(Foto © Bettina Stöß: Carmen Giannattasio und Jonathan Tetelman)
von Jörn Schmidt
Andreas Schmidt ist der Herausgeber von klassik-begeistert. Demnächst feiert klassik-begeistert Geburtstag. Lieber Andreas, Dein Blog, der Jubilar, – ach was: Dein Baby, Dein Lebenswerk – wird 10 Jahre alt und ist die Nr. 1 der Klassik-Blogs der DACH-Region (Google-Ranking). Das habe ich mit 5 Artikeln gefeiert, die hier ab Mittwoch, 17. Juni 2026, zum Jubiläum erscheinen werden.
Ich bin glücklich, dass Du mich vor gar nicht so langer Zeit überredet hast, Teil der klassik-begeistert-Familie zu werden. Auch Du feierst Deine Autoren jeden Tag. Staatstragend wird es, wenn jemand den 100. Beitrag veröffentlicht hat. Das gibt eine dicke öffentliche Belobigung – nur mir hast Du für Folge 100 ein allen zugängliches Disziplinarverfahren angedroht. Ich habe schon überlegt, ob ich mit der nächsten Folge anfange, neu zu nummerieren: 99.1, 99.2, 99.3 und so weiter – so kann ich vielleicht noch Zeit gewinnen…
… dann aber habe ich gedacht, Angriff ist die beste Verteidigung. Und habe mir überlegt, welches Fehlverhalten mir überhaupt vorzuwerfen ist. Meine typo-Quote ist unauffällig, würde ich sagen. Äußerungsrechtlich abgemahnt wurden meine Artikel auch noch nicht. Geld habe ich ebensowenig verlangt – nach wie vor ist meine Schreibe pro bono. Wegen Pressekarten nerve ich Dich auch nicht.
Dann aber fiel mir siedend heiß ein, Dein Credo ist – Du hast mir das erst kürzlich wieder ins Stammbuch geschrieben:
Ohne Stimme ist die Oper nichts. Oper = Stimme. Stimme = Oper.
Klar, das verstehe ich. Du bist Chor-Sänger (Symphonischer Chor Hamburg, Gastsänger Wiener Singakademie) und Opern-verrückt. Schon als
4-Jähriger gingst Du mit Deiner Mutter in die Hamburgische Staatsoper. Das prägt fürs Leben.
Wenn man dagegen meine Interviews durchzählt – ziemlich viele Dirigenten als Gesprächspartner. Auch Cello, Mandoline, Harfe sind vertreten (zu der Harfe komme ich später noch). Aber nur fünf Sänger bislang….Gleiches Bild in meiner Kolumne: Zu den Sängern oftmals nur wenige sparsame Worte, um so mehr zu den Dirigenten. Da kann einem als Herausgeber schon mal die Hutschnur platzen.
Aber weißt Du was, ich sage Dir:
Ohne Dirigent ist die Oper nichts. Oper = Dirigent. Dirigent = Oper.
Das kann ich belegen. Du bist wie ich Wagnerianer, seinen Ring gibt es ohne Worte – für Orchester zusammengestellt von Lorin Maazel. Und der war, natürlich, ein großer Dirigent. Und was schreibt sein Verlag, die Schott Music GmbH & Co. KG dazu:
„Der Verzicht auf das Wort bedeutet in Maazels Ring ohne Worte keinen Verlust an musikalischer Substanz, denn Wagner verdoppelte und stützte die Gesangsstimmen sehr oft durch Orchesterinstrumente. Wo dies nicht der Fall ist, lässt Maazel die Gesangspartien durch zusätzliche Instrumente andeuten, die den Personen zugeordnet sind: Die Flöte steht etwa für Sieglinde, die Posaune verkörpert Siegmund und Siegfried und die Bassklarinette personifiziert Fafner.“

Desgleichen ist es ohne Probleme möglich, in Opernarien die Sänger durch Instrumente zu ersetzen. Una furtiva lacrima aus Gaetano Donizettis Oper L’elisir d’amore zum Beispiel lässt sich hervorragend für die Harfe adaptieren, gängige Bearbeitungen stammen von John Thomas oder Caroline Schmidt-Polex.
Auf Klassik Radio spielt man derlei Adaptionen jeden Tag. Gefühlt jedenfalls – ich höre den Sender bestenfalls im Autoradio auf Kurzstecke. Umgekehrt jedoch, eine a-cappella-Oper – seriöse, originale, abendfüllende, prominente Beispiele fallen mir da nicht ein. Kirsas Musik vielleicht, eine Mobile Oper von Thierry Tidrow – für Kinder von 4 bis 7 Jahren…
Und stell´ Dir mal eine Opernaufführung ohne Dirigenten vor, der die Einsätze gibt. Das würde Dir nicht gefallen – man denke nur an Deine Artikel zu einem früheren, von mir sehr geschätzten Hamburger Generalmusikdirektor. Da hattest Du die falschen Einsätze gezählt. Sei ehrlich – das hättest Du sicher nicht gemacht, wenn Sänger ohne Dirigent auskämen?
Aber lass´ Dir dadurch bitte nicht Deine Feier verderben. Die Feier startet bzw. meine Beiträge erscheinen wie gesagt ab dem 17. Juni 2026 … unbedingt hier vorbeischauen. Und um nicht noch mehr disziplinarischen Ärger mit Dir zu bekommen: Dieser Text hier ist natürlich nur PR für die Feierlichkeiten. Du hast es verdient!
Herzlich, Jörn
Jörn Schmidt, 10. Juni 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.
Interview: kb im Gespräch mit Maestro Carlo Goldstein, Teil I klassik-begeistert.de, 7. Februar 2026
Interview: kb im Gespräch mit Alan Gilbert Elbphilharmonie, 7. Mai 2025