, stärkt das Miteinander und ist ein wunderbares Gegengift gegen Rosenkriege im Familiären sowie brutale Auseinandersetzungen auf der großen politischen Weltbühne.

von Dr. Petra Spelzhaus

Mit Erstaunen stelle ich immer wieder fest, welche enorme Reichweite diese kleine Kolumne hat. Gerade flog mir ein Schreiben eines Scheidungsanwalts ins Haus, in dem „Spelzhaus Spezial“ vielfach als „Beweismittel“ zitiert wurde, um ein Profil meines Privatlebens zu erstellen. Das ist eine großartige Idee! Zumal ich gerade meine Memoiren plane und die knallharten Fakten ganz elegant aus meiner eigenen Kolumne klauen kann. Allerdings liegt das Spelzhaus-Weihnachtsspezial mittlerweile auch schon fast drei Monate zurück. Es ist dringend Zeit für eine Aktualisierung, um mein Bewegungsprofil halbwegs lückenlos zu dokumentieren. Auf pikante Details meines skandalträchtigen Privatlebens verzichte ich dieses Mal, um die Leser von Klassik begeistert nicht allzu sehr zu verstören.

Herzlich willkommen in der Klassik-Welt, Herr Advokat! Ich bitte um viele Likes und Clicks! Vielleicht schafft es der Blog sogar bis ins Familiengericht?!?

Der Zuspruch für die Kolumne von unerwarteter Seite lässt vermuten, dass noch mehr Musik in der ganzen Geschichte steckt. Aus aktuellem Anlass fallen mir natürlich die abgesagten Konzerte Anna Netrebkos ein. Ich war drauf und dran, mich als kostengünstigen Ersatz anzubieten. Allerdings verbietet mein Arbeitsvertrag diese Nebenbeschäftigung. Mein Gesangslehrer wendete zudem ein, dass ich mit meiner Stimmlage eher ein anderes Genre abdecke.

Blieben da noch die Münchener Philharmoniker, die gerade ihren Chefdirigenten verloren haben. Da wäre ich wirklich eine ernstzunehmende Alternative, zumal ich zum Abschied aus meiner Blaskapelle den Erzherzog Eugen-Marsch mit großer Perfektion dirigiert habe. Auch wenn meine Erfahrungen im philharmonischen Repertoire noch ausbaufähig sind, sollte das für ein Weltklasseorchester kein Problem darstellen, die Musiker würden mich mitziehen. „Auf einer gestimmten Geige kann schließlich jeder spielen.“ Also liebe Philharmoniker, wenn Sie diesen Text lesen, nehmen Sie ihn gerne als Bewerbungsschreiben. Mein Bewerbungsfoto folgt als Anlage.

So ein digitaler Blog hat natürlich eine Strahlkraft weit über unsere Grenzen hinaus. Es gibt sicher den ein oder anderen Oligarchen, der zwischen dem Umparken seiner Luxusyachten und Privatflieger ein wenig Zerstreuung sucht. Vergessen darf man unter keinen Umständen die vereinsamten Diktatoren, die mit grausamen „Militäroperationen“ ein souveränes Land dem Erdboden gleich machen und Europa in Angst und Schrecken versetzen. Ihnen insbesondere täte eine intensive Beschäftigung mit den musikalischen Schätzen dieser Welt gut. Bildung schadet nicht, und en passant wird man von einem ein Cocktail aus Glücks- sowie Bindungshormonen überflutet.

Noch wirksamer ist das aktive Musizieren: Empfohlen wird das Singen von Beethovens „Ode an die Freude“ in einem Chor, das Spielen von Tschaikowskys „Blumenwalzer“ im Orchester beziehungsweise das Jammen zu Quincy Jones‘ „Soul Bossa Nova“ in einer Band. Herr Putin könnte auch einen Pas de deux mit Sergei Polunin aufs Parkett legen. Das verbindet die Menschen, stärkt das Miteinander und ist ein wunderbares Gegengift gegen Rosenkriege im Familiären sowie brutale Auseinandersetzungen auf der großen politischen Weltbühne. Singen wir es in den Worten des wunderbaren Louis Armstrong: „What a wonderful world this would be“.

Dr. Petra Spelzhaus, 12. März 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Spelzhaus Spezial (c) erscheint unregelmäßig am Samstag.

Dr. Petra Spelzhaus

Spontan sprang Dr. Petra Spelzhaus, Jahrgang 1972 und wohnhaft in München, bei der Jazzahead 2019 für eine erkrankte Kollegin ein und berichtete vom Partnerland Norwegen für klassik-begeistert.de. Ehe sie sich versah, war sie Autorin. Sie qualifizierte sich schon früh für die Musiksparte, kannte sie doch bereits alle Komponisten ihres Quartett-Kartenspiels auswendig, noch bevor sie richtig sprechen konnte. Schweißtreibende Jahre folgten beim Versuch diverse Instrumente spielen zu lernen. Als Jugendliche traf sie ihre große Liebe, die Trompete. Nach zunächst klassisch geprägter Ausbildung stieß sie auf Jazz- und Weltmusik. Es fiel ihr wie Schuppen von den Ohren: „Ich will musikalisch frei sein und improvisieren.“ Namhafte Professoren unterstützen sie bei dem nahezu unmöglichen Unterfangen. Getreu ihrem Motto „Life is Jazz“ möchte die ganzheitlich tätige Ärztin Auge und Ohr auf Klassik-begeistert für die Jazzmusik öffnen. In der 14-tägig erscheinenden Kolumne „Dr. Spelzhaus Spezial“ informiert sie jeden zweiten Samstag über Medizin und Musik.

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Ein Gedanke zu „Dr. Spelzhaus 13: Von Autobiographinnen und Autokraten,
klassik-begeistert.de“

  1. Ich bin gerade restlos begeistert. Unterhaltsamer Schreibstil, Leichtigkeit Informationen weiterzugeben und individuelle Betrachtung der Dinge.

    Erika

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