Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von der Kaiserin Angela ausging, dass alle Welt daheim bleiben solle...

Dr. Spelzhaus Spezial 8: Musik und Medizin – Weihnachtsedition  klassik-begeistert.de

Dr. Spelzhaus Spezial 8:
Eine Münchner Ärztin schreibt über Musik und Medizin – Weihnachtsedition

von Dr. Petra Spelzhaus (Text und Foto)

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von der Kaiserin Angela ausging, dass alle Welt daheim bleiben solle. Diese Anweisung geschah zu der Zeit, da Markus König von Bayern war. Und jedermann ging, dass er sich isoliere, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auf auch der Sepp aus Garmisch-Partenkirchen mit seiner Verlobten Maria, die war schwanger, wenn auch von einem anderen, aber darüber hängen wir den Mantel des Schweigens. Die beiden waren gerade zu Besuch bei den Schwiegereltern in Clausthal-Zellerfeld. Auf ihrer beschwerlichen Reise setzten bei Maria die Wehen ein, aber alle Geburtskliniken waren Pandemie-bedingt geschlossen.

Zum Glück hat der Seppi bei den Geburtsvorbereitungskursen gut aufgepasst und sah sich in der Lage, einer Hausgeburt zu assistieren. Das hochschwangere Paar klingelte sich durch ganze Siedlungen und bat an unzähligen Häusern um Einlass. Dieser wurde jedoch regelmäßig verwehrt, da sich bereits die erlaubte Höchstzahl an Personen im Haushalt befand. Zum Glück erbarmte sich ein Großbauer, der einen renovierungsbedürftigen Stall zur Niederkunft zur Verfügung stellte. Der Rest dürfte ja bekannt sein…

Weihnachten 2020 verlangt uns einiges ab. Wurden wir in diesen viralen Zeiten doch bereits durch fehlenden Glühwein auf fehlenden Weihnachtsmärkten und abrupt abgebrochenem Kaufrausch auf Entzug gesetzt. Zum Glück hat König Markus schon rechtzeitig unmissverständlich festgelegt, dass wir ein christliches Abendland sind: Anders als in anderen Theatern, die bereits seit Anfang November auf Publikum vor Ort verzichten müssen, sind Gottesdienste zu Weihnachten erlaubt. Puh, gerade nochmal Glück gehabt! Diese Veranstaltungen werden im Akkord Pandemie-konform als Hybrid-Vespern angeboten – bereits zuvor angemeldete Menschen kommen in ihren Hybrid-Fahrzeugen mit ihren Hybrid-beschulten Kindern vorgefahren und ergattern die wenigen freigegebenen Plätze im Kirchenraum. Der Rest der Christenheit kann vor ihren Computern und Fernsehern dem Ereignis folgen.

Das ruft mich als Medizinerin auf den Plan: Ein idealeres Setting für eine Massenstudie ist kaum vorstellbar. Zur Bekämpfung des exzessiv um sich greifenden Virus ist nicht nur die Expositionsprophylaxe, sprich Abstand, Hände waschen und Schnutendeckel, eine wichtige Säule, sondern auch die Stärkung unseres Immunsystems. Immunstimulierende Glückshormone werden in großen Mengen beim Singen in Gemeinschaft ausgestoßen. Hier setzt die Studie an: Testgruppe 1 sitzt in den Gottesdiensten, geschützt durch Abstand zu den anderen Gemeindegliedern mit Mund-Nasen-Bedeckung, darf der Musik live oder von der Konserve lauschen, aber nicht mitsingen. Testgruppe 2 hockt isoliert oder in Mini-Kleingruppe vor dem PC oder Fernseher, darf aber „Oh Du Fröhliche“ laut mitgröhlen, vielleicht sogar stimuliert durch ein alkoholisches Heißgetränk. Die Kontrollgruppe entzieht sich dem ganzen Spektakel. Jetzt fehlen nur noch mobile Teams wissenschaftlicher Mitarbeiter, die in regelmäßigen Abständen den Hormonstatus der Probanden bestimmen.

Wir werden uns in unserer Viren-konformen 4-Personen-Weihnachts-WG aus zwei Haushalten mit einer erstgradigen verwandtschaftlichen Beziehung der Kontrollgruppe anschließen. Mit unserem christlich-daoistisch-muslimischen Hintergrund bilden wir eine Band mit Geige, Trompete, Piano und Bass, um unsere Nachbarschaft durch die Wände mit Weihnachtsliedern aus aller Welt zu beglücken. Doch es bleibt die Schwierigkeit, mit unseren Aerosolen unsere Umwelt nicht zu gefährden.

Dr. Petra Spelzhaus

Ich als Trompeterin habe bereits im ersten Lockdown gelernt, dass eine ernsthafte Ausübung meiner Kunst mit Maske nicht möglich ist. Erfreulicherweise wurde an den Musikhochschulen erforscht, dass die Aerosole in den Hörnern bereits so verwirbelt werden, dass sie aus dem Trichter quasi nur noch rauströpfeln. Ich bin also raus aus der Nummer. Allerdings stellt der Rest der Band eine nicht zu vernachlässigende Gefahr da. Neben der erregungsbedingten Hyperventilation könnten sie gar versehentlich mitsingen. Und hat man schon erforscht, ob die erhöhte Schweißproduktion der musikalischen Anfänger nicht auch die Viren schneller verbreitet? Ich denke, ich stecke die anderen in Ganzkörper-Kondome. Sicher ist sicher.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine stille und heilige Nacht!

Dr. Petra Spelzhaus, 23. Dezember 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Spelzhaus Spezial 7 klassik-begeistert.de

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Spontan sprang Dr. Petra Spelzhaus, Jahrgang 1972 und wohnhaft in München, bei der Jazzahead 2019 für eine erkrankte Kollegin ein und berichtete vom Partnerland Norwegen für klassik- begeistert.de . Weitere Beiträge als Autorin folgten. Schon früh entstand der Kontakt zur Musik. Kaum dass Petra sprechen konnte, kannte sie schon sämtliche Komponisten ihres Quartett-Kartenspiels auswendig. Sie versuchte sich seit ihrer Kindheit an diversen Instrumenten, bis sie als Jugendliche auf ihre große Liebe, die Trompete, traf. Nach zunächst klassisch ausgerichteter Ausbildung stieß die gebürtige Bremerin auf Jazz- und Weltmusik. Da war ihr klar: „Ich will musikalisch frei sein und improvisieren!“ Namhafte Professoren besaßen die Geduld und nahmen sich ihrer an. Die Erkenntnis reifte: Je leichter und freier Musik klingt, desto mehr Schweiß steckt dahinter. Getreu ihrem Motto „Life is Jazz“, möchte die ganzheitlich tätige Ärztin Auge und Ohr auf klassik-begeistert.de weiten und der Jazzmusik Gehör verschaffen. Dr. Petra Spelzhaus ist auch Jazztrompeterin, sie lebt und arbeitet in München.

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