Wie das Festspielhaus in Bayreuth der Bombardierung entging

Ausstellung Christa Pawlofsky „Bayreuths große Verpflichtung“  Kunstkabinett des Alten Barock-Rathauses, Bayreuth

Foto: Christa Pawlofsky vor ihrem Gemälde Luftangriff der Alliierten auf Bayreuth im Jahr 1945

Die Ausstellung der Werke von Christa Pawlofsky „Bayreuths große Verpflichtung“ im Kunstkabinett des Alten Barock-Rathauses in Bayreuth

„Die Zeitungsbilder haben mich fasziniert und inspiriert, obwohl sie schwarzweiß sind. Ich habe sie kopiert, collagiert, farbig übermalt und so in Bewegung gebracht“, so Christa Pawlofsky.

Die Ausstellung ist im August täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen und
vom 1. bis zum 21. September von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

Text und Fotos: Jolanta Łada-Zielke

Erinnern Sie sich an Christa Pawlofsky, Ärztin für psychosomatische Medizin und zugleich Künstlerin aus Bayreuth, vor deren Haus ein Schild mit der Aufschrift „In diesem Hause komponierte Richard Wagner nichts“ hängt? Eine der Begleitveranstaltungen zum 150-jährigen Jubiläum der Festspiele ist eine Kabinettausstellung ihrer Werke unter dem Titel „Bayreuths große Verpflichtung“.

Die Ausstellung präsentiert künstlerische Bearbeitungen der Seiten lokaler Zeitungen, die von 1939 bis 1996 erschienen – vor allem Nordbayerischer Kurier und Bayreuther Tagblatt. Das ist ein Zyklus von 17 Collagen und Mischtechniken von Temperafarben und Kreide. Die Künstlerin exponiert die Überschriften und Einleitungen der Pressemitteilungen, während sie ihren Inhalt durch Collagen verdichtet und übermalt. Die Ausstellung zeigt jedoch auch Fotokopien der Originalseiten der Zeitungen.

„Diese schöne Brauerei bombardieren wir nicht“

Das größte Gemälde – Acryl auf Leinwand 130 auf 100 cm – zeigt das Festspielhaus in einer dunklen Kriegsnacht, über dem Flugzeuge bedrohlich kreisen, es bleibt aber unberührt. Bernd Mayer, der inzwischen verstorbene zweite Bürgermeister der Stadt Bayreuth, erzählte mir im Jahr 2005, dass die Wehrmacht aufgrund seiner Lage im Festspielhaus eine Sende- und Empfangsstation einrichten wollte. Winifred Wagner lehnte diese Idee ab und argumentierte zu Recht, dass das Theater dann zur Zielscheibe der Luftangriffe werden würde. Diese Entscheidung hat das Gebäude gerettet.

„Amerikanische Soldaten, die über Bayreuth flogen beschlossen ‚diese schöne Brauerei bombardieren wir nicht. Wir lieben deutsches Bier. “, erzählt Christa Pawlofsky unter Berufung auf ein Zitat aus dem Bayreuth-Reiseführer. Im Jahr 1945 war die Stadt zu 40 Prozent zerstört.

Die Idee zu dieser Ausstellung entstand 1996. Als Ärztin für psychosomatische Medizin mit Spezialisierung Psychoanalyse hatte Christa das Problem der Kriegstraumata bei ihren Patienten eingehend kennengelernt. Als sie 1996 von Berlin nach Bayreuth zurückkehrte, schlug ihr die Redaktion einer lokalen Zeitung vor, ein künstlerisches Projekt zu realisieren.

„Aus dem Syberbergs Film-Interview, das Winifred Wagner 1976 gegeben hat, habe ich erfahren, dass Winifred sich davon überhaupt nicht distanziert hatte, was die Verstrickung der Familie Wagner und der Bayreuther Festspiele mit dem Nationalsozialismus und Adolf Hitler betrifft. Das alles hat mich sehr bewegt. Ich habe die umfangreichen Folianten im Zeitungsarchiv des Nordbayerischen Kuriers gesichtet. Die Verbindung der Bayreuther Festspiele zum Dritten Reich waren ausführlich und eindeutig zu sehen.“

Auf diese Weise entstand im Archiv der Zeitungsredaktion sowie in Christas Atelier der erwähnte Zyklus von 17 Werken.

