Dr. Spelzhaus Spezial (10): Musikgenuss via Telefon

In diesen kulturell ungemütlichen Zeiten ohne Livekonzerte geben sich Künstler, Kultureinrichtungen und Theater alle Mühe, uns online an ihrem kreativen Schaffen teilhaben zu lassen. Unterstützung bekommen sie dabei aus ganz unerwarteter Richtung: Diverse Firmen und sogar Großkonzerne bieten dem geneigten Zuhörer musikalische Zerstreuung via Telefon an.

von Dr. Petra Spelzhaus

Da der frühe Vogel ja bekanntlich den Wurm fängt, beginne ich eines Morgens um 8:00 mit dem Lauschen eines Telefonkonzerts. Ich wähle eine 0800-er Nummer. Die Musik eines mir unbekannten Komponisten beginnt mit einem pfeifenden Glissando. Es folgt ein Dur-Vamp im Bontempi-Sound. Ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt. Hier ist der Einfluss von Kraftwerk und Startrek hörbar. Ein Raumschiff gleitet auf einer Synthesizer-Wolke durch den Orbit. Dieses Vergnügen dauert ganze drei Minuten. Dann beginnt es – weil es so schön ist – wieder von vorne. Und erneut von vorne, wieder und wieder. Herrlich, eine nicht endende Raumfahrt dank Endlosschleife. Wären da nicht die störenden Unterbrechungen: „Der nächste freie Servicemitarbeiter nimmt ihren Anruf entgegen.“ Ich lege nach einer Viertelstunde auf. „Dr. Spelzhaus Spezial (10): Musikgenuss via Telefon“ weiterlesen

Dr. Spelzhaus Spezial 9: Joan Baez, die Grand Dame der Folkmusic und Bürgerrechtsbewegung feiert 80. Geburtstag

Fotos: (c) : 2021 Joan C. Baez / Diamonds & Rust Productions

von Dr. Petra Spelzhaus

Es müsste vor gut 10 Jahren gewesen sein. Ich nahm im Rahmen eines Selbsterfahrungstrips Gesangsunterricht. Mein Stimmbildner erwähnte einmal, meine Stimme erinnere ihn an die junge Joan Baez. Obwohl mir durchaus bewusst war, dass dieser Vergleich mir deutlich mehr schmeichelte als der großen amerikanischen Künstlerin, stachelte das meine Neugierde an. Joan Baez kannte ich von den Covern der Langspielplatten meiner Eltern. Vor meinem geistigen Ohr hörte ich ihre berühmte Version von „We shall overcome“, der Hymne der Friedensbewegung. Ein Großteil von Baez‘ bemerkenswertem künstlerischen und politischen Schaffens fand allerdings vor meiner Zeit statt. Ich deckte mich also mit CDs, der sehr empfehlenswerten DVD „How Sweet The Sound“ und einem Stapel Informationsmaterial ein.

Zu den Ergebnissen meiner Recherche: Die Stimme der jungen Joan Baez wird als glockenklarer Sopran über drei Oktaven mit charakteristischem Vibrato beschrieben. Über die vielen Jahre als Ikone der Folk-Musik und Kämpferin für Menschenrechte reifte nicht nur die Künstlerin, sondern auch ihre Stimme wie ein guter Rotwein. Sie sackte eine Oktave ab. Es resultierte eine charakterstarke und samtenere Altstimme, die mir persönlich noch besser gefällt als die frühere Version.

Auch wenn man es ihr partout nicht ansieht, am 9. Januar 2021 wird Joan Baez 80 Jahre alt. Hier ein paar Fakten zu ihrem  Leben, für das man normalerweise mindestens drei Leben bräuchte. „Dr. Spelzhaus Spezial 9: Joan Baez zum 80. Geburtstag
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Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von der Kaiserin Angela ausging, dass alle Welt daheim bleiben solle...

Dr. Spelzhaus Spezial 8:
Eine Münchner Ärztin schreibt über Musik und Medizin – Weihnachtsedition

von Dr. Petra Spelzhaus (Text und Foto)

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von der Kaiserin Angela ausging, dass alle Welt daheim bleiben solle. Diese Anweisung geschah zu der Zeit, da Markus König von Bayern war. Und jedermann ging, dass er sich isoliere, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auf auch der Sepp aus Garmisch-Partenkirchen mit seiner Verlobten Maria, die war schwanger, wenn auch von einem anderen, aber darüber hängen wir den Mantel des Schweigens. Die beiden waren gerade zu Besuch bei den Schwiegereltern in Clausthal-Zellerfeld. Auf ihrer beschwerlichen Reise setzten bei Maria die Wehen ein, aber alle Geburtskliniken waren Pandemie-bedingt geschlossen.

