Enrique Mazzola holt ein Optimum an Wohlklang aus Meyerbeers "Dinorah" heraus

Giacomo Meyerbeer, Dinorah,  Deutsche Oper Berlin, 4. März 2020

Foto: © Eric Garault

Deutsche Oper Berlin, 4. März 2020 (Premiere)

Giacomo Meyerbeer, Dinorah ou Le Pardon de Ploërmel (konzertant)

von Peter Sommeregger

Man muss der Deutschen Oper durchaus dankbar sein, dass sie sich den Werken des Komponisten Giacomo Meyerbeer so engagiert widmet. Lange waren seine umfangreichen Grand Operas von allen Spielplänen verschwunden, galten als veraltet und schwer aufführbar. Dabei war Meyerbeer Berliner, ist auch hier begraben, und die Wiederaufführung seiner Werke scheint ein Anliegen der Leitung des Hauses zu sein.

„Der Prophet“ , „Die Hugenotten“ und „Vasco da Gama“ wurden szenisch realisiert, wobei man sich bei der Wahl der Regisseure zum Teil milde gesagt „vergriffen“ hat. Die weniger aufwändige und kürzere „Dinorah“ wird nun konzertant mit nur angedeuteten szenischen Aktionen gegeben. Das macht durchaus Sinn, denn die Handlung dieser halb ernsten, halb komischen Oper ist vergleichsweise dünn, dazu reichlich kompliziert und unglaubwürdig, das markanteste Detail ist eigentlich die Suche nach der Ziege Dinorahs.

Meyerbeer hat aber zur Unterfütterung des schwachen Librettos zu einem von ihm häufig angewandten Trick gegriffen: Jeder Akt wird durch idyllische Naturschilderungen, sei es von Chören oder von Solisten, eingeleitet. Man muss einige Geduld aufwenden, um schließlich wieder beim schleppenden Verlauf der Handlung anzukommen. Die Musik ist durchaus ansprechend und schön, aber die ganz großen musikalischen Einfälle sucht man in dieser Oper mit Ausnahme von Dinorahs berühmter Schattenarie vergebens, dadurch ziehen sich die zweieinhalb Stunden Aufführungsdauer doch gewaltig, nach der Pause war der Saal schon deutlich leerer.

Rocío Pérez (Sopran)

Im Vorfeld der Aufführung gab es Absagen von Sängern, die das Haus aber gut kompensieren konnte. Die junge spanische Sopranistin Rocío Pérez, an der Deutschen Oper keine Unbekannte, bringt ihren jugendfrischen, höhensicheren Sopran als großes Plus der Aufführung ein. Dass sie auch eine hübsche Frau ist, und ein sehr raffiniertes Abendkleid trägt, ist auch nicht von Nachteil. Die Koloraturen gelingen ihr ausgezeichnet, aber mit der virtuosen Schattenarie gerät sie doch an ihre stimmlichen Grenzen.

Als ihr Liebhaber Hoel lässt der Franzose Régis Mengus einen sehr ansprechenden Bariton hören. Erst im dritten Akt wirkt die Stimme ein wenig angeraut und trocken, was an der Länge der Partie liegen mag. Der ebenfalls französische Tenor Philippe Talbot kann mit der Rolle des tollpatschigen Corentin voll überzeugen.

Alle drei Hauptdarsteller bemühen sich erfolgreich, den eher drögen Fluss der Handlung durch angedeutete szenische Aktionen etwas aufzupeppen, aber gegen die gefährlichen Längen der Oper sind sie machtlos. Sehr ansprechend präsentieren sich Seth Carico als Jäger und Gideon Poppe als Mäher in kleinen Partien. Die zwei Schäferinnen von Nicole Haslett und Karis Tucker kann man ebenfalls auf der Habenseite verbuchen.

Enrique Mazzola, inzwischen so etwas wie ein Experte für Meyerbeer, holt aus der Musik und den Chören ein Optimum an Wohlklang heraus, das Orchester und der Chor der Deutschen Oper sind mit ihm auch bereits bestens vertraut. Das Resultat ist eine durchaus gelungene Aufführung, für die Schwächen des Werkes ist schließlich nur der Komponist verantwortlich.

Peter Sommeregger, 5. März 2020 für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

 

Rocio Perez: Dinorah

Regis Mengus: Hoel

Philippe Talbot: Corentin

Seth Carico: Jäger

Gideon Poppe: Mäher

Nicole Haslett, Karis Tucker: 2 Schäferinnen

Enrique Mazzola: Dirigent

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