Festspiele im braunen Schatten
„Bayreuths große Verpflichtung – Zum Beginn der Festspielzeit 1939.“ Bayreuther Tagblatt 25.7.1939; Text: Dr. Fritz Kempfler, Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth.

Das erste übermalte Zeitungsblatt aus dem Jahr 1939 hat die Überschrift „Bayreuths große Verpflichtung“. Christa hat es kopiert, überarbeitet und zwei „Bratwurstesser“ mit Bratwürstchen in Brötchen daraufgesetzt. Jahrzehnte lang war das die einzige Verpflegung auf dem Grünen Hügel, und natürlich das Bier.

Bei einer anderen Collage von kopierten Zeitungsseiten aus demselben Jahr, gibt es das Zeitungsfoto, auf dem der Führer die Festspielgäste vom Fenster aus grüßt. Daraus hat Christa einen Balkon gemacht. Winifred Wagner lud damals Deutsche aus der gerade von den Nazis besetzten Tschechoslowakei nach Bayreuth ein, und der gesamte Platz vor dem Festspielhaus war voller Menschen, die Hitler zujubelten. Es gibt weiteres Pressebild, welches Hitler als Kinderfreund darstellt, indem er die berühmten Bayreuther Drillinge empfängt.

Eine weitere künstlerische Zusammenstellung von Pressefotos zeigt mit gewisser Dynamik, wie den jungen Frauen, die im Reichsarbeitsdienst dienten und in der Rüstungsproduktion arbeiteten, bei den Kriegsfestspielen eine wichtige Rolle zukam. Während des Festivals kümmerten sie sich um die verwundeten Soldaten im Publikum.

In der Nachkriegsgeschichte des Festivals gab es einige zu Collagen und Übermalungen inspirierende Berichte: eine Zeitungsseite aus dem Jahr 1976 mit dem erwähnten Interview mit Winifred Wagner, sowie die „stille“ Hochzeit von Wolfgang Wagner mit seiner Mitarbeiterin Gurdun Macks und der Besuch ihrer Tochter Friedelind in Bayreuth im Jahr 1953, die noch vor dem Krieg in die USA emigriert war. All dies hat die Künstlerin in einer Materialcollage mit einem Zeitungsbericht über die Luftbrücke während der Berlin-Blockade mit dem Titel „Die nährstoffreiche Luftbrücke Hamburg/Berlin“ zusammengefasst. Sie stellte hier Zeitungsüberschriften in Form von Flugzeugteilen dar.

CINZANO – „Der Ring des Nibelungen“ unter Herbert von Karajan, „Beglückte Mäzene“ „Hier wird dem Drachen auf den Zahn gefühlt.“ Bayreuther Tagblatt 18.8.1951
Oper und Alltag

In dieser Ausstellung können Arbeiten zu Zeitungsberichten über Inszenierungen im Festspielhaus nicht fehlen. Christa Pawlofsky stellt Zusammenhänge mit zeitgeschichtlich aktuellen Weltereignissen aus den Zeitungsberichten her, zum Beispiel Das Rheingold mit der Apollo-15-Mission zum Mond. Ausgehend von der Äußerung von John Tomlinson – Wotan aus dem Jahr 1993 – „Bei Wagner ist alles logisch“ –, die als Titel für ein Interview mit ihm diente, bearbeitete die Künstlerin ein Pressefoto aus dem dritten Akt der „Walküre“ und fügte ihm eine Anzeige der Zeitung „Nordbayerischer Kurier“ zum Thema Papierrecycling hinzu.

Es gibt auch eine Seite der Zeitungswerbung darüber, welche hochwertigen und pflegeleichten Stoffe Bayreuth für die Bekleidungsherstellung anlässlich der Hundertjahres Feier der Festspiele (1976) anzubieten hatte. Dies waren die in Bayreuth hergestellte Acryl und Trevira. „Diese Fäden reißen nie“, so lautet der Titel. Pawlofsky machte daraus eine Collage mit den sogenannten „blauen Mädchen“ – Hostessen des Festspielhauses – in Berufskleidung aus diesen blauen Textilien.

Jolanta Łada-Zielke, 11. August 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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