Zum Glück hat der Seppi bei den Geburtsvorbereitungskursen gut aufgepasst und sah sich in der Lage, einer Hausgeburt zu assistieren. Das hochschwangere Paar klingelte sich durch ganze Siedlungen und bat an unzähligen Häusern um Einlass. Dieser wurde jedoch regelmäßig verwehrt, da sich bereits die erlaubte Höchstzahl an Personen im Haushalt befand. Zum Glück erbarmte sich ein Großbauer, der einen renovierungsbedürftigen Stall zur Niederkunft zur Verfügung stellte. Der Rest dürfte ja bekannt sein… „Dr. Spelzhaus Spezial 8: Musik und Medizin – Weihnachtsedition
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Spelzhaus Spezial 6: Der Grand-Prix-Titan feiert Geburtstag – Ralph Siegel zum 75.

Egal, wie man zu Siegels Musik steht, der Liederkomponist versteht sein Handwerk. Ähnlich wie Giuseppe Verdi seinerzeit hat er Ohrwürmer geschrieben, die wir nur mit Mühe abschütteln können. Würden die Siegel-Hits ähnlich wie Verdis Klassiker den Weg in die Spaghettireklame schaffen, sie würden auch von der jungen werberelevanten Gruppe mitgepfiffen werden.

von Petra Spelzhaus

Foto: Ralph Siegel. wikipedia.de (c)

Wir blicken zurück ins Jahr 1982. Es war Samstagabend und meine Eltern eingeladen auf eine Feier eines Arbeitskollegen meines Vaters. Ich wurde wie üblich mitgenommen und verschwand mit den anderen Kindern vor einem Fernseher im Obergeschoss. Es lief eine mir damals unbekannte internationale Musiksendung, in der Interpreten aus 18 Ländern jeweils in ihrer zum Teil exotisch klingenden Heimatsprache Lieder präsentierten. Das Ganze stellte sich als Wettbewerb heraus, und es wurden ordentlich Punkte für die Darbietungen verteilt.

Deutschland durfte beginnen und wurde von einer engelsgleichen 17-jährigen Sängerin mit weißer Gitarre vertreten. Sie sang ein äußerst eingängiges Friedenslied, untermalt von traumschiffartigen Strings. Was besonders erfreulich war und zur guten Laune des Abends beitrug, dass sie die höchste Punktzahl beim Grand Prix Eurovision de la Chanson – wie der Eurovision Song Contest damals noch hieß – absahnte und gemeinsam mit einem Herrn im Gitarren-weißen Sakko den Preis entgegen nahm. Mir gefiel die Sendung: Viel schöne Musik, und Deutschland gewinnt immer, wie ich in meiner kindlichen Naivität überzeugt war… „Spelzhaus Spezial 6: Der Grand-Prix-Titan feiert Geburtstag – Ralph Siegel zum 75.“ weiterlesen

Spelzhaus Spezial 5: Hilfe, mein E“ fiept

Ich habe mich selbst in dieser Diskussion stets als eine Stimme der Vernunft gesehen, als jemand, der objektiv der Wissenschaft und dem klaren Verstand verpflichtet ist.

von Dr. Petra Spelzhaus

Da wollte ich meiner Trompete und Flügelhorn mal wieder etwas Gutes tun und habe sie einer ausgiebigen Wäsche in meiner Badewanne unterzogen. Die Maschine meiner Trompete lief super, und auch das zwischenzeitliche Klötern (auf bayerisch „Scheebern“) beim Drücken der Ventile war verschwunden. Aber was war das? Beim Spielen des E“ vernahm ich schrill fiepende Obertöne, die umliegenden Töne klangen in meinem Ohr so wie gescheite Töne zu klingen haben. Ein Tinnitus konnte es nicht sein, konnte ich den Sound doch immer nur selektiv mit meinem E“ reproduzieren. Da zudem das Mundrohr meiner Trompete feststeckte, war klar: Ich muss mit meinem Hörnchen zum Doktor. Also verabredete ich mich mit dem Instrumentenbauer meines Vertrauens. „Spelzhaus Spezial 5
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Spelzhaus Spezial 4: Bereicherung unserer Kulturlandschaft

Ich bin und bleibe ein großer Fan der Livemusik. Ich freue mich riesig auf den Moment, wo die Theater und Konzertsäle ihre Tore wieder für Künstler und Zuhörer öffnen. Aber das, was im Moment an Kreativität entsteht, die digitale Vernetzung von Musikern und Zuhörern aus aller Welt, ist in der heutigen Zeit ein Geschenk und könnte auch in Zukunft eine Bereicherung unserer Kulturlandschaft bedeuten.

von Dr. Petra Spelzhaus

Es ist der 30. April 2020: Die einen nennen es Walpurgisnacht, die anderen Beltane. Der Tanz in den Mai fällt aus wohlbekannten viralen Gründen ins Wasser. Wir gehen unserer mittlerweile zur guten Gewohnheit gewordenen Betätigung nach und schalten uns um 21 Uhr MEZ live auf einen Youtube-Streamingkanal.  Wir werden freundlich von Herbie Hancock zum internationalen Jazztag der UNESCO begrüßt. Seit 2012 wird dieser Tag mit Lifekonzerten rund um den Erdball gefeiert. Dieses Jahr ist alles anders. Das geplante Hauptkonzert in Kapstadt kann ebenso wie viele andere Veranstaltungen weltweit nicht stattfinden. Stattdessen treffen sich Künstler aus aller Herren Länder wie Marcus Miller, John McLaughlin, Dianne Reeves, Dee Dee Bridgewater, Lang Lang, Lizz Wright, John Scofield und viele andere zum virtuellen Stelldichein. „Spelzhaus Spezial 4
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Spelzhaus Spezial 3 – musikalische Wurzeln oder: Hilfe, ich brauche ein Dirndl!

Foto: Barbara Hauter (Kontrabass), Petra Spelzhaus (Trompete)

von Dr. Petra Spelzhaus

Hilfe, ich brauche ein Dirndl! Vor sechs Jahren verschlug es mich als eingefleischte Bremerin in die ländliche Idylle Oberbayerns, nicht weit von Rosenheim. Ich ließ fast alles im Norden zurück: Meine Familie, meine Freunde, meine Arbeitsstelle, meine Wohnung im Bremer Szeneviertel, meinen hoch geschätzten Trompeten-Meister, meine Jazzcombo. Begleitet wurde ich von meiner Trompete, meinem äußerst launischen gelben Skoda und ein paar Möbeln, von denen ich mich nicht trennen mochte.

Was macht man als Nordlicht „Lost in Space“? Das, was ich daheim auch am liebsten gemacht habe: Musik! Kaum, dass ich das gelobte Land unter dem weißblauen Himmel betreten habe, suchte ich nach gleichgesinnten Jazzmusikern. Die Suche endete erst einmal im Nirwana. Aber da tat sich etwas anderes auf: Ich landete durch mehrere Zufälle zunächst in einem Jodelkurs, auf Musikabenden, wo bayerische Musik mit Klezmer verquirlt wurde, auf Bayerns größtem Volksmusikfestival „Drumherum“ im niederbayerischen Regen sowie als Publikum im Abschlusskonzert der Protagonisten des Films „Bavaria Vista Club“ auf einer sattgrünen Alm. Der Film zeigte diverse Musikgruppen, die ihre bayerischen Wurzeln unter anderem mit Mantras, türkischer Musik, Blues und Reggae mischten. Wer sich das schöne Werk von Walter Steffen auf DVD anschauen möchte, kann mich als etwas steif tanzende Komparsin mit rotweiß gestreifter Trachtenbluse bewundern. „Spelzhaus Spezial 3, Musikalische Wurzeln
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Spelzhaus Spezial 2: Musik und Mediziner, ein unsichtbares Band

Vielleicht ist die Frage nach der Verbindung von Medizin und Musik aber doch ganz simpel zu beantworten: Beides heilt.

von Dr. Petra Spelzhaus

Es war einer meiner ersten Jazzworkshops in Einschlingen, einem Randbezirk von Bielefeld. Meine damalige Zimmernachbarin, eine Musiklehrerin, bemerkte eines Abends, sie habe das Gefühl, in einem Schullandheim für Ärzte zu sein. Diese Behauptung war mir nicht neu, hörte ich doch schon häufiger von einer Ärzteschwemme an Musikinstrumenten. Ist da tatsächlich etwas dran?

Mittlerweile suche ich seit über einem Jahrzehnt alljährlich diesen verheißungsvollen Ort am Teutoburger Wald auf, um mit etwa 50 weiteren Musik-Verrückten und der Jazzpolizei in Form der Dozenten den Geheimnissen der Rhythmik, Dynamik, Phrasierung, Sound und den unendlichen Skalen im Jazz auf die Schliche zu kommen.

Da sind sie wieder: Der Notarzt, der das Martinshorn gegen eine Trompete eingetauscht hat. Der pensionierte Kinderarzt, der nicht mehr ohne Kanister Rotwein anreist, da wir seinen Nicht-Geburtstag Jahr für Jahr exzessiv feiern. Der Psychiater, der sanft die Gitarrensaiten zupft und den Pausengesprächen einen ungeahnten Tiefgang verschafft. „Spelzhaus Spezial 2: Musik und Mediziner, ein unsichtbares Band
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Spelzhaus Spezial 1: Corona – Life is Jazz. Mein Plädoyer für die Musik

Also bitte: Improvisiert, hört Musik, macht Musik, singt und tanzt daheim! Wenn Ihr Euch nicht wie die Italiener auf den Balkon traut, dann tut es wenigstens unter der Dusche. Das ist – soviel ich weiß – noch erlaubt.

von Petra Spelzhaus

Eigentlich würde ich heute Abend im Münchener  Jazzclub Unterfahrt sitzen und über das Konzert der genial-verrückten Schweizer Combo „Hildegard Lernt Fliegen“ schreiben. Fliegen ist gerade nicht angesagt in Zeiten des Coronavirus. „Spelzhaus Spezial 1: Corona – Life is Jazz. Mein Plädoyer für die Musik
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